Bernie Ecclestone pokert gemeinsam mit Renault am großen Formel-1-Tisch

Formel 1 2013

— 20.05.2013

Ecclestone pokert und zieht die Karte BMW

Bernie Ecclestone setzt Renault stark unter Druck: Wenn die Franzosen nicht wollen, kommen eben andere - BMW will von Comeback nichts wissen



Im Jahr vor der geplanten Einführung der neuen 1,6.-Liter-V6-Turbomotoren in der Formel 1 finden im Hintergrund heftige politische Schlachten statt. Vor allem Bernie Ecclestone ist das neue Reglement ein Dorn im Auge. Aus Sicht des Formel-1-Bosses bedrohen die neuen - deutlich teureren Antriebsstränge - die Existenz einiger Teams. Die Show sei auch weiterhin mit den bisherigen V8-Triebwerken zu stemmen, meint der Brite. Die Einführung ist jedoch von der FIA gewollt - und sie wird durchgesetzt.

Mercedes, Ferrari und Renault haben die neuen V6-turbos bereits seit Monaten auf den Prüfständen. Die große Frage ist derzeit noch, welche Kunden mit den Herstellern zusammenarbeiten werden. Mercedes und Ferrari wollen im ersten Jahr maximal einen Kunden beliefern, Renault kann sich bis zu vier oder fünf Partner vorstellen. Die Franzosen würden neben den aktuellen Kunden Red Bull, Lotus, Williams und Caterham womöglich auch Toro Rosso beliefern. Entsprechende Verhandlungen laufen.

Im Gegenzug fordert Renault jedoch mehr Mitspracherecht. Der französische Hersteller hat seit dem Verkauf des ehemaligen Werksteams an die Genii-Gruppe von Gerard Lopez (nun Lotus-Formel-1-Team) keine Stimme mehr in den diversen Kommissionen und Lenkungsgruppen der Formel 1, man bekommt nicht einmal den gewünschten Fahrerlagerzugang. Die Franzosen kritisieren, dass man mindestens so viel Geld investiere wie ein Mittelfeldteam, aber die Gegenleistung nicht stimme. Man will gehört und nicht als reiner Zulieferer behandelt werden.

Renault und Ecclestone im Clinch

Wie Bernie Ecclestone die Situation sieht, zeigte er Renault beim vergangenen Grand Prix in Barcelona sehr deutlich. Er verweigerte dem Motorenhersteller einen Platz für das Motorhome im Formel-1-Paddock, Renault wurde an den Rand des GP2-Fahrerlagers verbannt - ein kräftiger Tritt vor das Schienbein der Franzosen. Ecclestone lässt die Muskeln spielen. Er will, dass Renault die Preise für die neuen Turbomotoren von derzeit 20 bis 25 Millionen Euro deutlich senkt, damit sie erschwinglich werden.

Die Fronten sind verhärtet, die Situation festgefahren. Nur mit Mercedes und Ferrari wird es nicht gehen. Die beiden Hersteller werden kaum das komplette Starterfeld ausrüsten können, erst recht nicht im ersten Jahr des neuen Reglements. Was wäre die Alternative, falls Renault nicht mehr mitspielt? Man würde 2014 noch ein Jahr lang bei den bisherigen V8-Motoren bleiben - dank Cosworth könnte man die Last womöglich stemmen. Ein solcher Plan hätte für Ecclestone sicherlich Charme. Und 2015 kommt schließlich Honda.

In den vergangenen Wochen gab es mehrere Treffen zwischen Renault-Verantwortlichen und Ecclestone. "Wir suchen gemeinsam mit FOM (Formula One Management; Anm. d. Red.) und FIA nach einer Lösung", erklärt Renault-Sportchef Jean-Michel Jalinier. Allerdings habe es in den bisherigen Gesprächsrunden "nur geringe Fortschritte" gegeben. Die Geduld ist vor allem auch bei Renault-Nissan-Boss Carlos Ghosn begrenzt. Der Franzose gilt als kühler Rechner und nicht eben als Freund der Formel 1, die bei Renault pro Jahr mit 100 Millionen Euro zu Buche schlägt.

Weiß Ecclestone mehr als BMW selbst?

In dieser Woche soll es ein weiteres, (hoffentlich) klärendes Gespräch zwischen Ecclestone und Renault geben. Pünktlich vor diesem Meeting versucht der 82-jährige Brite den Druck zu erhöhen. "Ich wäre überrascht, wenn wir BMW nicht wieder in der Formel 1 sehen würden. Ich denke, die könnten zurückkehren. Das würde aus deren Sicht sinnvoll sein", wird der Formel-1-Boss in britischen Medien zitiert. Ecclestone zaubert die Karte BMW aus dem Hut, ohne allerdings mit Verantwortlichen aus München gesprochen zu haben.

"Ich weiß nicht, mit wem Bernie da gesprochen haben will", schüttelt BMW-Motorsportdirektor Jens Marquardt auf Nachfrage von 'Motorsport-Total.com' den Kopf. "Wir sind mit unserem aktuellen Programm, der DTM, ganz oben dran. Wir sind auch mit dem GT-Sport auf der Nordschleife und in der ALMS sowie dem Kundensport derzeit super aufgestellt. Wir haben überhaupt keine Intention, in andere Bereiche zu schauen. Wir haben uns bewusst aus der Formel 1 zurückgezogen."

"Wir haben uns an dem orientiert, was unsere Kunden auch wirklich als BMW erkennen. Es gibt keinen Grund, an diesem Konzept etwas zu ändern. Es läuft derzeit sehr gut", sagt Marquardt. Die Comeback-Ankündigung von Honda habe an dieser Haltung nichts geändert. "Es gibt immer gute Zeitpunkte, irgendwo einzusteigen. Wir haben beispielsweise einen guten Zeitpunkt für unseren DTM-Einstieg erwischt, weil es das neue Reglement gab. Jetzt gibt es ein neues Motoren-Reglement in der Formel 1. Das nimmt Honda eben zum Anlass. Man registriert das. Mehr Reaktionen hat das aber bei uns nicht hervorgerufen."

Fotoquelle: xpbimages.com

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