Qing-Hua Ma war in China der einzige Freitagspilot im Einsatz

Formel 1 2013

— 15.04.2013

Talentförderung am Freitag: Kommt der "Rookie-Reifen"?

Pirelli will mit einem extra-harten Pneu für mehr Youngster-Einsätze und Fahrbetrieb im Freien Training sorgen - Ferrari angetan, Sauber sieht mehrere Optionen



Die Formel 1 hat schon viele unterschiedliche Modelle ausprobiert, um mehr Fahrern Praxis in den Einsatzautos zu geben. Das unlimitierte Testen war einmal und führte zu einer Kostenexplosion, dann kamen Ideen wie das dritte Freitagsauto und vor einigen Jahren auch der Young Driver Test. Anfangs nur in Abu Dhabi, fand die Talentschau 2012 auch in Silverstone und Magny-Cours statt. Brachliegende Strecken in der ersten Hälfte des Freitagstrainings haben Pirelli zu einen neuen Ansatz inspiriert.

Die Italiener wollen einen zusätzlichen Reifensatz mit gleicher Konstruktionsweise, aber deutlich längerer Haltbarkeit, für jedes Team mit einem Rookie - per Reglement also wahrscheinlich einem Fahrer, der noch keinen oder sehr wenige Grand-Prix-Einsatz bestritten hat - am Steuer zur Verfügung stellen. So könnten unerfahrene Piloten nicht nur den Satz der härteren Mischung nutzen, den die Teams nach der ersten Session zurückgeben müssen, und hätten endlich Fahrpraxis im Formel-1-Auto auf allen Strecken.

Die Idee stammt von Force Indias Co-Teamchef Bob Fernley, die Umsetzung übernahmen Pirelli-Sportchef Paul Hembery und sein Teams. Miteinbezogen wurde auch FIA-Rennleiter Charlie Whiting, was unter dem Strich bedeutet: Eine Einigung ist in greifbarer Nähe, gemunkelt wird schon von Nägeln mit Köpfen, die es in Bahrain geben soll. Dann könnte es Schlag auf Schlag gehen. "Wir können es ab Barcelona umsetzten, es ist relativ einfach", überrascht Hembery im Gespräch mit 'Autosport'. Das wäre bereits am 10. Mai.

Ferrari zieht es auf die Strecke

Während Formel-1-Zampano Bernie Ecclestone sich alleine schon wegen des gesteigerten Fahrbetriebs und der größeren TV-Attraktivität bereits mit dem Gedanken angefreundet zu haben scheint, müssten die Teams noch ihren Segen geben. Stefano Domenicali, seit langer Zeit ein Verfechter von mehr Testfahrten, wäre entzückt: "Wir halten es für besser, in Testfahrten zu investieren statt in all diese Simulatoren. Da weißt du schließlich nicht, was überhaupt vor sich geht", so der Ferrari-Teamchef.

Der Italiener ist der Meinung, dem Sport angesichts der Sparzwänge zu wenig Aufmerksamkeit zu schenken, der Nachwuchs bliebe ohne genügend Fahrpraxis vor dem Renndebüt auf der Strecke. "Früher oder später werden wir den Preis dafür zahlen", warnt er, nicht ohne aus der Vergangenheit gelernt zu haben: "Früher hatten wir vielleicht mal zu viele Testfahrten. Wir sollten eine andere Balance finden. Auch bei den Reifen hielte ich das für den richtigen Weg, damit die Fahrer am Freitag fahren können - auch für die Fans."

Ein Team, das in der Vergangenheit immer wieder junge Piloten aus den Nachwuchsklassen in die Formel 1 gebracht hat, ist Sauber. Nachdem Sergio Perez und Esteban Gutierrez Renncockpits erobert haben, klopft mit Robin Frijns, amtierender Meister der Renault-World-Series (WSbR), das nächste Talent an die Tür. Allerdings ist der Niederländer seit vergangenem November nicht mehr in einen Boliden gestiegen. Klar, dass Monisha Kaltenborn sich zu dem Thema seit einiger Zeit ihre Gedanken macht.

Neue Einnahmequelle für Teams?

Den Fernley/Hembery-Vorstoß würde die Teamchefin abnicken: "Ich halte das für eine sehr gute Idee und ich finde, wir sollten uns dafür einsetzen, diese zu implementieren." Kaltenborn jedoch spricht auch von "verschiedenen Optionen", die derzeit auf dem Tisch liegen. Wie diese genau aussehen, verrät sie nicht. Doch wie würde sich die Praxis einer solchen Lösung gestalten? Würden die Teams tatsächlich ihre eigenen Youngster in die Autos setzen, wie es Williams 2012 mit Valtteri Bottas vorexerziert hat?

Oder käme das Modell Caterham zum Tragen, die am vergangenen Wochenende mit dem Chinesen Qing-Hua Ma einen Piloten ins Auto setzten, dessen kommerzielle Perspektive deutlich verlockender ist als seine sportliche? "Es geht nicht zwingend nur darum, dass Fahrer für solche Tests bezahlen würden", weicht Kaltenborn aus. "Sondern große Teams könnten ihren eigenen Fahrern Zeit im Auto geben, ohne dadurch einen Wettbewerbsnachteil zu haben. Ich halte das für alle Beteiligten für eine gute Idee."

In der Tat verzichten Red Bull, Ferrari, Lotus, McLaren und Mercedes derzeit auf den Einsatz von Piloten aus ihrem Testkader. Zu Saisonbeginn, wo jeder Kilometer Laufleistung für die Entwicklung Gold wert ist, halten sich auch die kleineren Mannschaften zurück. Für Kaltenborn geht es bei dem Thema ohnehin um mehr als Nachwuchsföderung: "Ich finde, dass es für alle Beteiligten aufregend wäre, am Freitag eines Rennwochenendes etwas zu machen", macht die Österreicherin gegen einschläfernde Freie Trainings mobil.

Fotoquelle: xpbimages.com

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