Lewis Hamilton startet in Schanghai von der Pole-Position

Formel 1 2013

— 13.04.2013

Vettel pokert: Hamilton in China auf Pole

Taktik dominiert das Qualifying in Schanghai, die Reifen prägen das Geschehen: Lewis Hamilton auf Pole vor Räikkönen und Alonso - Red Bull weit abgeschlagen



Bereits sein drittes Rennen nach dem Wechsel von McLaren zu Mercedes wird Lewis Hamilton vom ersten Startplatz aus in Angriff nehmen: Der Brite sicherte sich im heutigen Qualifying zum Grand Prix von China die Pole-Position und bestätigte damit die Favoritenstellung der Silberpfeile, die in Schanghai schon im Vorjahr gewonnen hatten, damals mit Nico Rosberg.

Hamilton erzielte Bestzeit in allen drei Segmenten, benötigte dafür jeweils einen Satz der weicheren Soft-Reifen von Pirelli. Er steigerte sich von 1:35.793 über 1:35.078 auf 1:34.484 Minuten und benötigte auf dem Weg zur Pole-Position nur neun Runden - kein anderer Top-10-Fahrer ging mit seinen Reifen effizienter um. Und die Reifen waren heute Nachmittag bei sonnigen und etwas wärmeren Bedingungen (28 Grad Celsius) das große Thema, denn: "Im Rennen werden uns die Gummifetzen um die Ohren fliegen", befürchtet Experte Marc Surer.

Am Ende hatte Hamilton mit 319 km/h nicht nur den besten Topspeed, gleichauf mit Teamkollege Rosberg, sondern auch 0,277 Sekunden Vorsprung auf Kimi Räikkönen (Lotus). Dritter wurde Fernando Alonso (Ferrari/+0,304), heute Morgen noch Schnellster. Insgesamt sieben Fahrer beteiligten sich mit weichen Reifen am Pole-Position-Shootout in der letzten Minute, bei dem nach langem taktischen Warten an der Box jeder nur eine fliegende Runde zur Verfügung hatte.

Hamilton: Fast fehlerlose Runde erwischt

Hamilton meisterte dieses Nervenspiel am besten: "Ich war schon in Q1 und Q2 schnell, aber diese letzte Runde ist so schwer hinzubekommen. Man muss einfach die perfekte Runde erwischen. Ich kann mich über meine nicht beschweren und bin wirklich glücklich", jubelt er. "Es ist ein unglaubliches Gefühl. Ich bin so glücklich, nach langer Zeit wieder einmal auf der Pole zu stehen. Ich freue mich riesig. Ich hoffe, wir können den Schwung in den morgigen Tag mitnehmen."

"Ferrari hat einen sehr starken Eindruck gemacht. Ich wusste nicht, wo sie im Qualifying landen würden", fährt der Mercedes-Pilot fort. "Die Reifen sind an diesem Wochenende wieder sehr knifflig. Es ist fast unmöglich, lange mit den Options zu fahren. Es wird daher auf einen kurzen Stint am Anfang hinauslaufen. Wir haben ein gutes Renntempo. Ich rechne mit einem richtig schwierigen Rennen, hoffe aber, dass wir unsere Position halten können."

"Zweiter ist nicht so schlecht", meint Räikkönen. "Das ist mein bestes Ergebnis für dieses Team, auch wenn ich gerne Erster wäre. Aber es fehlt uns an Abtrieb im Mittelsektor." Der drittplatzierte Alonso konzentriert sich indes schon ganz auf morgen: "Unser Tempo ist im Rennen meist noch besser. Ich kämpfe um ein Podium und hoffentlich um den Sieg. Speziell Kimi dürfte ein harter Gegner werden. Lotus und er zählen zu den Besten, wenn es um das Schonen der Reifen geht."

Vettel: Zwei Runs a null gezeitete Runden

Sebastian Vettel (Red Bull) entschied sich indes für eine eigenwillige Taktik: Zuerst ging er in Q3 mit weichen Reifen raus, kam aber ohne eine Zeit zu setzen gleich wieder an die Box, und dann wiederholte er dieses Spielchen auch mit den harten Pneus. Somit hat er für morgen freie Reifenwahl, aber er steht auch nur auf Platz acht - noch hinter Jenson Button (McLaren), der etwas cleverer war und seine Runde ganz reifenschonend mit einer halben Minute Rückstand zu Ende fuhr.

Hinter Vettels Verbremser in der letzten Runde vermutet Experte Surer nur ein Täuschungsmanöver. Oder war das wirklich echt, Sebastian? "Ich habe auf einmal Bremsdruck verloren und hatte dann ein furchtbar langes Pedal", behauptet der amtierende Weltmeister, der diesmal alle Jetons auf das Rennen setzt: "Wir wussten natürlich, dass es für die vorderen Plätze nicht reicht, aber wir versprechen uns dafür morgen vielleicht ein besseres Rennen."

Vorjahressieger Rosberg verschenkte die mögliche erste Startreihe in Silber mit einem kleinen Schnitzer in der letzten Kurve. Allerdings war er nach dem Hydraulikdefekt im Abschlusstraining auch mit Handicap in die Qualifying-Entscheidung gegangen: "Ich wäre natürlich lieber Erster, aber es ist insgesamt okay. Es war ein schwieriger Start, weil ich heute Morgen die Probleme hatte. Ansonsten habe ich mich an diesem Wochenende mehr auf das Rennen konzentriert."

Rosberg setzt auf ein heißes Rennen

"Wir bekommen morgen heiße Temperaturen, das wird vielleicht - oder hoffentlich - einige überraschen. Ich bin dafür ganz gut gerüstet", glaubt der Deutsche, der in der Startaufstellung unmittelbar vor Felipe Massa (Ferrari/+0,449) und Romain Grosjean (Lotus/+0,880) steht. Als Zehnter klassierte sich Nico Hülkenberg (Sauber), dem allerdings von Toro-Rosso-Sensationsmann Daniel Ricciardo (7./+1,514) die Show gestohlen wurde.

So stand zumindest ein Red-Bull-Australier in den Top 10, denn Mark Webber (14.) hatte die Segel schon während Q2 streichen müssen. Sieben Minuten vor dem Ende des Segments erhielt Webber den Funkspruch, "so viel Benzin wie möglich" zu sparen - und wenig später rollte er ein paar hundert Meter vor der Boxeneinfahrt aus. Offizielle Begründung: Benzindruck. Verdacht von Experte Surer: "Wenn kein Benzin mehr im Tank ist, ist auch kein Benzindruck mehr da..."

"Der Benzindruck war einfach nicht mehr da, ich konnte das Auto nicht mehr zurückbringen", seufzt Webber. "Das kann mal passieren, aber es ist natürlich enttäuschend. Es läuft alles prima und locker am Wochenende, gestern und heute. Und dann im Qualifying, da passiert dann so etwas und es läuft nicht mehr gut." Trösten kann er sich mit der Erinnerung an das Rennen vor zwei Jahren, als er mit frischen Reifen von hinten durch das Feld pflügte und noch Dritter wurde.

Weiche Reifen: Nur fünf Runden lang schnell?

Die Reifen werden auch morgen das große Thema sein: "Die weiche Mischung hält nur fünf schnelle Runden durch. Wenn dann alle an die Box kommen, werden Vettel und Button das Rennen anführen", prognostiziert Surer. Für Vettel liegt der Vorteil eines Starts auf harten Reifen auch vor allem darin, "nicht in den ersten fünf Runden an die Box fahren zu müssen", wie er augenzwinkernd festhält: "Das war jetzt mehr ein Scherz..."

"Ich denke aber, dass die weichen Reifen über die Distanz nicht so gut sind", gibt er zu Protokoll und erklärt damit seine Herangehensweise: "Auf einer Runde ist ganz klar, welcher Reifen der schnellere ist. Ich wusste zum Schluss nicht, wie viele andere Autos auch auf den harten Reifen sind. Deswegen sind wir zum Schluss überhaupt erst rausgefahren, um dann, falls andere die gleiche Strategie fahren, zumindest vor diesen Autos stehen zu können."

Das Force-India-Stallduell entschied diesmal Paul di Resta (11.) um gut eine Zehntelsekunde für sich, allerdings war Adrian Sutil (13.) in Q1 noch schneller gewesen. Zwischen den beiden klassierte sich McLaren-Neuzugang Sergio Perez. Die "Nieten" der Positionen 17 und 18, die gemeinsam mit den "gesetzten" Nachzüglern von Marussia und Caterham ausscheiden, gingen heute an Valtteri Bottas (Williams) und Esteban Gutierrez (Sauber).

Fotoquelle: xpbimages.com

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