Im Vorjahr setzte Ferrari immerhin den Mugello-Test durch, 2013 bleibt es still

Formel 1 2013

— 04.04.2013

Ferrari spielt die Reglementkarte: Fällt das Testverbot?

Ferrari will das neue Reglement nutzen, um eine Lockerung des Testverbots zu erwirken, doch Renault argumentiert, dass ein zusätzlicher Test 2013 sinnlos wäre



Früher dröhnten mehrmals in der Woche die Motoren, doch seit 2009 ist im beschaulichen Maranello Ruhe eingekehrt. Die Teststrecke, die zwar offiziell in Fiorano liegt, aber direkt neben der Ferrari-Fabrik zu finden ist, darf durch das Testverbot nicht für die Formel 1 genutzt werden - so hat man die "Scuderia" ihres vermutlich größten Kapitals beraubt. Kein Wunder also, dass man nicht müde wird, für eine Lockerung des Testverbots zu kämpfen, das eingeführt wurde, um Kosten zu sparen.

Diesbezüglich erlitt man aber 2012 einen weiteren Rückschlag, denn während man im Vorjahr immerhin vier Tage lang auf der ebenfalls in Ferrari-Besitz stehenden Strecke in Mugello fahren durfte, gibt es diese Möglichkeit 2013 nicht. "Die Testsituation ist verrückt", ärgert sich Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali gegenüber 'F1 Racing'. "Am Ende ist es verrückt - ich verwende dieses Wort noch einmal -, dass wir unsere Strecke nicht nutzen dürfen."

Ferrari kämpft für Lockerung des Testverbots

Aus der Sicht Ferraris ist der Ärger nachvollziehbar, doch die Roten sind das einzige Team, das eine hauseigene Teststrecke besitzt. Andere Teams müssten viel Geld ausgeben, um in Spanien bei ähnlichen klimatischen Bedingungen zu fahren, sonst könnte man mit Ferrari nur schwer mithalten. So wurde aber aus einem Vorteil ein Nachteil, denn Rennställe wie McLaren waren dem Traditionsteam bei der Nutzung von Computersimulationen, die nun die Testfahrten ersetzen, zum Zeitpunkt des Testverbots weit voraus.

Genau das kritisiert Domenicali: "Ich verwende den Vergleich, den mein Chef Luca di Montezemolo gerne bringt: Es ist, wie wenn man ein Fußballmatch spielen würde, nachdem man sich die Simulation auf dem Computer angesehen hat. Vor ein paar Jahren haben wir es in die eine Richtung übertrieben, jetzt übertreiben wir es in die andere Richtung. Daher versuchen wir jetzt, die anderen Teams zu überzeugen, dass wir eine ausgeglichene Situation schaffen müssen. Und ich bin zuversichtlich, dass wir eine Lösung finden werden."

Neues Reglement als Chance?

Das neue Reglement für die Saison 2014 könnte man nun instrumentalisieren, um einen Durchbruch in der Testdebatte zu erwirken. Die neuen 1,6-Liter-V6-Turbos dürfen derzeit nur auf dem Prüfstand ausprobiert werden, Anfang 2014 stehen den Teams nach aktuellem Reglement bloß zwölf Testtage zur Verfügung, ehe die Saison beginnt.

Zu wenig Zeit, wenn es nach Ferraris Teammanager Massimo Rivola geht: "Wenn die anderen erkennen, wie viel Arbeit das Reglement 2014 erfordert, dann bin ich sicher, dass sie auch glücklich sind, wenn sie mehr Zeit auf der Strecke haben." Dem stimmt Renaults Entwicklungschef Rob White zu. "Es gibt einen bereits weit fortgeschrittenen Vorschlag, einen zusätzlichen Test abzuhalten - und wir sind absolut dafür", stellt der Brite gegenüber 'Autosport' klar.

Warum ein Test 2013 wenig Sinn ergeben würde

Dennoch gibt es ein Hinderniss: Der Entwicklungsplan der Aggregate sieht vor, dass diese erstmals im neuen Jahr getestet werden, schließlich sah es bislang nicht danach aus, als gäbe es schon 2013 eine Testchance. "Der Zeitplan sieht derzeit so aus, dass die neuen Autos erstmals im neuen Jahr auf die Strecke gehen", bestätigt White.

"Nehmen wir einmal an, es wäre schon im Oktober so weit - nur um die Konsequenzen herauszuarbeiten", versucht er sich in einer Erklärung. "Wenn wir im Oktober testen würden, dann müssten wir die Motoren im September zusammenbauen. Das Problem wäre, dass wir die Teile sagen wir mal drei Monate im Vorhinein herstellen müssen. Da wir natürlich Teile ausprobieren wollen, die rennbereit sind, müssten wir die genauen Spezifikationen bis Mai festlegen. Wenn wir dann auch noch Prüfstand-Erfahrungswerte einfließen lassen wollen, bevor wir damit auf die Strecke gehen, dann müssten die Teile jetzt oder sehr bald designt sein."

Druck durch neues Reglement enorm

Derzeit befindet man sich allerdings laut White noch mitten im Design-Prozess, daher ist es laut White nicht möglich, "vor Oktober" einen Motor auszuprobieren, der repräsentative Testdaten liefert. Schon jetzt ist daher klar, dass die Team und die Motorenhersteller im Vorfeld der kommenden Saison unter enormem Druck stehen werden.

"Selbst wenn wir annehmen", so White, "dass wir keine entscheidenden Arbeiten am Motor oder am Triebwerk vornehmen müssen, was jedoch wahrscheinlich der Fall sein wird, dann hätten die Teams alle Hände voll zu tun, die Planungshypothesen festzulegen und zu verifizieren, sowie Daten zu sammeln, um diese abzuändern. Das wird eine sehr intensive Saisonvorbereitung 2014."

Fotoquelle: xpbimages.com

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