Die neuen V6-Turbomotoren werden derzeit auf den Prüfständen getestet

Formel 1 2013

— 30.03.2013

Taffin: Einbau der Antriebseinheit wird die große Frage

Renault-Einsatzleiter Remi Taffin blickt auf die Herausforderungen des kommenden Jahres und beschreibt die Synergien zwischen Motorsport und Serienfertigung



Immer wieder wird die Frage gestellt, welchen technischen Nutzen die beteiligten Automobilhersteller aus ihrem Engagement in der Formel 1 ziehen können. Während bei der hochgezüchteten Aerodynamik die Anwendungsmöglichkeiten in der Serienfertigung überschaubar sind, gibt es im Bereich der Motorentechnologie deutlich mehr Anknüpfungspunkte. Zwar haben moderne Formel-1-Motoren mit den Antrieben der Serienfahrzeuge nur wenig gemeinsam, allerdings profitieren die Hersteller von den Erfahrungen, die sie im Motorsport gewinnen.

"Wir haben beim V8 viel an der Reibung gearbeitet, weil er mit sehr hohen Drehzahlen läuft. Von diesen Erkenntnissen profitierten auch die Straßenautos", erklärt Remi Taffin, Einsatzleiter von Renault gegenüber 'Richland F1'. Ähnlich sei es bei elektrischen Antrieben, wo die Sportabteilung seit der Einführung des KERS in der Saison 2009 eng mit der Renault-Gruppe zusammengearbeitet habe. "Der Motor des Twizy (ein elektrisch angetriebenes Kleinfahrzeug von Renault, Anm. d. Red.) wurde auf den Prüfständen von Renault-Sport entwickelt", gibt Taffin ein Beispiel für den Technologie-Transfer.

Bei der Entwicklung der neuen V6-Turbomotoren für die Saison 2014 stehe Renault, wie die anderen Hersteller auch, in ständigen Kontakt mit der FIA und dem Technischen Delegierten Charlie Whiting. "Bei den Probeläufen auf den Prüfständen finden unsere Leute immer wieder Kleinigkeiten heraus, die sie der Haltbarkeit wegen ändern möchten", sagt Taffin. Dies werde mit der FIA besprochen, allerdings seien nicht alle Wünsche der Renault-Ingenieure innerhalb der Reglen umsetzbar. "Das ist manchmal etwas frustrierend, aber so läuft es eben", so Taffin.

Die fehlenden Testmöglichkeiten auf der Strecke seien für die Entwicklung des Antriebsstrangs für 2014 kein Problem. Die Zuverlässigkeit der Komponenten und des gesamten Systems lasse sich auf Prüfständen testen. "Die große Frage wird allerdings sein, wie wir die Antriebseinheit ins Auto integrieren, denn es muss viel mehr Energie aus dem Auto befördert werden", skizziert Taffin die Hauptproblematik. Der Einbau der Kühler für die elektrischen Systeme und den Turbolader dürfte die Teams und Hersteller nach Ansicht des Franzosen vor eine große Herausforderung stellen.

Bei seinem Engagement in der Formel 1 profitiere Renault davon, dass Teams aus allen Regionen des Starterfeldes beliefere. Caterham und Williams würden in vielen Bereichen andere arbeiten als Red Bull oder Lotus, allerdings entdecke Renault dabei immer wieder neue Ansätze. "Caterham könnte beispielsweise im Bereich der Effizienz an einem Punkt arbeiten, auf den sich die großen Teams nicht konzentrieren. Daher finden wir auch bei den kleineren Teams immer wieder neue Dinge heraus", sagt Taffin.

Einen direkten Informationstransfer zwischen den Teams gebe es nicht, allerdings profitiere Renault von den Erfahrungen, die man bei der Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Rennställen sammlen. "Beim auspuffangeströmten Diffusor haben wir 2011 für Renault (heute Lotus, Anm. d. Red.) viel an den Motoreinstellungen gearbeitet. Als sich Red Bull dieses Konzept ansah, wussten wir bereits, was wir tun können", so Taffin. "Aber wir haben abgewartet, bis das Team diesen Weg gehen wollte."

Fotoquelle: Renault

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