Kimi Räikkönen geht besonders sensible mit den Pirelli-Reifen um

Formel 1 2013

— 08.04.2013

Räikkönen: Reifenflüsterer 2.0

Bislang gilt Jenson Button als "Reifenflüsterer" der Formel 1, doch diesen Ruf könnte ihm Kimi Räikkönen möglicherweise streitig machen



Die Reifen spielen auch in dieser Saison in der Formel 1 wieder eine große Rolle. Den Abbau der Pirelli-Pneus zu kontrollieren und somit ihren Grip möglichst lange zu erhalten gilt im Rennen als Schlüssel zu einem guten Ergebnis. Fragte man bislang Experten danach, welcher Formel-1-Fahrer diese Disziplin am besten beherrscht, wurde in der Regel der Name Jenson Button genannt. Der McLaren-Pilot hat sich im Laufe der Jahre den Ruf erarbeitet, mit den Reifen besonders schonend umzugehen und wird deshalb auch als "Reifenflüsterer" der Formel 1 bezeichnet.

Da sich der Brite derzeit jedoch vor allem darum kümmern muss, seinen McLaren MP4-28 konkurrenzfähig zu machen, könnte ihm ein Kollege diesen Titel streitig machen: Kimi Räikkönen. Spätestens mit seinem Sieg beim Saisonauftakt in Melbourne, wo der Finne mit einer Zwei-Stopp-Strategie die vom Grundtempo schnelleren Red Bull und Ferrari düpierte, hat der Lotus-Pilot bewiesen, dass auch er mit den Reifen der aktuellen Generation sehr gut haushalten kann. Bei Blick zurück auf die Siegesfahrt von Melbourne gerät James Allison, Technischer Direktor von Lotus noch heute ins Schwärmen.

Räikkönen habe in Australien große Geduld bewiesen und habe sich auch nicht davon verrückt machen lassen, dass Sebastian Vettel sowie Felipe Massa und Fernando Alonso zu Beginn des Rennens einen Vorsprung herausfuhren. "Die Verlockung wäre dagewesen, sie zu jagen und so schnell wie möglich aufzuschließen, denn das Auto war schnell, und er fühlte sich darin wohl", sagt Allison im 'JA on F1'-Podcast. "Das hat er aber nicht gemacht, er entschied sich dagegen. Stattdessen kroch er ihnen Runde für Runde ein bisschen näher."

Damit legte Räikkönen nach Ansicht seines technischen Direktors schon früh den Grundstein für den Erfolg. "Diese Geduld, die Reifen wirklich zu konservieren, war entscheidend, denn wenn diese Reifen einmal etwas abbekommen, dann befindet man sich in einem teuflischen Kreislauf. Sie verlieren Grip, man kommt dadurch mit etwas mehr durchdrehenden Rädern aus den Kurven. Sie verlieren weiter an Grip, und deine Felle schwimmen dir sehr rasch davon", beschreibt Allison die Herausforderung.

Diese Einschätzung bestätigt auch Mark Gillan: "Die Energie, die der Reifen aushalten muss, ist der Schlüssel. Der Fahrer, der diese Energie über eine Renndistanz minimieren kann, wird sich am Ende gut schlagen, wenn das grundsätzliche Tempo stimmt", so der frühere Technische Direktor von Williams. "Dieses Auto war sehr schnell, Kimi ist extrem gut mit den Reifen umgegangen und fuhr dann dieses Ergebnis ein."

Dabei kam dem Finnen sein feinfühliger Fahrstil zu Gute: "Dazu kam seine absolut überragende Gaspedalkontrolle das gesamte Rennen lang - das gilt auch für die Bremsen. Er verlor nicht öfter als zweimal die Traktion im gesamten Grand Prix. Das heißt etwas", zeigt sich Allison nach der Auswertung der Daten begeistert. Diese besondere Fähigkeit Räikkönens registrierte auch Gillan, der bei McLaren mit dem Finnen zusammenarbeitete.

"Er hat ein einzigartiges Naturtalent als Fahrer. Der Renningenieur, der mit Mika (Häkkinen; Anm. d. Red.) und Kimi gearbeitet hat, hat mir gesagt, dass sein Naturtalent wahrscheinlich besser ist als das von Mika. Das ist eine ziemliche Empfehlung", so Gillan. Und dieser Talent ging dem Finnen im Laufe der Jahre nicht verloren. So sicherte er sich zur Überraschung vieler Zuschauer, aber nicht seines Teams, den Sieg in Melbourne. "Die Kommentatoren und die anderen Teams hatten vielleicht Zweifel, ob er diese Strategie umsetzen kann, aber wir hatten keinen Zweifel, weil er nie durchdrehende Räder hatte", sagt Allison. "Am Ende war der Abbau des letzten Reifensatzes nicht einmal zur Hälfte fortgeschritten."

Fotoquelle: Lotus

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