Nach außen ist Red Bull eine große Familie, innerlich brodelt es

Formel 1 2013

— 17.05.2013

Red Bull: Vertragspoker und brisante Details in Stallorderaffäre

Dem Weltmeisterteam Red Bull stehen zwei großen Personalfragen bevor - Verlängert Sebastian Vettel und bleibt Mark Webber?



Drei Jahre in Folge hat Sebastian Vettel sowohl die Fahrer- als auch anteilig die Konstrukteursweltmeisterschaft für sein Red-Bull-Team eingefahren. Und auch aktuell liegt der Deutsche nach den ersten fünf Rennen wieder an der Spitze des Tableaus. Kein Wunder, dass andere Teams längst die Fühler nach ihm ausgestreckt haben: "Ich möchte gerne weitertreiben, was Haug angefangen hat", sagte Mercedes-Teamchef Niki Lauda gegenüber 'Bild am Sonntag'. Norbert Haug, ehemaliger Motorsportchef bei Mercedes, hatte immer wieder Interesse am Heppenheimer bei Red Bull bekundet.

"Welches Team will Sebastian Vettel nicht haben?", lautet die kühle Gegenfrage von Red Bulls Teamchef Christian Horner gegenüber 'Auto Bild motorsport' . Diese Coolness könnte aber bald dem heißen Vertragspoker um den Verbleib Vettels bei den Bullen weichen, denn Vettel hat, so wird vermutet, momentan nur einen Vertrag bis zum Ende der kommenden Saison 2014. Beispielsweise Mercedes könnte ihn somit ab 2015 verpflichten und damit Nico Rosberg trotz laufenden Vertrages ersetzen. Anstatt aber ruhige Töne zu spucken, preist Horner seinen Piloten weiter an: "Sebastian ist fantastisch. Und er ist mit seiner Entwicklung noch längst nicht am Ende. Ich glaube sogar, das Beste haben wir von ihm noch gar nicht gesehen."

Gleichzeitig betont Horner aber auch immer wieder seinen Optimismus und die exzellente Zusammenarbeit mit Vettel: "Wir wollen noch lange etwas von ihm haben. Er ist ein ganz wichtiger Teil des Erfolges. Es geht dabei gar nicht so sehr um Vertragslängen, sondern wie wohl man sich miteinander fühlt." Auch für Vettel selbst gebe es laut Horner keinen Wechselgrund: "Seb fühlt sich wohl mit uns, wir uns mit ihm. Und ich habe überhaupt keine Bedenken, dass wir uns auch in Zukunft für sehr lange Zeit verbunden fühlen werden."

Webber verzerrte die Tatsachen

Vettels Position im Team ist damit ein weiteres Mal untermauert, auch die Stallorderaffäre hat keine nennenswerten Spuren hinterlassen - zumindest nicht für den Deutschen. Nach der Kritik während des Malaysia-Rennens spricht sich Horner so stark wie nie zuvor für seinen Nummer-1-Fahrer aus: "Seit fünf Jahren befinden sich Mark und Sebastian in einem sehr intensiven und harten Wettkampf. Wahrscheinlich war es noch sehr frisch in Sebastians Kopf, dass Mark im entscheidenden Rennen vergangenes Jahr in Brasilien sehr hart gegen ihn gefahren ist. Insofern kann ich Verständnis entwickeln."

Ferner stellt Horner sogar klar, Mark Webber habe nicht wegen einer Teamorder langsamer fahren müssen, sondern weil ihm das Benzin zur Neige ging. Webber hatte sich zum Opfer gemacht und die Situation stets so dargestellt, als hätte er schneller gekonnt, das Team hätte ihn aber eingebremst. "Es stimmt, Sebastian hatte eine andere Reifenstrategie, daher waren seine Reifen am Ende in einem besseren Zustand als die von Mark. Es stimmt auch, dass Sebastian weniger Sprit verbraucht hat. Mark musste Benzin sparen und die Motoreinstellung ändern, weil er sonst mit dem Verbrauch am Limit gewesen wäre", bestätigt der Red-Bull-Teamchef.

Seinen Funkspruch an Vettel ("This is silly, Seb, come on") erklärt Horner mit einer Fehleinschätzung der Reifensituation im Rennen, einbremsen habe man den Weltmeister nicht gewollt: "Die Hektik entstand spontan, weil wir Angst hatten, dass die Reifen einen Zweikampf nicht überstehen." Die Pneus hielten allerdings, Vettel gewann vor Webber. Für den Australier dürfte es durch diese Aussagen seines Teamchefs noch ungemütlicher bei Red Bull werden. Webbers Frust scheint immer größer zu werden, weil er das Niveau seines Teamkollegen zumeist nicht erreichen kann. Außerdem wird Vettel, solang er bei Red Bull fährt, auch das Sagen haben.

Theoretisch könnte sich die Situation für Webber mit einem möglichen Abgang Vettels zur Saison 2015 verändern. Das scheint allerdings höchst unwahrscheinlich, da der Vertrag des mittlerweile 36-Jährigen zuvor ausläuft und sein Verbleib im Team über diese Saison hinaus ohnehin fraglich ist. Über Webbers Zukunft wolle man sich erst später im Sommer unterhalten. Das Team lässt ihm die Tür zunächst offen: "Wenn er motiviert ist und den Willen hat weiterzumachen, werden wir uns natürlich intensiv mit diesem Fahrer, den wir gut kennen und der viel mit uns erreicht hat, befassen", so Horner gegenüber 'ESPN'. Die Frage, ob die kommenden Rennen für Webber eher zur Chance oder zur großen Zerreißprobe werden, beantwortet Horner allerdings wie folgt: "Es wird wahrscheinlich beides sein."

Fotoquelle: xpbimages.com

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