Felipe Massa überzeugte am Freitag mit der Bestzeit - womöglich mit recht leichtem Auto

Formel 1 2013

— 12.04.2013

Reifenpoker in China: Massa am Freitag voran

Die Reifen bestimmen das Geschehen: Felipe Massa fährt Bestzeit vor Räikkönen und Alonso, während Mercedes das Tempo des Vormittags nicht ganz halten kann



Der erste Trainingstag beim Grand Prix von China stand wie befürchtet ganz im Zeichen der Reifen: Nachdem die Pirelli-Pneus schon die Rennen in Australien und Malaysia stark beeinflusst hatten, zeichnet sich auf dem ungewöhnlichen Asphalt des 5,451 Kilometer langen Shanghai International Circuit an diesem Wochenende ein besonders dramatischer Reifenpoker ab.

Auf den TV-Zeitlupen konnte man insbesondere während der Longruns am Ende des zweiten Freien Trainings immer wieder sehen, wie sich ganze Gummifetzen von den Reifen lösten, sodass die Strecke neben der Ideallinie inzwischen von lauter kleinen Gummikügelchen übersät ist. "So habe ich die Reifen noch nie erlebt", funkte etwa Lewis Hamilton (Mercedes), mit 1,156 Sekunden Rückstand Siebter, und das Lotus-Team befürchtet: "Die Options sehen für das Rennen nicht gut aus."

"Es scheint auch hier der Fall zu sein, dass die Reifen einfach zu weich sind", sagt Experte Marc Surer. "Es ist unglaublich, wenn wir die Bilder anschauen, wie sie versuchen, mit vollem Tank auf weichen Reifen eine Runde zu drehen. Nico Rosbergs Vorderreifen sahen schon ziemlich schlimm aus. Das ist das sogenannte Graining, das Abrubbeln der Reifen, obwohl wir eigentlich mit Asphalt-Temperaturen von über 30 Grad keine schlechten Bedingungen hatten."

Renningenieur vom hohen Tempo überrascht

Bestzeit fuhr überraschend Felipe Massa (Ferrari) in 1:35.340 Minuten, also um eine halbe Sekunde unter der 2012er-Freitagsbestzeit von Michael Schumacher. Der Brasilianer steht zum ersten Mal seit Indien 2011 am Freitagabend ganz vorne und darf optimistisch auf den Rest des Wochenendes blicken: "Dein Tempo ist nicht gut, sondern unglaublich", funkte Renningenieur Rob Smedley wohl auch angesichts der einzigen gestoppten Longrun-Zeit unter 1:42 Minuten.

"Wenn Ferrari genauso viel Benzin drin hat wie die anderen, dann steht der Sieger schon fest. Aber das bezweifle ich", analysiert Surer. Denn bei den Qualifying-Simulationen mit weniger Benzin betrug Massas Vorsprung auf Kimi Räikkönen (Lotus) gerade mal 0,152 Sekunden - und das, obwohl der "Iceman" nur einen schnellen Run mit den weichen Reifen hinlegte und sich ansonsten weitgehend im Hintergrund hielt.

Fernando Alonso wurde Dritter, wieder 0,415 Sekunden hinter seinem Ferrari-Teamkollegen, aber auch mit einer anderen Frontflügel-Endplatte - Vergleichstests für Qualifying und Rennen, wie heute bei mehreren Teams praktiziert. Das vielleicht umfangreichste Update hat McLaren entwickelt, umsetzen konnte es bisher aber nur Jenson Button: Platz sechs, 1,092 Sekunden Rückstand - und Teamkollege Sergio Perez lediglich Elfter.

Keine ruhmreiche Vorstellung von Perez

Der Mexikaner rutschte nach seinem Boxengassen-Fauxpas am Ende der ersten Session auch zu Beginn der zweiten von der Strecke, drehte nur 16 Runden und war um gut eine halbe Sekunde langsamer als Button. Damit landete er knapp hinter Sebastian Vettel, um den man sich aber trotz Platz zehn keine Sorgen machen muss: Der Red Bull zeigte einen ordentlichen Rennspeed und konnte das Tempo nur nicht im richtigen Moment umsetzen. Oder?

"Wir müssen uns noch ein bisschen steigern", räumt Vettel ein. "Die Reifen scheinen sich hier nicht so leicht zu tun, vor allem die weichere Mischung. Es gab am Ende eine Welle von drei, vier Autos, die dann noch einmal deutlich schneller waren. Ich glaube, ich war heute ein bisschen zu weit weg, deswegen müssen wir schauen, was wir da noch machen können. Ich denke, es lief nicht ganz rund, bin aber zuversichtlich, dass wir das bis morgen im Griff haben werden."

Über weite Strecken des heutigen Tages wirkte Mercedes fast unantastbar, doch nach der "doppelten Bestzeit" am Vormittag trat der Umschwung mit dem Wechsel auf die weichen Reifen ein. Am Ende wurde Schanghai-Spezialist Nico Rosberg mit 0,479 Sekunden Rückstand solider Vierter, immer noch knapp drei Zehntelsekunden vor Mark Webber, der im mit Argusaugen beobachteten Red-Bull-Stallduell heute fast durchgehend der schnellere Mann war.

Sauber das schnellste Auto: 321 km/h

Esteban Gutierrez (Sauber) war mit 321 km/h Schnellster auf der langen Gerade, im Zeitenklassement als Zwölfter immerhin schneller als Teamkollege Nico Hülkenberg (17.) - und zwar gleich um mehr als eine Sekunde. Hülkenbergs beste Runde ging allerdings im Verkehr unter: "Der verdammte Mercedes ist nicht aus dem Weg gegangen", schimpfte er via Boxenfunk und zeigte Landsmann Rosberg gleichzeitig eine deutliche Handbewegung.

Einen rabenschwarzen Nachmittag erlebte indes Marussia, vom britischen TV ausgerechnet heute als Team des Tages in Szene gesetzt: Max Chilton rollte gleich zu Beginn, Jules Bianchi am Ende der Session aus. "Es sieht danach aus, als habe der Öltank einen Riss", vermutet Technikchef Pat Symonds. "Zunächst dachten wir, es wäre ein normales Leck. Deshalb haben wir das Auto wieder rausgeschickt, aber jedes Mal beim Bremsen hat der Tank etwas Öl verloren."

Einen Favoriten für den Rest des Wochenendes auszumachen, ist zum jetzigen Zeitpunkt unmöglich, eine Prognose würden aber wohl die meisten Experten unterschreiben: Derjenige wird das Rennen gewinnen, der mit den Reifen am besten zurechtkommt. Mit Rosberg und Vettel hat auch die deutsche Fraktion zwei heiße Eisen im Feuer - und Adrian Sutil (8./Force India/+1,174) ist jederzeit für ein Top-10-Ergebnis gut.

Fotoquelle: xpbimages.com

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