Vettel holt sich einen dominanten Sieg, während WM-Gegner Alonso Probleme hat

Formel 1 2013

— 21.04.2013

Vettel ganz gemütlich: Sieg in Bahrain

Abziehbild von 2012: Sebastian Vettel siegt in Bahrain vor dem Lotus-Duo Kimi Räikkönen und Romain Grosjean - Ferrari im Pech, Mercedes im Rennen chancenlos



Sebastian Vettel gewinnt vor Kimi Räikkönen und Romain Grosjean. Das gab es doch schon mal? Ja, stimmt. Sie lesen an dieser Stelle nicht unseren Bericht über den Grand Prix von Bahrain 2012, sondern die drei Vollgashelden von Red Bull und Lotus standen auch in diesem Wochenende in Sakhir in gleicher Reihenfolge wieder auf dem Podium. Vettel siegte souverän, Räikkönen und Grosjean kamen nach vorn, weil sie mit ihren Reifen am besten haushalten konnten.

Der Weltmeister, der nach zwei Saisonerfolgen nun zehn Punkte Vorsprung in der Gesamtwertung hat, war nur in der Frühphase Teil der großen Show in Bahrain. Beim Start hatte sich Nico Rosberg mit seinem Mercedes in Führung halten können, Fernando Alonso war mit seinem Ferrari an Vettel vorbeigeschossen. Der Heppenheimer konterte im Duell gegen den Spanier jedoch nach wenigen Kurven. "Ich hatte mir etwas KERS aufgespart. So kam ich vorbei", erkärt der Sieger, der anschließend unangefochten an der Spitze fahren konnte. Vettel fiel nur auf, weil er kurz vor dem Ende die schnellste Rennrunde drehte.

Auch Polemann Rosberg war nicht lange die harte Nuss, die er gern dargestellt hätte. "Es war mir nach drei Kurven der ersten Runde klar, dass das heute nichts wird", berichtet der Mercedes-Pilot. Er wurde schnell ein Opfer des souverän agierenden Weltmeisters. Vettel hatte nach wenigen Runden bei freier Fahrt ein sicheres Polster herausgefahren. Im Hintergrund musste Rosberg zunächst Alonso, dann auch Paul di Resta und Felipe Massa ziehen lassen. Der Mercedes war im Rennen ohne Chance.

Ein rabenschwarzer Tag für Rot

Als Alonso erster Verfolger von Vettel war, freuten sich viele Fans schon auf ein hartes Duell der beiden Topstars um den Sieg, doch der Traum platzte in Runde sieben. Am Ferrari F138 des Spaniers ging der DRS-Flügel nicht mehr in die Ausgangsstellung zurück. Alonso musste sofort zur Box, wo man das System aber nicht endgültig reparieren konnte. Beim nächsten DRS-Versuch blieb der Flügel erneut hängen, es musste ein weiterer Stopp eingelegt werden. Somit war Alonso frühzeitig aus der Entscheidung heraus.

"So etwas darf nicht passieren", meint Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali. "Unter normalen Umständen wäre ein Podestplatz möglich gewesen - mindestens, würde ich mal sagen." Der Asturier legte im hinteren Feld schnelle Rundenzeiten hin und deutete an, dass er mit Vettel an der Spitze hätte mithalten können. Seine DRS-freie Fahrt brachte ihn letztlich auf Rang acht ins Ziel. Teamkollege Felipe Massa erwischte es noch heftiger. Der Brasilianer ging komplett leer aus.

Massa beschädigte sich bei einem Kontakt mit dem Force India von Adrian Sutil gleich beim Start den Frontflügel. Der Deutsche musste sich neue Reifen holen und war somit weit abgeschlagen. Was für den Formel-1-Rückkehrer möglich gewesen wäre, zeigte Paul di Resta mit einigen Führungskilometern und Rang vier. "Was er kann, kann auch ich", so Sutil selbstbewusst nach dem enttäuschenden Rennen. "Drei Nullnummern in Serie. So kann es nicht weitergehen."

Zurück zum Pech der Roten aus Maranello. Der Frontflügelschaden am Fahrzeug von Massa machte sich nur wenig bemerkbar. Der Brasilianer konnte zu Beginn recht gut im Vorderfeld mitmischen. Zwei Reifenschäden nahmen ihn jedoch aus der Entscheidung. Beim ersten Zwischenfall löste sich die Lauffläche, beim zweiten Defekt riss der Reifen an der inneren Flanke komplett auf. Beide Schäden waren hinten rechts zu verzeichnen. "Das müssen wir uns anschauen", sagt Domenicali. "Schlimm, dass wir im vergangenen Jahr mit einem schlechteren Auto mehr Punkte holen konnten."

Bei Mercedes geht im Rennen nichts

Mercedes hat in diesem Jahr ein besseres Auto als im Vorjahr, aber die weiterhin vorhandenen Schwächen traten im Bahrain-Rennen so deutlich zutage wie selten zuvor. "Es ist unglaublich gewesen, sowas von ernüchternd. Grausam", will Rosberg nach dem Rennen nichts mehr hören. In der großen Hitze von Sakhir litten die Hinterreifen am W04 enorm. Rosberg kam nach vier Stopps und einem zwischenzeitlichen Kontakt mit dem Red Bull von Mark Webber ("Ist ja gut gegangen") als Neunter ins Ziel. Teamkollege Lewis Hamilton hatte seinen Wagen etwas anders abgestimmt und landete nach drei Reifenwechseln auf Rang fünf.

Die deutschen Silberpfeile könnten eine Leidensgemeinschaft mit den britischen Chrompfeilen gründen. Bei McLaren gab es nur in der ersten Rennhälfte gut Ansätze zu sehen. Die Autos verschlissen die Hinterreifen zu sehr, die angedachte Zweistopp-Strategie ließ sich nicht umsetzen. Dafür boten Jenson Button (10.) und Sergio Perez (6.) den Fans einen unterhaltsamen Nachmittag mit herzhaften Fights. Der junge Mexikaner agierte frech, unbekümmert, aber auch teilweise gefährlich.

"Ich bin jederzeit für enge Kämpfe zu haben, auch gern Rad-an-Rad-Duelle - ganz egal, mit wem das stattfindet", fasst Button nach dem intensiven Stallduell über viele Runden zusammen. "Aber man muss sich nicht ins Auto fahren und es müssen sich auch nicht bei Tempo 300 auf der Geraden die Reifen berühren. Das muss echt nicht sein", kritisiert der Brite seinen neuen Teamkollegen. "Dem Perez werden sie intern dafür die Ohren lang ziehen", meint 'Sky'-Experte Marc Surer. Der Schweizer hat "vollstes Verständnis" dafür, dass Button dem Mexikaner zwischenzeitlich mit einer Freifahrt in den Dreck die Grenzen aufzeigte.

Lotus spielt die Vorteile aus

Im Zentrum unterhaltsamer Zweikämpfe befand sich zwischenzeitlich auch Lotus-Pilot Romain Grosjean. Der Genfer nutzte jede Gelegenheit, um sich freie Fahrt zu verschaffen. Dabei ging er allerdings stets fair und umsichtig vor. In der letzten Phase des Rennens hatte er die frischeren Pneus und konnte den schottischen Force-India-Mann noch von Platz drei verdrängen. "Es war ein hartes Rennen, ein paar schöne Kämpfe auf der Strecke - aber deshalb betreiben wir ja Motorsport, das macht Spaß. Ich freue mich sehr. Ich hoffe, wir bleiben so konstant", fasst Grosjean nach Rang drei zusammen.

Am Ende trennten ihn nur zehn Sekunden von Teamkollege Kimi Räikkönen, der mit einer Zweistopp-Strategie keine Probleme hatte. Der Finne schonte seine Pneus und legte ein beeindruckend starkes Tempo auf die Bahn. "In den ersten Runden lief es nicht so gut, ich habe Plätze verloren, aber danach habe ich das Potenzial des Autos nutzen und Druck machen können, da war alles in Ordnung", berichtet er nach seinem dritten Podestplatz im vierten Rennen des Jahres. Wenn der Lotus im Qualifying schneller wäre, dann hätte der Sieg möglich sein können.

Den hätte sich Mark Webber bei seinem 200. Grand-Prix-Einsatz wohl von Herzen gewünscht. Doch der Australier, der nach einer Strafe nur von Rang sieben ins Rennen gehen konnte, kam nie wirklich in Schlagdistanz zur Spitze. In der Schlussphase lag der Red-Bull-Pilot lange Zeit auf Rang fünf, wurde dann aber noch von Hamilton und Perez verdrängt. "Meine Rundenzeiten waren drei, vier Sekunden langsamer als das, was eigentlich hätte drin sein sollen. Der Grip war einfach komplett weg. Dann mussten wir schauen, das Auto ins Ziel zu bringen. Bei zwei DRS-Zonen kannst du dich einfach kaum verteidigen."

Die Punkteränge verpasste Pastor Maldonado (Williams) trotz einer phasenweise starken Fahrt als Elfter knapp, auch Sauber-Pilot Nico Hülkenberg kam wegen stark abbauender Reifen nicht zu weiteren Zählern. In der Gesamtwertung hat Lewis Hamilton (50 Punkte) nun Fernando Alonso (47) von Rang drei verdrängt. An der Spitze haben Sebastian Vettel (77) und Kimi Räikkönen (67) bereits ein kleines Polster vor den Verfolgern. Das nächste Rennen findet in drei Wochen im spanischen Barcelona statt.

Fotoquelle: xpbimages.com

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