Ron Dennis weiß um die verschiedenen Interessengruppen in der Formel 1

Formel 1 2013

— 20.06.2013

Dennis: Dominanz ist schlecht fürs Geschäft

Der ehemalige McLaren-Teamchef Ron Dennis erinnert sich an einen skurrilen Anruf des eigenen Sponsors, nach dem er doch aufhören solle zu gewinnen



Sebastian Vettel dominierte das Rennen in Montreal am vorletzten Wochenende nach Belieben: Nur vier andere Autos überrundete der Weltmeister nicht. Seine Triumphfahrt auf der Ile Notre-Dame erinnerte viele an die Saison seiner zweiten Weltmeisterschaft, 2011, in der Vettel die Konkurrenz mit seinem überlegenen Red Bull in Grund und Boden fuhr.

Zwar ist sein Bolide während der aktuellen Saison im Verhältnis zu seinen Gegnern lang nicht so stark wie damals, trotzdem marschiert Vettel in Richtung Titel Nummer vier in Folge. Eine langfristige Dominanz des Deutschen und seines Red-Bull-Teams seit vier Jahren ist nicht von der Hand zu weisen, auch wenn es 2013 mit Kimi Räikkönen, Fernando Alonso, Nico Rosberg und ihm bereits vier verschiedene Sieger in sieben Rennen gab.

Ron Dennis, ehemaliger Teamchef von McLaren, hat am eigenen Leib erfahren, dass eine solche Dominanz nicht nur sportliche Folgen nach sich zieht. 1998 dominierte das englische Team mit Mika Häkkinen und David Coulthard die Konkurrenz, holte neun von 16 möglichen Siegen und damit beide WM-Titel. "Wir erhielten einen Anruf vom TV-Verantwortlichen unseres Hauptsponsors, der sagte, er denke nicht, dass es gut für den Sport sei, wenn wir weiter alle Rennen gewinnen", erinnert sich Dennis im Rahmen des 'Cannes Lions Festival of Creativity' gegenüber 'The Guardian' an das kuriose Gespräch.

"Zuerst dachte ich, er würde Witze machen, wenn er sich beschwert, dass wir alle Rennen gewinnen. Dann merkte ich aber, dass er das ernst meinte. Ich sagte ihm dann die richtigen Dinge und ging sicher, dass wir auch noch die anderen Rennen gewinnen würden", so Dennis mit einem süffisanten Lächeln auf den Lippen. "Eine wirklich merkwürdige Sache in der Formel 1", findet der Brite.

Der Grund für den skurrilen Anruf waren die verschiedenen Interessengruppen in der Formel 1, weiß Dennis: "Die TV-Kameras fokussieren sich auf echte Zweikämpfe und auch darauf, wer dann Zweiter wird. Wenn ein Auto dann so dominant ist und so schnell in Führung geht, kümmert der Fahrer sich nicht weiter um die TV-Kameras", kann der Ex-McLaren-Teamchef nachvollziehen. Im Sinne der Fernsehstationen und Sponsoren dürfte eine anhaltende Vettel-Dominanz in den kommenden Rennen demnach nicht sein.

Fotoquelle: xpbimages.com

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