Luca Marmorini ist der Motoren-"Papst" von Ferrari

Formel 1 2013

— 02.07.2013

Neue Motoren: Kühlung wird entscheidend sein

Ferrari-Motorenchef Luca Marmorini gibt einen Einblick in die Entwicklung der 2014er-Motoren - Wurde bei der Effizienz zu viel des guten getan?



In den Entwicklungsabteilungen der drei in der Formel 1 engagierten Motorenhersteller gehen derzeit die Lichter kaum aus. Die Entwicklung der neuen Aggregate, die ab der Saison 2014 eingesetzt werden, läuft auf Hochtouren. Die bisherigen 2,4-Liter-V8-Saugmotoren werden im kommenden Jahr von 1,6-Liter-V6-Turbomotoren abgelöst. Dadurch mussten die Hersteller beim Entwurf der neuen Antriebe von Null anfangen und hatten dabei einige Hürden zu nehmen, wie Luca Marmorini, Chef der Motorenabteilung von Ferrari erklärt.

"Es gibt keinen einzelnen Aspekt an diesem neuen Projekt, der kritischer ist als eine anderer. Es ist in allen Bereichen schwierig", sagt der Italiener. "Der Turbolader ist beispielsweise ein völlig neuer Typ, der 25.000 Umdrehungen pro Minute macht. Auch die komplexe Elektronik und die Steuerungs-Systeme sind ein großer Fortschritt, durch den das Motoren-Management zu einer schwierigen Herausforderung wird", so Marmorini.

Während die aktuellen Motoren nahezu ausentwickelt und dementsprechend zuverlässig sind, erwartet Marmorini im kommenden Jahr größere Probleme mit der Standfestigkeit - zumindest am Anfang: "Wir mussten den Antriebsstrang in kurzer Zeit entwickeln, wodurch die Zuverlässigkeit ein entscheidender Faktor bei den Renen in der frühen Phase der Saison sein kann." Der Ferrari-Mann liefert ein Beispiel. "In den meisten Fällen wird der Turbo mittig im hinteren Teil des Motors und somit nahe bei der Elektronik angebracht werden. Die Temperaturen können 1.000 Grad Celsius erreichen."

"Die Temperaturen in den Griff zu bekommen, wird eines unserer Hauptarbeitsgebiete sein", so Marmorini. Auch die höhere Laufleistung der Motoren stellt die Ferrari-Ingenieure vor eine Herausforderung. "Wir sprechen immerhin von einer Laufleistung von 5.000 Kilometern. Das ist fast doppelt so viel wie in diesem Jahr", erklärt Marmorini. Die Befürchtung, dass die Formel-1-Autos durch die neuen Motoren deutlich langsamer werden könnten, teilt der Italiener nicht.

"Die Motorleistung wird ähnlich hoch wie heute sein. Ein aktueller Formel-1-Motor leistet etwa 750 PS, hinzu kommen 80 PS durch das KERS. Im kommenden Jahr wird der Motor zwischen 600 und 650 PS leisten, dazu kommen 160 PS durch das ERS. Wenn man diese Zahlen addiert, kommen man auf ähnliche Werte", erklärt Marmorini. Im Gegensatz zu den heutigen Motoren verfügen die nächstjährigen Aggregate über zwei Energierückgewinnungssysteme (dann nur noch ERS genannt), die sowohl die kinetische als auch die thermische Energie des Motors umwandeln.

Kritisch sieht Marmorini jedoch die neuen Effizienzregeln, nach denen die Motoren im Rennen maximal 100 Kilogramm Benzin verbrauchen dürfen: "Aus Sicht von Ferrari könnte das eine Gefahr sein. Wie möchten, dass die Formel 1 effizient ist, aber wir wollen nicht, dass sie ein Sport wird, wo 50 Prozent der Runde nur herumgerollt wird."

Die Entwicklung des 2014er-Motors ist bei Ferrari schon weit fortgeschritten. "Gegen Ende des vergangenen Jahres ist der erste Prototyp auf dem Prüfstand gelaufen. Derzeit arbeiten wir an dem Motor, der tatsächlich im Auto laufen wird", sagt Marmorini. Bis zum ersten Rennen im März fertig zu werden, sei eine Herausforderung, der Italiener ist aber zuversichtlich, dass Ferrari diese meistern werde. "Aber erst beim ersten Rennen im nächsten Jahr können wir sicher sein, dass wir gute Arbeit geleistet haben."

Fotoquelle: xpbimages.com

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