Sebastian Vettel durfte in Montreal erstmals als Sieger Champagner spritzen

Formel 1 2013

— 10.06.2013

Vettels größte Sorge: "Bloß nicht zu langsam fahren"

Der Red-Bull-Star kontrollierte den Grand Prix nach Belieben, war aber dennoch um ein komfortables Polster bemüht und übertrieb es dabei zweimal



Gegen Sebastian Vettel war am Sonntag beim Großen Preis von Kanada einfach kein Kraut gewachsen. Der Heppenheimer dominierte das Rennen in Montreal von der Pole-Position aus nach Belieben und beeindruckte damit nicht nur Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko: "Es war eine super Leistung, Sebastian in Topform", schwärmt der Grazer. In der FIA-PK erklärt Vettel, wieso er trotzdem über weite Strecken das Limit suchte und was im seine nordamerikanische Siegpremiere bedeutet.

Frage: "Sebastian, ein Sieg wie aus dem Lehrbuch. Es schien ganz einfach zu sein."
Vettel: "So schlecht war es nicht für uns, denke ich - ein großartiges Rennen. Ich hatte einen sehr guten Start, was wichtig war. Dann war ich in der Lage, das Auto so richtig auszuquetschen. Obwohl wir bemerkt haben, dass die supersoften Reifen schnell in die Brüche gehen, schienen wir mit ihnen genauso gut umgegangenen zu sein wie alle anderen auch. Ich war in der Lage, einen Vorsprung herauszufahren und habe den praktisch das ganze Rennen über gehalten. Wir können uns nicht beschweren. Es mach unheimlich Spaß, wenn man ein Auto hat, dass man jede Runde weiter peitschen kann."

"Teilweise hatten wir einen ganzen Pitstopp als Polster. So ist es etwas einfacher, das Rennen zu kontrollieren, die Abstände zu halten und so weiter. Jeder im Team hat einen großartigen Job abgeliefert. Ich hatte perfekt Boxenstopps, obwohl wir uns etwas hätten erlauben können. Hier in Nordamerika ist es für Infiniti ein großes Rennen. Alles in allem ist der Sieg sehr wichtig für uns, denn jetzt können wir das von der Liste streichen und darauf sind wir stolz. Die Sonne kam heraus, es hätte nicht besser laufen können. Vor diesem Publikum..."

Fehler ausgebügelt

Frage: "Du oder Red Bull, ihr habt hier noch nie gewonnen. Was bedeutet es, dass diese Last von euren Schultern fällt?"
Vettel: "Natürlich hatten wir hier schon zuvor gute Rennen, aber für einen Sieg hat nicht alles gepasst. Vor zwei Jahren war es sehr knapp. Ich gab es in der letzten Runde aus der Hand, es war mein Fehler. Heute habe ich den wiedergutgemacht. Es fühlt sich großartig an. Das Auto war großartig vorbereitet von unserem Team und ich konnte wegziehen, was wichtig war, um das Rennen zu kontrollieren. Ich konnte jede einzelne Runde genießen. Schwierig war es nur teilweise wegen des Verkehrs."

Frage: "Nach der Zieldurchfahrt klangst du sehr glücklich, endlich in Montreal gewonnen zu haben. War das für dich und das Team wichtig?"
Vettel: "Es war uns wichtig, aber nicht, weil... Ich war nicht total versessen darauf, hier zu gewinnen. Wir hatten starke Resultate in der Vergangenheit und ich habe mich nicht dafür geschämt, das Rennen nie gewonnen zu haben. Ich war nicht besessen, als ich in der Frühe aufgestanden bin und dacht mir nicht: 'Du musst siegen, du musst siegen!' Aber ich bin glücklich, weil es so ein schöner Grand Prix ist. Lewis (Hamilton, Anm. d. Red.) hatte das Privileg, hier dreimal zu gewinnen. Die ganze Stadt genießt die Formel 1."

"Es kommen viele Zuschauer, am Sonntag gab es Sonnenschein. Am Samstag war das Wetter noch schlecht, trotzdem sind viele Fans gekommen. Für mich gehört dieses Rennen einfach in den Kalender, weil alle Fahrer es genießen, komplett ausverkaufte Tribünen, viele enthusiastische Leute und eine Stadt, die den Grand Prix lebt, zu sehen. Ich denke, in Melbourne ist es das Gleiche. Das ist ja auch keine permanente Rennstrecke, sondern liegt mitten in der Stadt. Wir genießen das. Deswegen sind wir glücklich und heute ganz besonders."

Erste Priorität: Lücke reißen

Frage: "Du hast einmal die Mauer gestreift und bist einmal von der Strecke abgekommen. Was ist das passiert?"
Vettel: "Natürlich habe ich am Anfang extrem viel Druck gemacht, um wegzukommen und eine Lücke zu reißen. Es ist eben Kanada, hier fährt an manchen Stellen man nahe an die Mauern. Manchmal etwas näher, als ich wollte, aber glücklicherweise bin ich nicht reingekracht. Ich glaube, ich war nicht an der Mauer dran. Ich habe wirklich nur versucht, den Abstand so groß wie möglich zu machen. Meinem Gefühl nach hatte ich am Anfang des Rennens ein höheres Tempo."

"Es ist schwierig, vorherzusehen, wie weit wir mit einem Reifensatz kommen was später noch passiert, wenn die Reifen mitgenommen sind. Wir waren uns nicht sicher, ob wir einen oder zwei Stopps machen würden. Das waren alles Dinge, die wir nicht wussten und dabei ist es immer wichtig, ein Zeitpolster auf seiner Seite zu wissen. Deshalb habe ich am Anfang so viel Druck gemacht. Nach dem ersten Stint war sofort klar, dass wir einen beruhigen Abstand haben und die Sache kontrollieren. Ich wollte aber nicht in einen zu langsamen Rhythmus verfallen und nachlässig werden."

"Schwierig war es nur im Verkehr und so weiter, aber das Auto war toll und es bleib immer genügend Spielraum, um zu reagieren. Am Ende bin ich in Kurve eins geradeaus gefahren. Ich hätte das Auto abfangen können, aber ich wollte keinen Dreher riskieren. Also habe ich mich dazu entschieden, die Kurve abzukürzen und abzubremsen. Da gab es wieder Verkehr mit einem der Hinterbänkler, den ich habe ziehen lassen, um auf ganz sicherem Wege auf die Strecke zurückzukehren, was eine Menge Zeit gekostet hat. Aber ich war in der ersten Kurve zu schnell und zu spät auf der Bremse. Glücklicherweise stand da keine Mauer. Da bin ich nicht stolz drauf, aber so etwas kann passieren."

Reifenkritik nur aufgrund von Sicherheitsbedenken

Frage: "Du hast drei von sieben Rennen gewonnen, du führst die WM bei den Fahrern an, Red Bull bei den Konstrukteuren. Trotzdem habt ihr euch lauthals über die Reifen beschwert. Hast du deine Meinung jetzt geändert?"
Vettel: "Das ist doch ganz einfach. Ich habe mich nicht auf Grundlage der Leistung beschwert. Es ging um Sicherheit. Fragt man andere Fahrer - auch wenn sie in der Presse nicht so stark vertreten waren oder vielleicht sogar einen Vorteil durch diesen Reifen haben - bin ich mir da sicher. Es gab Fälle, in denen der Reifen aufgeblättert ist und die oberste Schicht aus unbekannten Gründen bröckelte. Wahrscheinlich Trümmerteile, aber die wird es auf der Strecke immer wieder geben."

"Es ist nicht möglich, überall eine komplett saubere Strecke zu haben und ich halte das für das entscheidende Kriterium. Jedes Mal, wenn ich mich über die Balance, die Reifen oder ihr Fahrverhalten beschwerte, habe ich auch gesagt, dass andere ihren Job besser gemacht haben. Es ging in erster Linie darum, ihr Niveau zu erreichen, damit wir uns über die Leistung beschweren durften. Aber immer wenn man etwas sagt, dann ist es Mode geworden, das rauszunehmen, was einem gefällt, anstatt die komplette Antwort zu veröffentlichen."

Karten werden in Silverstone neu gemischt

Frage: "Wie wichtig ist der Sieg heute, wenn du sieben Punkte in der Gesamtwertung auf Fernando Alonso gutmachst?"
Vettel: "Mir geht es um den Sieg heute. Natürlich muss man kein Genie sein, um zu wissen, dass man für ein solches Resultat mehr Punkte bekommt als alle anderen. Aber die Meisterschaft ist lang und ich war doch im vergangenen Jahr in einer anderen Ausgangslage. Damals musste ich zum Jahresende eine Menge aufholen. Ich hatte starke Rennen, Fernando etwas Pech und ich konnte ihn schlagen."

"So kamen wir zurück. Aber das war zehn Grands Prix weiter, als wir derzeit sind. Es kann viel passieren in dieser Phase. Ich freue mich darüber, in der Startaufstellung zu stehen und mich auf das Rennen zu konzentrieren und zu versuchen, zu gewinnen. Den Rest sehen wir dann, ob wir in guter Position sind. Es gib genug Leute, die uns daran erinnern, wenn wir es nicht sind."

Frage: "Was erwartest du in Silverstone? Wo steht ihr?"
Vettel: "Das ist schwierig vorherzusagen. Das ganze Jahr war ein Auf und Ab. Das Wochenende in Kanada ein gutes für uns - nicht nur wegen des Ergebnisses, sondern auch in Zahlen und wegen des Reifenverschleißes. Das war zuletzt nicht immer der Fall. Wir haben Fortschritte gemacht, aber in Silverstone sind die Bedingungen andere, die Reifen auch. Die Streckenoberfläche unterscheidet sich. Es ist alles neu. Unser Team ist in Milton Keynes beheimatet und es ist toll, dort die Leute aus der Fabrik zu treffen. Diese Chance gibt es nicht immer, weil sie sonst zu viel zu tun haben. Die Strecke ist auch toll. Ich würde meinen Namen gerne nochmals auf den Pokal setzen."

Fotoquelle: xpbimages.com

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