Fernando Alonso fuhr in Schanghai ein starkes Rennen und holte sich den Sieg

Formel 1 2013

— 14.04.2013

Souveräner Sieg von Alonso in China

Taktik-Schach in Schanghai: Fernando Alonso gewinnt als schnellster Fahrer den Grand Prix vor Räikkönen und Hamilton - Sebastian Vettel knapp am Podium vorbei



Mit einer souveränen Leistung gewann Fernando Alonso heute den Grand Prix von China in Schanghai und sicherte Ferrari damit den ersten Sieg in der Formel-1-Saison 2013. Der Spanier setzte sich in einem von Taktik geprägten Rennen vor Kimi Räikkönen (Lotus) und Polesetter Lewis Hamilton (Mercedes) durch. Sebastian Vettels strategisches Pokerspiel ging indes nicht ganz wie erhofft auf, immerhin konnte sich der Red-Bull-Pilot aber vom neunten auf den vierten Platz verbessern.

Für Alonso war es der 31. Sieg in seiner Karriere, was ihn in der ewigen Bestenliste auf Platz vier nach vorne bringt, gleichauf mit Nigel Mansell und nur noch zehn Siege hinter dem großen Ayrton Senna. Den Grundstein dafür legte er schon am Start, als er Räikkönen überholte, und in Runde fünf legten sich beide Ferraris dank DRS-Unterstützung nach Start und Ziel Hamilton zurecht. Alonso setzte sich sofort ein wenig von seinen Verfolgern ab und exekutierte dann seine Dreistoppstrategie perfekt.

"Für uns war es vom Start bis zur Zieldurchfahrt ein fantastisches Rennen", jubelt der neue WM-Dritte. "Wir hatten keine größeren Probleme mit dem Auto und der Reifenverschleiß war nicht so dramatisch, wie wir erwartet hatten. Wir konnten das Tempo mehr oder weniger kontrollieren. Nach Malaysia standen wir unter Druck, wieder ein Rennen zu beenden. In diesem Jahr habe ich einen Sieg und einen zweiten Platz geholt, wenn ich im Ziel war. Die Saison beginnt also gut!"

Hamilton wieder im Spritspar-Modus

Hamilton hatte indes mit dem aus dem Vorjahr bekannten Mercedes-Problem der abbauenden Reifen zu kämpfen, musste im Laufe des Rennens immer weiter abreißen lassen. Als er in Runde 21 fünf Sekunden Rückstand auf Alonso hatte, mit den Reifen zu tun hatte und später auch noch vom Team angewiesen wurde, zumindest in der ersten Kurve Benzin zu sparen (genau wie schon vor drei Wochen in Malaysia), war klar, dass es für Hamilton diesmal nur um Platz zwei geht.

Sein direkter Gegner in diesem Kampf war Räikkönen, der nach einer Berührung des McLaren von Sergio Perez ("Was zur Hölle macht der da?") mit einer aufgerissenen Nase unterwegs war. Allzu viel Tempo schien das aber nicht zu kosten: "Ich verstehe nie, warum du mehr Frontflügel willst. War doch perfekt", scherzte der "Iceman" nach der Zieldurchfahrt am Boxenfunk. "Ohne den Schaden", meint er, "wäre ich sicher ein bisschen schneller gewesen. Aber wie auch immer: Das sind gute Punkte."

"Wir wollten gewinnen", sagt Räikkönen. "Nach einem schlechten Start fühlte sich das Auto gut an. Ich wollte Perez überholen, war ganz nah dran, aber er hat mich auf die Randsteine gedrückt. Ich wollte ihm noch ausweichen, habe ihn aber am Heck getroffen und mir die Nase ramponiert. Das hat nicht geholfen, aber glücklicherweise hat das nicht so einen großen Ausschlag gegeben. Ich hatte eine Menge Untersteuern, aber wir konnten immer noch um den zweiten Platz kämpfen."

Wolff sieht ein: Mercedes nicht siegfähig

Mercedes war heute "einfach nicht schnell genug", um das Rennen aus eigener Kraft zu gewinnen, weiß Sportchef Toto Wolff, sodass sich Hamilton auch über seinen zweiten Podestplatz hintereinander freuen kann: "Ich bin sehr glücklich über das heutige Ergebnis, ich freue mich sehr über die Punkte. Leider hatten wir heute nicht die Pace, die diese beiden Jungs hatten. Aber ich stehe glücklicherweise noch auf dem Podium."

Im Finish geriet Hamilton noch einmal unter enormen Druck von Vettel, der auf harten Reifen gestartet war und dementsprechend fünf Runden vor Schluss für einen kurzen Sprint auf die weichen Pirellis wechseln musste. Der Deutsche hatte nach hinten nichts mehr zu befürchten, konnte daher volles Risiko gehen, was den Reifenverschleiß angeht - und drehte eine schnellste Runde nach der anderen, in Runde 53 1:36.808 Minuten.

Heißes Finish zwischen Hamilton und Vettel

In der 56. und letzten Runde lief er auf Hamilton auf, der gerade mit dem Caterham von Charles Pic mehr Mühe hatte als erwartet und via Boxenfunk energisch blaue Flaggen forderte. Doch beim Überrunden kam Hamilton etwas besser davon als Vettel, sodass er sich in der letzten Kurve sogar noch einen ganz leichten Fahrfehler leisten konnte. "Da sind mir graue Haare gewachsen", lächelt Wolff im Nachhinein. "Ich konnte gar nicht mehr hinschauen!"

Dass Vettel heute im Kampf um den Sieg keine Rolle spielte, hatte mit dem gestrigen Qualifying-Poker wenig zu tun. Spätestens als der Weltmeister in der vierten Runde von Nico Hülkenberg (Sauber) überholt wurde, der mit den gleichen Reifen gestartet war, schrillten in Sachen Renntempo die ersten Alarmglocken. Die zwischenzeitliche Führung kam nur durch die unterschiedlichen Boxenstopp-Sequenzen zustande, tatsächlich war Platz vier aber das Maximum.

"Wir haben zu viel Zeit im ersten Stint verloren, als wir hinter Nico Hülkenberg steckten", will Teamchef Christian Horner nicht der Strategie die Schuld geben. Die war insgesamt gesehen aber der alles entscheidende Faktor: Fast jedes Mal, wenn ein Fahrer einen Konkurrenten im Rückspiegel hatte, erkundigte er sich an der Box, ob er sich überhaupt wehren soll - denn ein Zweikampf kostet Zeit, und sich an die vorberechnete Rundenzeiten-Tabelle des Computers zu halten, stand heute im Mittelpunkt.

Formel 1 für Hobby-Mathematiker

Darunter litt letztendlich das echte Rad-an-Rad-Racing, wie es der Motorsport-Enthusiast von der Kartbahn kennt, auch wenn Hobby-Mathematiker mit dem Grand Prix von China sicher ihre helle Freude hatten. Beispiel gefällig? Als Vettel in Runde zwölf meldete, er könne eine halbe Sekunde schneller fahren, bremste ihn sein Team: "Das Tempo ist gut." Und als Alonsos Ferrari im Rückspiegel immer größer wurde, hörte er: "Wehr dich nicht gegen ihn, die Rundenzeiten sind zu wichtig."

"Ich glaube, das Kräfteverhältnis ist im Moment ein Scherz", kritisiert Vettel. "Das hat im Moment nicht viel mit Rennfahren zu tun, wenn man das ganze Rennen praktisch nur auf die Reifen auslegt. So ist es aber, und heute waren da drei besser unterwegs als wir." Surer nickt zustimmend: "Wenn man immer nur Reifen schonen muss, bleibt das Fighten auf der Strecke. Wenn einmal ein Rad stillsteht, hat man sofort einen Bremsplatten. Es ist ein bisschen zu viel des Guten, die Reifenwahl ist eine Nummer zu weich."

22,7 Sekunden hinter Vettel rollte Jenson Button (McLaren) als Fünfter über die Ziellinie - neben Teamkollege Sergio Perez (11.) der einzige Fahrer im Feld, der eine Zweistoppstrategie riskierte. 5,5 Sekunden dahinter wurde Felipe Massa Sechster. Der Ferrari-Pilot hatte sich mit einem tollen Start auf Platz drei katapultiert, kam aber zwei Runden zu spät (in Runde sieben) zum ersten Boxenstopp und verlor in weiterer Folge wertvolle Zeit, als er nicht am mit Topspeed gesegneten Force India von Paul di Resta vorbeikam.

Surer von Ricciardos Leistung angetan

Siebter wurde Daniel Ricciardo, der damit sein Qualifying-Ergebnis sensationell bestätigte. "Stark", lobt Experte Marc Surer den australischen Toro-Rosso-Junior. "Das ist eine Überraschung - von Toro Rosso und von ihm. Wir haben Toro Rosso in diesem Jahr nirgendwo gesehen, und plötzlich sind sie da - nicht nur eine Runde in der Qualifikation, sondern er wiederholt das gute Ergebnis von der Qualifikation. Superstark."

Somit holte zumindest ein Red-Bull-Australier Punkte, denn für Mark Webber war Schanghai schon nach 15 Runden vorbei: Nach dem Start aus der Boxengasse wechselte er nach nur einer Runde von Soft auf Medium, was zunächst voll aufzugehen schien - bis er ausgerechnet mit Toro-Rosso-Kollege Jean-Eric Vergne kollidierte und an die Box kommen musste. In der ersten Runde nach dem Stopp löste sich dann auch noch ein Hinterrad, das beinahe den vorbeifahrenden Vettel getroffen hätte!

Webber für Kollision mit Rückversetzung bestraft

"Mark Webber hat einfach eine Pechsträhne", analysiert Experte Surer. "Erst geht ihm der Sprit aus in der Qualifikation, dann verliert er noch das Rad. Man zieht ja manchmal das Unglück richtig an." Die Kollision sei aber "sein eigener Fehler" gewesen. So gingen die Plätze acht, neun und zehn an di Resta, Romain Grosjean (Lotus) und Hülkenberg. Vergne konnte das Rennen im Gegensatz zu Webber beenden, wurde Zwölfter.

Für Red Bull könnte das lose Rad ein Nachspiel haben: "Man darf den Fahrer nicht weiterfahren lassen, wenn das Rad lose ist", glaubt Surer. "Er hat die Box gefragt, hat ihnen gesagt, dass hinten rechts etwas ist. Sie haben ihm gesagt, er soll langsam zurückkommen. Ich kann mich erinnern, Alonso hatte sowas auch mal, und dann wollten sie ihn sogar für ein Rennen sperren. Das hat sicherlich noch ein Nachspiel!"

Punkte wären unter normalen Umständen wohl für Adrian Sutil möglich gewesen, doch für den ersten Deutschen war schon nach fünf Runden Schluss: Nach einer Rangelei mit Teamkollege di Resta (Surer: "Total unnötig!") lag er an elfter Position, später wurde er dann aber selbst Opfer einer Kollision, als ihm vor der Spitzkehre Esteban Gutierrez hinten auffuhr. "Ich muss mich bei Adrian entschuldigen, das war definitiv mein Fehler", räumt der Sauber-Mexikaner kleinlaut ein.

Rosberg: Keine Wiederholung des Vorjahressieges

Für den zweiten Deutschen war nach 21 Runden Endstation: "Der Stabi ist gebrochen", ärgert sich Sportchef Wolff über den Ausfall von Vorjahressieger Nico Rosberg, der schon am Start eine Position verloren hatte und nie richtig seinen Rhythmus fand: "Ich hatte die ganze Zeit viel Untersteuern. Das Auto war seltsam zu fahren. Nach dem Boxenstopp wurde es noch schlimmer. In den Kurven hob es mein linkes Vorderrad komplett in die Luft. So konnte ich natürlich nicht weiterfahren."

Hinter den beiden Williams (auf P13/14) lieferte Ferrari-Junior Jules Bianchi wieder eine erstklassige Leistung ab und gewann den "kleinen Grand Prix" zwischen Marussia und Caterham zwei Sekunden vor Charles Pic. Seinen Marussia-Teamkollegen Max Chilton hängte er neuerlich um fast 40 Sekunden ab. Insgesamt sahen heute 18 von 22 gestarteten Autos die Zielflagge, und zwar nach einer Sieger-Rennzeit von 1:36:26.945 Minuten.

In der Fahrer-WM führt nach drei von 19 Rennen Vettel mit 52 Punkten vor Räikkönen (49), Alonso (43) und Hamilton (40). Auch bei den Konstrukteuren hat Titelverteidiger Red Bull (78) die Nase vorne, gefolgt von Ferrari (73), Lotus (60), Mercedes (52) und McLaren (14). Weiter geht's schon in fünf Tagen mit dem Freien Training zum Grand Prix von Bahrain. Das Rennen dort wird trotz der anhaltenden politischen Unruhen stattfinden.

Fotoquelle: xpbimages.com

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