Sebastian Vettel ließ schon am Start die Konkurrenz deutlich hinter sich

Formel 1 2013

— 09.06.2013

Vettel erobert Montreal: Sieg vor Alonso

Red-Bull-Speerspitze Sebastian Vettel besiegt den Montreal-Fluch: Souveräner Erfolg vor Fernando Alonso (Ferrari) und Lewis Hamilton (Mercedes)



Sebastian Vettel hat seinen ersten Sieg in Montreal gefeiert. Nach mehreren erfolglosen Versuchen von der Pole-Position aus gelang dem Red-Bull-Star am heutigen Sonntag endlich ein Triumph auf der Ile Notre-Dame. Der Weltmeister zeigte eine souveräne Leistung, sein Erfolg geriet über 70 Runden niemals wirklich in Gefahr. Den Abstand auf die schnellsten Verfolger konnte Vettel jederzeit kontrollieren. Fernando Alonso (Ferrari) und Lewis Hamilton (Mercedes) bleiben nur die weiteren Podestränge.

Bei herrlich sonnigen Verhältnissen und deutlich höheren Temperaturen als an den Trainingstagen war gegen den Red Bull am Renntag kein Kraut gewachsen. Vettel konnte sowohl auf den Supersofts als auch auf den Medium-Reifen ein unglaubliches Tempo anschlagen. "Perfekt. Das Auto war grandios", jubelt der Champion. "Yes, endlich mal in Kanada", schrie der Rennsieger nach der Zieldurchfahrt in den Funk. Jetzt fehlen ihm nur noch Siege in Austin und Hockenheim.

"Der Start und die erste Runde waren der Knackpunkt. Da hat er zwei Sekunden auf Hamilton herausgefahren", analysiert 'Sky'-1-Experte Marc Surer. Der Heppenheimer brachte innerhalb kürzester Zeit dermaßen viel Boden zwischen sich und die Verfolger, sodass er keinerlei Angriffe mit Hilfe von DRS zu befürchten hatte. Fortan hatte Vettel freie Fahrt, er konnte seinen Vorsprung mit Leichtigkeit ausbauen. Immer mal wieder markierte Vettel neue schnellste Rennrunden - vielleicht um nicht einzuschlafen.

Vettel lässt niemandem eine Chance

Es gab zwischenzeitlich allerdings auch kurze Momente, wo sich der Sieger von der Schläfrigkeit der Montreal-Murmeltiere anstecken ließ. Im ersten Stint schrammte Vettel kurz an einer Mauer vorbei. Später rodelte er in der ersten Kurve geradeaus. "Da musste ich die Abkürzung nehmen. Ich habe aber entsprechend verlangsamt, um keinen Vorteil zu haben - alles okay", berichtet der WM-Leader gelassen nach dem Grand Prix.

"Sebastian war jenseits von Gut und Böse", lobt Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Seine eigenen Schützlinge hatten im Kampf um den Sieg keine Chance. Lewis Hamilton konnte sich im ersten Stint gut auf Rang zwei halten. Der Brite ging das starke Tempo von Mark Webber und Fernando Alonso mit, hatte aber am Ende keine Chance gegen den Spanier. Alonso, der sich mit guten Manövern gegen Nico Rosberg und Webber nach vorne geschoben hatte, war am Ende einfach zu schnell.

"Mein Auto war super, aber es war ein schwieriges Rennen. Es waren harte Kämpfe. Selbst wenn dein Auto ein wenig schneller ist, dann musst du an diesen richtig guten Leuten erst einmal vorbei", berichtet Alonso, der sich Rang zwei kurz vor dem Ende von Hamilton schnappen konnte. "Es war ein harter, aber fairer Kampf", meint der Mercedes-Pilot. "Ich hoffe, dass wir im nächsten Rennen schneller sein werden", fügt er enttäuscht an.

Mercedes im Rennen nicht schnell genug

Hamiltons Enttäuschung ist trotz des Podestplatzes groß. Kein Wunder, denn der Brite weiß, dass er unter normalen Umständen sogar nur Vierter geworden wäre. Mark Webber hatte das schnellere Auto, aber der Australier hatte auch Pech. Beim Überrunden von Giedo van der Garde rasierte ihm der Niederländer wichtige Teile des Red-Bull-Frontflügels ab. Webber lag zu jenem Zeitpunkt vor Alonso, konnte das Tempo des Spanier mitgehen. Nach der Berührung blieb ihm am Ende nur Rang vier.

Selbst mit defektem Luftleitwerk an der Front konnte Webber sich locker vor Monaco-Sieger Nico Rosberg halten. Der Mercedes-Pilot erwischte keinen guten Tag. Rosberg konnte das Tempo der Spitze nie mitgehen, außerdem ruinierte er sich bei einem wilden Verbremser einen Reifensatz und musste einen zusätzlichen Stopp einlegen. "Nico ist unter die Räder gekommen. Er hat nochmal die Options bekommen. Das war sicherlich nicht richtig", kritisiert Wolff die nicht optimale Taktik beim Weltmeistersohn. Platz fünf war Schadensbegrenzung - mehr nicht.

Die optimale Taktik im Rennen hatten andere: Jean-Eric Vergne (Toro Rosso) beispielsweise, der als Sechster nach fehlerfreier Fahrt sein bestes Formel-1-Ergebnis bejubeln durfte. "Einfach brilliant", lautete das Lob vom Team an Vergne. Noch besser lief es taktisch bei Paul di Resta (Force India). Der Schotte riskierte als einer der ganz wenigen Piloten einen Start auf den Medium-Reifen. Nur bei ihm zahlte sich diese Taktik aus. Di Resta absolvierte sagenhafte 57 Runden auf diesem Reifensatz, fuhr dabei ein erstaunlich hohes Tempo.

Sutil versteht die FIA-Welt nicht mehr

Den guten siebten Rang des Schotten hätte ursprünglich sein Teamkollege Adrian Sutil einnehmen sollen, doch der Gräfelfinger hatte wieder einmal nicht das nötige Glück. Bei einem Überholversuch in der sechsten Runde drehte sich der Deutsche und verlor dabei drei Ränge, später knallte ihm Pastor Maldonado (16./Williams) ins Heck und zu allem Übel kam dann auch noch eine Durchfahrtsstrafe. Sutil hatte ab Kurve drei blaue Flaggen gesehen als sich von hinten die Kampfhähne Hamilton und Alonso näherten. Er ließ die beiden erst in Kurve zwölf vorbei - zu spät.

"Das kapiere ich überhaupt nicht", so Sutil nach dem Rennen. "Die Nachzügler können jeden aufhalten, aber ich bekomme eine Durchfahrtsstrafe. Ich verstehe die FIA nicht." Immerhin kam der Deutsche noch mit einem blauen Auge davon. Er fiel zwar einige Ränge zurück, konnte als Zehnter aber immerhin einen Zähler sichern und somit ein gutes Rennwochenende für Force India abrunden. Das Team von Vijay Mallya feierte in Montreal seinen 100. Grand-Prix-Start.

Eine starke Aufholjagd konnte Felipe Massa (8./Ferrari) zeigen. Der Brasilianer, der von Startplatz 16 ins Rennen gegangen war, zeigte phasenweise starkes Tempo. Allerdings blieb Massa immer wieder im Verkehr hängen und konnte so die Vorteile seines Ferrari nicht immer ausspielen. Immerhin besiegte er Kimi Räikkönen (9./Lotus), der am Rennsonntag in Kanada erstaunlich blass blieb. "Guter Job von dir, kein so guter von uns", so die Bilanz des Lotus-Teams im Funk nach der Zieldurchfahrt.

Bei höheren Temperaturen auf dem Circuit Gilles Villeneuve hatten sich viele Kimi-Fans vor dem Rennen die Hände gerieben. Der E21, der die Reifen im Normalfall sanft behandelt und somit weniger Stopps zulässt, sollte seine Stärken im Rennen aufzeigen. Räikkönen kam tatsächlich mit nur einem Reifenwechsel aus, aber er war niemals schnell genug für einen möglichen Podestrang. Der Finne stellte immerhin den Schumacher-Rekord ein: 24 Rennen in Folge in den Punkten. Ein schwacher Trost, denn in der WM-Wertung büßte er wertvollen Boden ein.

McLaren erstmals seit 2009 mit Nullnummer

Eine andere Serie riss hingegen am Rennsonntag in Montreal: Erstmals seit nunmehr 64 Rennen in Serie konnte McLaren keinen einzigen Punkt holen. Die letzte Nullnummer hatte man 2009 in Abu Dhabi verzeichnet. Sergio Perez kam mit zwei Stopps auf Rang elf, Jenson Button fuhr mit nur einem Stopp auf Platz zwölf. "Ich bin nicht sicher, ob die Taktik richtig war", so der Ex-Champion, "aber zu allererst müssen wir an unserem Speed arbeiten. Heute waren wir extrem langsam."

Enttäuschung über null Punkte gibt es auch im Lager von Williams und Sauber. Der am Samstag sensationell starke Valtteri Bottas (14.) war im Rennen chancenlos. Von Startplatz drei ging es gleich in der ersten Runde zwei Ränge zurück, anschließend musste der Finne immer mehr Konkurrenten ziehen lassen. Williams hatte viel Abtrieb gewählt, also wohl auf Regen gesetzt. Bei Sauber stellte Nico Hülkenberg seinen Wagen nach einem Kontakt mit Giedo van der Garde nach 48 Runden ab, Teamkollege Esteban Gutierrez versenkte sein Auto 16 Runden später in den Reifenstapeln.

In der Gesamtwertung hat Sebastian Vettel nach seinem dritten Saisonsieg nun 132 Punkte. Der Vorsprung auf Fernando Alonso (96) beträgt 36 Zähler, Kimi Räikkönen (88) folgt auf Rang drei. In der Konstrukteurs-Meisterschaft baute Red Bull (201 Punkte) den Vorsprung gegenüber Ferrari (145) erheblich aus. "Wir machen noch etwas Party. Einige von uns schauen sich heute Abend noch die Rolling Stones an", kündigt Red-Bull-Teamchef Christian Horner an. Das nächste Rennen findet in drei Wochen in Silverstone (Großbritannien) statt.

Fotoquelle: xpbimages.com

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