Aufgefädelt wie eine Perlenkette: Die Strategen diktierten diesmal das Tempo

Formel 1 2013

— 28.05.2013

Bummelzug: Wie das Saison-Highlight zur Farce wurde

Weil Mercedes das Tempo derart drosselte, fuhr die Spitze in Monaco teilweise langsamer als Caterham & Co. - Fahrer und Experten sehen einen Tiefpunkt erreicht



Der Sieg beim Klassiker in Monaco gilt neben dem WM-Titel als grer Erfolg, den man in der Formel 1 erreichen kann. Kein Rennen ist extremer und geschichtstrchtiger als das Autoroulette im Leitplankenkanal, wo oft selbst ein kleiner Fahrfehler oder eine Unachtsamkeit schon mit dem Ausfall bestraft werden. Auch 2013 gab es zahlreiche Unflle - besonders heroisch muteten die 78 Runden im Frstentum allerdings trotzdem nicht an.

Denn ein Blick in die Renndaten verrt: Vom stndigen Kampf am Limit, vom sogenannten "Hubschrauberfliegen im Wohnzimmer", wie Nelson Piquet den Grand Prix von Monaco einst beschrieben hat, konnte dieses Jahr keine Rede sein. Nach dem turbulenten Start bei dem die Mercedes-Piloten beinahe von Sebastian Vettel berholt worden wren, bernahmen die Strategen an der Boxenmauer die Kontrolle ber das Rennen.

Die Fhrenden wurden rasch aufgefordert, das Tempo zu drosseln. Und so fuhr Rosberg im Bummeltempo um den legendren Kurs und zog das aufgefdelte Feld hinter sich her. Wegen der verwinkelten Streckenfhrung war an berholmanver sowieso kaum zu denken, und bei den "Silberpfeilen" frchtete man nach den traumatischen Erfahrungen der vorangegangen Rennen, dass es mit einer Einstopp-Strategie knapp werden knnte.

Van der Garde schneller als Leader Rosberg

Und so kam es zur absurden Situation, dass Caterham-Pilot Giedo van der Garde, der nach dem Startcrash durch einen frhen Boxenstopp freie Fahrt hatte, bis zur zehnten Runde deutlich schnellere Rundenzeiten in den Asphalt brannte als Leader Rosberg.

Die Zeiten des "Silberpfeil"-Piloten bewegten sich in diesem Zeitraum im Bereich von 1:22.5 Minuten - also fast zehn Sekunden ber der Pole-Zeit. Van der Garde war zum Teil um eine Sekunde schneller. Funksprche wie der von Rob Smedley an Felipe Massa waren in den ersten Runden die Regel: "Kurve eins, Kurve fnf, Kurve acht - denke an die Reifen. Und gehe sanft auf das Gas."

Was eigentlich mglich gewesen wre, zeigte Rosberg dann in den Runden vor dem einzigen Boxenstopp, als er pltzlich nur noch 1:19.1 Minuten fr einen Umlauf brauchte - trotz der geringeren Spritmenge ein eklatanter Unterschied.

Vettel reit der Geduldsfaden

Auch nach dem einzigen Boxenstopp und dem Restart nach der Safety-Car-Phase, wo die Reifen gewechselt werden durften, wiederholte sich das groteske Schauspiel. Am Augenscheinlichsten lsst sich das am Beispiel Sebastian Vettel festmachen: Der Red-Bull-Pilot ist schlielich bekannt dafr, sich auch mal ber die Anweisungen des Teams hinwegzusetzen und hemmungslos Gas zu geben.

Monaco war keine Ausnahme: Obwohl in Renningenieur kurz vor der Zielflagge noch aufgefordert hatte, "keine Risiken" einzugehen, erhhte er in der vorletzten Runde pltzlich um zwei Sekunden das Tempo und fuhr in 1:16.577 Minuten die Schnellste Runde des Rennens. Zweiter in dieser Statistik wurde Kimi Rikknen, der fr seine letzte Runde 1:17.392 Minuten bentigte und erst an Nico Hlkenberg vorbeigehen musste. In dieser Tabelle rangiert Sieger Rosberg mit 1.75 Sekunden Rckstand auf Platz sechs.

Dass mit Vettel am Ende die Pferde durchgingen, beweist auch sein Funkspruch: Er brauche nun etwas "Befriedigung, anstatt 77 Runden lang langsam zu fahren". Nach der Zielflagge besttigte er, dass der Grand Prix fr ihn eher eine langatmige Geduldsprobe, als ein forderndes Autorennen war: "Ich dachte eigentlich, dass die zwei dort vorne versuchen, einen Vorsprung rauszufahren. Aber es hat sich eher so angefhlt, als wren sie auf einer Busreise nach Sdfrankreich. Es war schade, wir konnten eigentlich viel schneller am Anfang."

Coulthard: Monaco-Rennen war "Mll"

Am Ende, als er sich seinem Team widersetzte, musste er das Auto eben "austesten, dafr msste ich zumindest eine Runde pushen." Teilweise htte er nach eigenen Angaben "drei Sekunden schneller" fahren knnen. Auch Red-Bull-Teamchef Christian Horner konnte sich nach dem Rennen einen gewissen Zynismus nicht verkneifen: "Es sieht so aus, als htten die Fahrer nicht allzu hart gearbeitet. Es ging einfach nur darum, die Reifen zu schonen. Bei Sebastians Runde zum Schluss hat man es gesehen: Er war mal eben vier Sekunden schneller als vorher. In diesem Rennen ging es nur um das Reifenschonen."

Heftige Kritik gibt es auch von Ex-Formel-1-Pilot David Coulthard, fr den nun eine Grenze berschritten ist. "Ich habe in der Kommentatorenkabine gesagt, dass das Mll ist - und dazu stehe ich", findet er in seiner 'BBC'-Kolumne harte Worte. "Normalerweise bin ich der Erste, der die Formel 1 verteidigt. Es handelt sich um den schnellsten Motorsport mit den besten Autos und den besten Fahrern. Wenn die Fahrer aber ein Tempo zeigen, das ganz klar unter ihren Mglichkeiten liegt, dann stimmt etwas nicht."

Laut eigenen Angaben stimmte er bisher nicht in den Tenor der Pirelli-Kritiker ein, doch Monaco war fr ihn nun ein negativer Hhepunkt: "Bis zu diesem Rennen habe ich das nicht so schlimm wahrgenommen, denn in der Formel 1 musste man sich immer an den zur Verfgung stehenden Grip anpassen. Monaco war aber ein Extrembeispiel - und es ist frustrierend, das mit anzusehen."

Farce ohne Fahrspa?

Auch Ex-Pilot Nick Heidfeld ist der Ansicht, dass das Rennen in Monaco ganz klar negativ hervorsticht. "Ich habe noch nie in meiner Karriere und auch nicht als Zuschauer solche Funksprche erlebt: 'Fahr diese Pace, diese Pace, jetzt sind wir da, jetzt kannst du mal ein paar Runden Gas geben.'", wundert er sich gegenber 'ServusTV'. "Man muss immer auf die Reifen achten - und das Entscheidende ist, dass es fr alle das Gleiche ist. Aber als Fahrer macht das mit Sicherheit keinen Spa", zeigt er Mitgefhl mit seinen Ex-Kollegen.

Red Bulls Motorsportkonsulent Helmut Marko stt sich vor allem daran, dass pltzlich Nachzgler-Piloten wie van der Garde oder Marussia-Pilot Max Chilton das gleiche Tempo oder schneller fahren als die Spitze. "Ein Chilton auf einem Marussia war Letzter, hatte freie Runden und ist eine Sekunde schneller gefahren als die Spitze", kann es der sterreicher gegenber 'ServusTV' nicht fassen.

Was er daraus ableitet? "Das zeigt, dass vorne nur geradeaus beschleunigt wurde, und dort, wo man nicht berholen konnte, wurde reifenschonend und schleichend um den Kurs gefahren", erklrt er. Wie vor einigen Wochen Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz findet auch Marko, dass das nicht mehr viel mit Rennsport zu tun hat: "Das war kein Rennen in dem Sinn, sondern das war eine Farce. Das kann es auch nicht sein."

Warum es so oft krachte

Dennoch kam es im Rennen zu einigen Kollisionen und Zwischenfllen. Ein Beweis dafr, dass doch am Limit gefahren wurde? Ganz im Gegenteil, meint McLaren-Pilot Jenson Button: "Das lag daran, dass die Autos ganz vorn so langsam gefahren sind. Es gab einen regelrechten Stau. Und wenn so viele Autos auf so engem Raum unterwegs sind, dann kommt es einfach zu Zwischenfllen."

Auch beim Briten war beim Klassiker in Monaco kein rechter Fahrspa aufgekommen: "Meistens waren wir kollektiv langsam, weil die anderen so sehr auf das Reifenschonen aus waren. Das ist gewissermaen enttuschend, denn eigentlich willst du ja sehen, wozu die Autos in der Lage sind. Es macht immer viel Spa, ein Auto auf dieser Strecke ans Limit zu bringen."

Fotoquelle: xpbimages.com

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