Ross Brawn fühlte sich in Sepang, als hätte er in der Wüste Wasser gefunden

Formel 1 2013

— 26.03.2013

Brawn erklärt Sepang-Entscheidung: Stallregie logische Wahl

Mercedes-Teamchef Ross Brawn rechtfertigt sich, warum er Nico Rosberg in Sepang hinderte, Lewis Hamilton zu überholen, auch wenn beide Fahrer anderer Meinung sind



Für Nico Rosberg war der Grand Prix von Malaysia ein bitteres Rennen. In der Endphase musste sich der Mercedes-Pilot hinter seinem neuen Teamkollegen anstellten, der Sprit sparte um über die Distanz zu kommen. Rosberg hätte deutlich schneller fahren können als Lewis Hamilton, doch Teamchef Ross Brawn schob den Riegel vor und verbat dem Wiesbadener, am Drittplatzierten vorbeizugehen - und das trotz ausgedehnter Diskussionen am Boxenfunk.

Im Nachhinein gab es viel Kritik für die Entscheidung von Brawn - sogar der Aufsichtsrats-Vorsitzende Niki Lauda zeigte sich damit nicht einverstanden. Doch für den Teamchef steht nach wie vor fest, dass nur diese Vorgehensweise in Frage kam. "Nach meiner Beurteilung war es die Lösung mit dem geringsten Risikofaktor, dass die Fahrer ihre Positionen beibehalten", bestätigt der Brite gegenüber 'Autosport'.

Brawn: Red Bull außer Reichweite

Für ihn zählt das Argument nicht, dass Rosberg, der viel schneller hätte fahren können, die Red-Bull-Piloten in einen Fehler hetzen oder bei einem Zwischenfall der lachende Dritte hätte sein können. "Nico wäre vielleicht an Lewis vorbeigekommen, aber durch das Spritspar-Programm, das bei beiden Piloten lief, gab es keine Möglichkeit, weiter nach vorne zu kommen, um die zwei vorderen Autos herauszufordern."

Doch warum kalkulierte Brawn den Sprit dermaßen am Limit, dass seine Piloten im Rennen nicht die volle Leistung ihrer Boliden abrufen konnten? "Wir kalkulieren das ganz genau, um die kürzeste Rennzeit zu erreichen", erklärt der Teamchef. "Es ist immer ein Balanceakt zwischen der Zeit, die man in der Anfangsphase verliert, weil man mehr Sprit an Bord hat und dem Kompromiss, den man eingehen muss, um das Ziel zu erreichen."

Vor allem nach den mageren vergangenen Jahren war Brawn nun erpicht darauf, das gute Teamergebnis um jeden Preis zu retten und ja keinen Zwischenfälle heraufzubeschwören: "Als ich nachher mit dem Team sprach, verwendete ich die Analogie eines Mannes in der Wüste, der ein Glas Wasser findet. Und wir wollten sicherstellen, dass wir nicht einen einzigen Tropfen verschütten."

Hamilton hätte Rosberg eine Chance gegeben

Der Plan ging zwar auf, doch Hamilton machte auf dem Podest einen betretenen Eindruck, meinte sogar, dass eher Rosberg hier stehen sollte. Auch bei der Nachbesprechung merkte der ehemalige McLaren-Pilot an, dass man es vielleicht doch hätte versuchen sollen, seinem Teamkollegen eine Chance zu geben.

"Dieses Gespräch gab es nach dem Rennen bei unserem Ingenieursbriefing", bestätigt Brawn. "Dort habe ich beiden Fahrern gesagt, dass ich es von ihnen erwarte, die an der Boxenmauer getroffenen Entscheidungen zu respektieren und im besten Interesse des Teams zu handeln. Genau das haben sie am Sonntag-Nachmittag getan, und ich bin sehr zufrieden, dass Nico und Lewis so reif und gewissenhaft gehandelt haben."

Fotoquelle: xpbimages.com

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