Nico Rosberg startete von der Pole und verteidigte diese beim Start

Formel 1 2013

— 26.05.2013

Deutscher Triumph: Rosberg cruist in Monaco zum Sieg

Mit einer intelligenten Fahrt gewinnt Nico Rosberg den "Bummel-Grand-Prix" in Monaco vor Sebastian Vettel - Adrian Sutil nach tollen Überholmanövern Fünfter



Nico Rosberg bleibt in Monaco der Mann des Wochenendes: Nach Bestzeiten in allen Trainings, der Pole-Position im Qualifying und dem Sieg seines Lieblingsvereins FC Bayern München im Champions-League-Finale triumphierte der Deutsche heute beim Grand-Prix-Klassiker im sonnigen Fürstentum an der Cote d'Azur - übrigens genau 30 Jahre nach seinem Vater Keke, der 1983 auf Williams vor Nelson Piquet und Alain Prost gewann.

"Das war einfach perfekt. Besser kann man es einfach nicht machen", lobt Experte Marc Surer Rosbergs Leistung in einem Rennen, das dreimal unterbrochen werden musste - zweimal durch das Safety-Car, einmal sogar komplett mit roten Flaggen. Doch Sebastian Vettel (Red Bull) konnte daraus wegen der nicht vorhandenen Überholmöglichkeiten keinen Nutzen ziehen und fuhr stattdessen einen sicheren zweiten Platz nach Hause, der 18 Punkte für die Weltmeisterschaft wert ist, in der der Titelverteidiger seine Führung weiter ausbauen konnte.

"Insgesamt bin ich sehr glücklich und zufrieden mit diesem Ergebnis. Es ist hier halt sehr schwierig, jemanden zu überholen", sagt Vettel. "Ich war überrascht vom langsamen Tempo. Du erwartest zwei Silberpfeile vor dir, dabei sind es nur lahme Autobusse!" Was er dann auch eindrucksvoll demonstrierte, als er in der vorletzten Runde die schnellste Runde im Rennen fuhr (1:16.577 Minuten). "Mach langsam, Sebastian, dafür gibt es keine Punkte", tönte es aus dem Boxenfunk. "Aber Befriedigung", lautete die trotzige Antwort.

Horner: "Alle sind nur herumgecruist"

Es war ein merkwürdiges Rennen, in dem zwischendurch sogar Leute wie Esteban Gutierrez (Sauber) und Giedo van der Garde (Caterham) schnellste Runden drehen konnten, weil die silberne Spitze so langsam bummelte, um irgendwie mit nur einem Boxenstopp über die Distanz von 78 Runden zu kommen. "Alle sind nur herumgecruist", ätzt Red-Bull-Teamchef Christian Horner. "Bei Sebastians Runde zum Schluss hat man es gesehen: Er war mal eben vier Sekunden schneller als vorher. In diesem Rennen ging es nur um das Reifenschonen."

Also gewann am Ende nicht unbedingt der Schnellste, aber der Cleverste: "Nico hat alles richtig gemacht und das Rennen perfekt gemanagt", lobt Teamchef Ross Brawn, und auch der geschlagene Vettel nickt anerkennend: "Er hat verdient gewonnen, da gibt's nichts dran zu rütteln. Wir können mit dem zweiten Platz zufrieden sein." Zumal Mark Webber als Dritter ein gutes Ergebnis für Red Bull abrundete, noch vor Lewis Hamilton. Den zweiten Silberpfeil überholten Vettel und Webber durch die Boxenstopps während der ersten Safety-Car-Phase.

Denn nach dem (neuerlichen) Crash von Felipe Massa (Ferrari) in Sainte Devote reagierte Red Bull blitzschnell und holte Vettel sofort zum einzigen geplanten Reifenwechsel, während Mercedes Rosberg und Hamilton noch eine Runde draußen ließ und anschließend gleichzeitig abfertigte. Rosberg behielt die Führung, Hamilton fiel aber hinter die beiden Red Bulls zurück. Wichtiges Detail am Rande: Vettel verlor einige Sekunden, als er vom Safety-Car aufgehalten wurde, das ihn nicht sofort durchließ - sonst hätte es womöglich zur Führung gereicht.

Besonderer Sieg für Wahlmonegasse Rosberg

Von da an waren die ersten vier Positionen bezogen, denn Rosberg erlaubte sich bei keinem der drei Restarts auch nur den geringsten Fehler. Am meisten drängte noch Hamilton, der Webber einmal sogar innen in Rascasse attackierte, vor der Zielkurve Anthony Noghes dann aber doch zurückziehen musste. Am Ende lagen die Top 3 innerhalb von 6,3 Sekunden. "Unglaublich! Ich bin hier aufgewachsen, habe hier mein ganzes Leben verbracht, bin hier zur Schule gegangen. Jetzt hier gewonnen zu haben, ist wirklich etwas ganz Besonderes", jubelt Sieger Rosberg.

Die wichtigste Nachricht abseits der sportlichen Entscheidung ist aber, dass heute niemand verletzt wurde: "Felipe ist okay. Er hat Schmerzen, wie man sich vorstellen kann, aber es ist alles unter Kontrolle", gibt Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali Entwarnung für Massa, der nach dem Crash in der Sainte-Devote-Kurve mit Halskrause ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Der Abflug glich jenem am Samstagmorgen, der nicht technisch erklärt werden konnte, wie ein Ei dem anderen. "So einen Fehler macht Massa nicht zweimal", vermutet Experte Surer.

Ebenfalls unverletzt blieb Pastor Maldonado (Williams), nachdem ihn Max Chilton (Marussia) in der Tabak-Kurve in die Leitplanken gedrängt hatte. Der spektakuläre und gefährliche Crash führte sogar zu einem kurzzeitigen Abbruch des Rennens. "Es war erschreckend. Ich hatte nicht erwartet, dass Chilton auf meine Linie herüberziehen würde. Das war sehr gefährlich. Vielleicht sollten sich die Rennkommissare genau anschauen, was er da gemacht hat", schimpft Maldonado. "Ich habe zwar ein paar Prellungen davongetragen, aber sonst geht es mir gut."

Grosjean wieder in Zwischenfall verwickelt

Zur letzten Safety-Car-Phase kam es dann gut 15 Runden vor Schluss, als Romain Grosjean (Lotus) zum dritten Mal an diesem Wochenende außer Rand und Band war und Daniel Ricciardo (Toro Rosso) in der Hafenschikane von hinten aus dem Rennen schob. "Grosjean fällt wirklich negativ auf", findet Surer. Sein französischer Landsmann Jules Bianchi (Marussia) hingegen konnte nichts für seinen Einschlag bei Sainte Devote, denn dafür war nach ersten Einschätzungen ein Bremsdefekt verantwortlich.

Die meiste Action gab es nach der roten Flagge im Kampf um Platz fünf, den gleich mehrere Piloten untereinander austrugen. Letztendlich setzte sich dabei Adrian Sutil (Force India) durch, der in der Loews-Haarnadel erst Jenson Button (McLaren) und dann auch noch Fernando Alonso (Ferrari) blitzsauber überholte und anschließend noch von zwei Ausfällen vor ihm profitierte - eine Art späte Wiedergutmachung für 2008, als er auf dem Weg zur Sensation (Platz vier auf Force India) beim Anbremsen der Hafenschikane von Räikkönen abgeschossen wurde.

Räikkönen wurde diesmal an gleicher Stelle selbst Opfer, nämlich von McLaren-Neuzugang Sergio Perez, der schon im immer wieder auflodernden Duell mit Teamkollege Button Mühe hatte, seine Nerven im Zaum zu halten, und dann völlig übermotiviert von hinten in den Lotus des "Iceman" rauschte. "Dieser Idiot hat versucht, mich zu rammen und mein Rennen kaputt zu machen!", reagierte Räikkönen wenig diplomatisch. Bereits zuvor hatte Perez ebenfalls bei der Hafenschikane Button und Alonso mit dem Messer zwischen den Zähnen attackiert.

Hülkenberg knapp an den Punkterängen vorbei

Dass der Mexikaner beim Ausrollen zwischen Rascasse und Anthony Noghes noch beinahe seinen eigenen Teamkollegen abgeschossen hätte, passte zu seiner heutigen Vorstellung. Button hatte aber Glück und kam als Sechster ins Ziel, vor Alonso, dem unauffällig, aber stark fahrenden Toro-Rosso-Junior Jean-Eric Vergne, Paul di Resta (Force India) und Räikkönen. Wie der Finne nach seinem späten Boxenstopp noch in die Punkte kam, ist vielen ein Rätsel. Elfter wurde heute Nico Hülkenberg (Sauber), knapp vor Valtteri Bottas (Williams).

Dass das Rennen zweimal neutralisiert und einmal komplett unterbrochen wurde (während der roten Flaggen durften in der Startaufstellung Arbeiten am Auto durchgeführt oder auch Reifen gewechselt werden), half jenen, die mit dem Abbau der Reifen ansonsten in Schwierigkeiten geraten wären. Gut möglich, dass Rosberg ansonsten nicht so leicht gewonnen hätte, aber der in Monaco lebende Deutsche ließ in der Schlussphase nichts mehr anbrennen, vergrößerte seinen Vorsprung auf bis zu vier Sekunden und fuhr ungefährdet als Erster über die Ziellinie.

In der Weltmeisterschaft führt nach sechs von 19 Rennen weiterhin Vettel, der nun 107 Punkte auf dem Konto hat, vor Räikkönen (86), Alonso (78), Hamilton (62), Webber (57) und dem heutigen Sieger Rosberg (47). Bei den Konstrukteuren liegt Red Bull (164 Punkte) vor Ferrari (123), Lotus (112) und Mercedes (109) in Führung. McLaren (37) ist nur Sechster. Weiter geht die Formel-1-Saison 2013 in zwei Wochen mit dem Grand Prix von Kanada auf dem Stop-&-Go-Kurs inmitten der pulsierenden Stadt Montreal.

Fotoquelle: xpbimages.com

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