Fernando Alonso während des Trainings zum Großen Preis von Kanada in Montreal

Formel 1 2013

— 07.06.2013

Freitag in Montreal: Ferrari in Topform

Fernando Alonso sichert sich im zweiten Freien Training die Bestzeit, Ferrari überzeugt auf die Distanz - Red Bull der einzige Konkurrent im Rennen?



Die Gebete zahlreicher Verantwortlicher der Formel 1 wurden erhört. Im zweiten Freien Training in Montreal konnte - im Gegensatz zur ersten Session - bei trockener Strecke wichtige Arbeit verrichtet werden. Nach der durchwachsenen Einheit am Vormittag absolvierten die Teams und Piloten viele Runden auf Slicks. Dabei kristallisierte sich heraus, dass der Rennsieg am Sonntag vermutlich zwischen Ferrari und Red Bull ausgefochten wird. Die beiden Teams waren auf die Distanz bärenstark.

Die Roten aus Maranello platzierten im zweiten Training auf der Ile Notre-Dame eine klare Kampfansage. Fernando Alonso markierte kurz vor der Halbzeit der Session in 1:14.818 Minuten die schnellste Runde des Tages, auch Teamkollege Felipe Massa (6.) konnte in 1:15.254 Minuten überzeugen. Wenn es um das Tempo über eine einzelne Runde geht, dann kann Mercedes offenbar mithalten - allerdings auf die Distanz machen die Reifen an den Silberpfeilen wieder Sorgen.

Lewis Hamilton konnte sich mit einem Rückstand von nur 0,012 Sekunden auf Alonso Rang zwei in der Tageswertung sichern. Auch Nico Rosberg (5./+ 0,431) war bei der Musik. Allerdings bauten am W04 die Pneus bei Fahrt mit vollen Tanks schneller ab als bei anderen. "Wir haben gesehen, dass einige Fahrer mit vollen Tanks Probleme hatten", schildert 'Sky'-Experte Marc Surer. "Mercedes kann das Tempo von Ferrari und Red Bull auf die Distanz nicht ansatzweise halten."

Red Bull auf Ferrari-Niveau?

"Das Auto fühlt sich eigentlich gut an", bringt Lewis Hamilton seine Eindrücke auf den Punkt. Der Brite schränkt jedoch ein: "Ich weiß noch nicht, wie es mit dem Reifenverschleiß aussieht. Außerdem rutsche ich im Auto trotz richtig enger Gurte viel zu viel herum. So ganz passend ist das alles noch nicht." Zwischenzeitlich gaben Funksprüche Hinweise auf das Hauptproblem. "Reifen hinten zu heiß, vorne zu kalt", hieß es immer wieder. "Ich weiß nicht, ob wir Fortschritte gemacht haben", sagt Hamilton.

Während Alonso mit vollem Tank reichlich Runden auf den Supersoft-Reifen abspulen konnte und dabei immer auf dem Niveau von 1:18er-Zeiten agierte, fuhren die Mercedes auf beiden Mischungen nach einigen Runden mindestens eine Sekunde langsamer. Einzig Red Bull war auf dem gleichen Level wie Ferrari unterwegs - allerdings mit der Medium-Mischung. "Ich habe noch keine Vergleichswerte gesehen, hatte aber ein gutes Gefühl", sagt Sebastian Vettel (7./+ 0,462).

"Es ist natürlich immer schwierig abzuschätzen, wie viel Sprit die anderen drin hatten. Vielleicht waren wir heute etwas leichter unterwegs. Insgesamt lief es gut. Ich glaube aber, wir haben noch Raum für Verbesserungen", erklärt der Weltmeister nach den zwei Sessions am Freitag. Sein Teamkollege Mark Webber ("Das Auto läuft gut") war als Vierter in 1:15.212 Minuten einen Hauch schneller unterwegs. Der Red Bull mag die Medium-Reifen, der Ferrari am liebsten die Supersofts - altbekanntes Thema.

Force-India-Jubiläum: Punkte möglich

Auf Rang drei konnte der zuletzt immer wieder kritisierte Romain Grosjean (Lotus/+ 0,265) seinen guten Grundspeed wieder einmal darstellen. Der Fahrstil des Franzosen mit Wohnsitz in Genf passt perfekt zur Strecke in Montreal. Als einer der wenigen Piloten bringt Grosjean die Pneus innerhalb einer Runde auf Temperatur. Aber was bringt dies auf die Distanz? Das starke Longrun-Tempo von Ferrari und Red Bull konnten Grosjean und Teamkollege Kimi Räikkönen (11./+ 0,781) jedenfalls nicht mitgehen.

Nachdem Paul di Resta am Morgen die Bestzeit bei Mischbedingungen markiert hatte, war es am Nachmittag seinem Force-India-Teamkollegen Adrian Sutil vorbehalten, sich im Vorderfeld zu präsentieren. Der Gräfelfinger hatte als Achter 0,578 Sekunden Rückstand auf Platz eins. Über die Distanz zeigte der Deutsche ein Tempo, das für den Rennsonntag gute Chancen auf weitere Punkte verspricht - für das Podium wird es aber wohl nicht reichen. Am Fahrzeug von di Resta (13./+ 1,037) gab es im zweiten Training ein Problem mit der Benzinzufuhr.

Bei McLaren geht es auch mit den neuesten Entwicklungen am MP4-28 nicht voran. "Ich bekomme die Reifen nicht auf Temperatur", war jene Aussage, die von Jenson Button (9./+ 0,604) häufig zu hören war. Am Fahrzeug des Briten gab es in der Schlussphase weitere Probleme. Ein defekter Sensor am Getriebe sorgte dafür, dass Button beim Hochschalten in den siebten Gang immer wieder im Leerlauf landete - auf der Top-Speed-Strecke Montreal nicht gerade hilfreich. Teamkollege Sergio Perez (12./+ 0,843) bleib unauffällig.

Hoffnung auf weitere WM-Punkte gibt es im Lager von Toro Rosso. Daniel Ricciardo platzierte sich am Freitag in 1:15.566 Minuten auf dem zehnten Rang. Der Longrun des Australiers war überzeugend, zudem hatte Ricciardo den mit Abstand besten Top-Speed des Tages (323 km/h). Auch Jean-Eric Vergne (15./+ 1,533) war über die Distanz gut unterwegs. Der Vorteil: wegen des guten Top-Speeds auf den Geraden dürften die beiden Youngster trotz zweier DRS-Zonen kaum zu überholen sein.

Williams und Sauber weiter im Tal

Bei den beiden "Sorgenkindern" Williams und Sauber ging es auch am Freitag in Montreal nicht recht voran. Valtteri Bottas und Pastor Maldonado fielen höchstens durch starke Verbremser auf. Die Sauber-Teamkollegen Nico Hülkenberg (18.) und Esteban Gutierrez (17.) litten unter Setup-Problemen. Der Schweizer Wagen setzte auf den harten Wellen auf der Gegengeraden immer wieder auf. Die Konsequenz: Das Anbremsen vor der "Wall of Champions" gestaltet sich äußerst knifflig.

Jules Bianchi, der am Morgen nur 45 Minuten Trainingszeit hatte, war wieder einmal schnellster Mann der kleinen Teams. Im Lager von Caterham klagten beide Piloten über Balanceprobleme. "Am Kurveneingang ist das Auto stabil, aber zur Mitte der Kurve lässt der Grip an der Vorderachse immer mehr nach", schildert Charles Pic. Teamkollege Giedo van der Garde erklärt: "Die Reifen hinten bauen schnell ab, außerdem kühlen sie auf den langen Geraden zu sehr aus."

Am Samstagvormittag (Ortszeit) bekommen die Piloten noch einmal 60 Minuten lang die Gelegenheit, sich auf Qualifying und Rennen vorzubereiten. In die Zeitenjagd am Nachmittag startet mindestens ein Pilot mit einer Strafe im Nacken. Romain Grosjean (Lotus) wird nach seiner Monaco-Harakiri-Fahrt um zehn Plätze versetzt. Aber es könnte kurzfristig auch noch einige andere Kollegen treffen. Nach Bestzeit unter Gelb im ersten Freien Training droht unter anderem Mark Webber (Red Bull) eine Strafe.

Fotoquelle: xpbimages.com

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