Nico Rosberg freut sich über ein perfektes Wochenende in seiner Heimat Monaco

Formel 1 2013

— 26.05.2013

Mercedes jubelt und blendet Reifen-Kontroverse aus

Mercedes jubelt über den langersehnten ersten Saisonsieg in Monaco und lässt sich die Laune durch die Kontroverse um den Pirelli-Reifentest nicht vermiesen



Der Knoten ist endlich geplatzt. Nico Rosberg und Mercedes liefern in Monte-Carlo ein perfektes Wochenende ab. Rosberg, der in Monaco aufgewachsen ist, fuhr im Fürstentum in allen Trainingssessions die Bestzeit, sicherte sich die Pole-Position und führte am Sonntag das Rennen von der ersten bis zur letzten Runde an. Dabei war der Grand Prix alles andere als ereignislos. Gleich zwei schwere Unfälle sorgten für Safety-Car-Phasen, beziehungsweise eine Rennunterbrechung. Das Feld wurde dadurch wieder zusammenschoben und das Geschehen neutralisiert.

"Unglaublich. Ich bin hier aufgewachsen, habe hier mein ganzes Leben verbracht, bin hier zur Schule gegangen. Jetzt hier gewonnen zu haben, ist wirklich etwas ganz Besonderes. Das ganze Wochenende verlief perfekt", freut sich Rosberg nach seinem ersten Sieg in Monaco, wo vor ziemlich genau 30 Jahren übrigens schon Papa Keke, der Weltmeister von 1982, triumphierte.

Den Grundstein für den Sieg legte Rosberg auf den ersten Metern. Der 27-Jährige hielt sich beim Start knapp vor der Konkurrenz, die er im weiteren Rennverlauf glorreich hinter sich halten konnte. "Sebastian und Lewis hingen mir richtig im Nacken. Es reichte aber", beschreibt Rosberg, wie eng es zu Rennbeginn zuging. "Anschließend war ich in der Lage, das Rennen zu kontrollieren. Das Auto war wirklich gut, die Reifen hielten durch. Das war heute der Schlüssel zum Erfolg. Ich möchte mich beim Team bedanken, wir haben seit Barcelona wirklich einen Schritt nach vorne gemacht."

Streckencharakteristik begünstigte Rennsieg

Da der Mercedes F1 W04 nicht gerade als reifenschonend gilt, war allen Beteiligten schon vor dem Rennen klar, dass man nur eine Chance auf den Sieg haben würde, wenn man die Führung beim Start behauptet. In Sachen Reifenmanagement haben die Silberpfeile aber ganz offenbar Fortschritte erzielt. Rosberg: "Wir haben daran gearbeitet, ein paar Verbesserungen vorgenommen. Man muss allerdings auch sagen, dass diese Strecke uns in die Karten spielte, weil sie etwas weniger anspruchsvoll für die Reifen ist. Das war heute der Schlüssel zum Erfolg."

Ähnlich sieht das Teamchef Ross Brawn, der damals schon Keke Rosbergs Monaco-Sieg als Aerodynamiker bei Williams miterlebte. "Auf dieser Strecke kann man die Position halten, selbst wenn man Probleme mit den Reifen hat", so der Brite, der den Erfolg aber keineswegs relativieren möchte: "Die Piloten haben heute beim Reifenmanagement einen tollen Job gemacht, die Reifen waren das ganze Rennen über in einer guten Verfassung."

Für Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff war der Erfolg Balsam für die geschundene Teamseele: "Das tut dem ganzen Team gut. Wir mussten es im Rennen mal umsetzen, auch wenn uns heute natürlich die Strecke in die Karten gespielt hat", sagt der Österreicher gegenüber 'RTL'. "Das schmälert die Leistung von Nico und der Mannschaft aber keineswegs. Sie haben wirklich toll gearbeitet."

Surer: "Das war einfach perfekt"

Obwohl man bei Mercedes offenbar ein Mittel gegen den zuletzt enorm hohen Reifenverschleiß gefunden hat, war über weite Strecken des Rennens ersichtlich, dass die Konkurrenz eigentlich schneller war. Rosberg und Teamkollege Lewis Hamilton zogen vor allem zu Beginn wie auf eine Perlenschnur gezogen Autos hinter sich her, angeführt von Sebastian Vettel. Auf jeder anderen Strecke wäre zumindest Red Bull wohl an den Silberpfeilen vorbeigekommen.

Unter den gegebenen Umständen lieferte Rosberg aber eine fehlerfreie, souveräne Leistung ab. Das findet auch Formel-1-Experte Marc Surer. "Das war einfach perfekt. Besser kann man es nicht machen", lobt Ex-Formel-1-Pilot Surer den doppelten Grand-Prix-Sieger.

"Er hat ja ein paar Mal Druck bekommen, seinen Vorsprung wieder verloren durch die Safety-Car-Phasen und ist dann beim Restart jeweils sofort wieder Vettel davongefahren - das muss man können, das muss man auf den Punkt bringen: Die Reifen richtig vorwärmen hinter dem Safety-Car und dann auf Ansage sofort wieder voll Gas zu geben. Einfach keine Fehler gemacht und die Leistung dann gebracht, als er sie nötig hatte, besser kann man es nicht machen."

Hamilton nimmt vor dem Boxenstopp zu viel Fahrt raus

Einziger Wermutstropfen am Rennsonntag war für Mercedes die Leistung von Lewis Hamilton. Der Neuzugang war von Platz zwei gestartet, konnte diese Position lange Zeit halten, verhielt sich jedoch vor dem Boxenstopp falsch, wodurch beide Red Bull an ihm vorbeikamen und ihn auf Rang vier verwiesen.

Woran lag es? Hamilton sollte laut seinem Team vor dem Reifenwechsel etwas Fahrt herausnehmen, um innerhalb von einer Runde sowohl ihn als auch Rosberg abfertigen zu können. "Sie sagten mir, dass ich sechs Sekunden Abstand halten sollte, doch ich ließ die Lücke wohl etwas zu groß werden", sagt ein sichtlich frustrierter Hamilton nach dem Grand Prix und ärgert sich weiter: "Das war unnötig, ich habe da zu viel Zeit liegen lassen. Glückwunsch aber an Nico und das Team."

Mercedes blendet Kontroverse um Reifentest aus

Dass der Monaco-Erfolg ausgerechnet nach Bekanntwerden des Reifentests für Pirelli in der vergangenen Woche erfolgte - Mercedes testete in Barcelona über eine Distanz von 1.000 km Reifen für 2014 - dürfte der Konkurrenz sauer aufgestoßen sein. Von Red Bull, die einen Wettbewerbsvorteil für Mercedes wittern, kam prompt Kritik, auf die Motorsportchef Wolff mit den Worten "schlechte Verlierer" reagierte.

Die Angelegenheit wird in den kommenden Tagen sicherlich noch für zahlreichen Gesprächsstoff und weitere Untersuchungen sorgen, bei Mercedes selber möchte man an die Thematik aber keine Gedanken vergeuden. Wolff: "Momentan sollten wir uns nur über diesen Sieg freuen, das ist das Wichtigste. Der Rest wird am grünen Tisch entschieden. Wir müssen uns die Situation genau anschauen und sie analysieren. Es ist schade, dass der Tag auf diese Weise begann, aber im Moment ist uns das alles egal."

Wie gut wird Mercedes bei den kommenden Rennen sein?

Ein wirklicher Gradmesser für die Verbesserungen von Mercedes werden voraussichtlich die kommenden Rennen sein. Obwohl Monaco mit seinem verwinkelten Stadtkurs eine Ausnahme im Rennkalender darstellt, könnte es laut Ross Brawn beim Kanada Grand Prix in zwei Wochen ebenfalls positiv für Mercedes laufen, denn, was viele wohl nicht vermuten: "Montreal ist Monaco relativ ähnlich, denn man braucht dort auch gute Bremsen und eine gute Traktion." Wirkliche Gewissheit darüber, ob die Verbesserungen greifen, werde jedoch erst das übernächste Rennen in Silverstone liefern. Brawn: "Dort müssen wir beweisen, dass wir Fortschritte gemacht haben."

WM-Leader Sebastian Vettel hat Mercedes nach dem Sieg in Monte-Carlo auf der Rechnung und betrachtet die Leistung der Silbernen nicht als eine Eintagsfliege. "Ich glaube man lernt übers Jahr dazu. Sie haben für dieses Jahr auf jeden Fall einen Schritt gemacht und sind konstant vorne dabei", sagt Vettel gegenüber 'RTL'. "Und wenn sie es im Rennen weiter bestätigen können, dann wird es künftig immer enger."

Fotoquelle: xpbimages.com

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