Momentan keine Liebesbeziehung: Pirelli und die Formel 1

Formel 1 2013

— 04.07.2013

Alonso möchte keinen Boykott: "Wir müssen fahren"

Bernie Ecclestone befürchtet keinen Boykott des Grand Prix von Deutschland, doch auch nach der Krisensitzung im Dorint-Hotel bleibt ein Rest Verunsicherung



Nach den besorgniserregenden Reifenplatzern beim Grand Prix in Silverstone am vergangenen Wochenende hatten einige Fahrer, allen voran Felipe Massa und Lewis Hamilton, extrem verärgerte Töne angeschlagen. Massa deutete sogar an, dass ein Boykott der Fahrer nicht ausgeschlossen sei, sofern es Pirelli und den anderen Verantwortlichen nicht gelingen sollte, die Sicherheit zu gewährleisten.

Aber: "Ich glaube nicht, dass das passieren wird", winkt Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone ab. Und auch Ex-Weltmeister Fernando Alonso hält fest: "Wir müssen fahren. Für unser Team, für unsere Sponsoren, für die Fans." Dabei war es gerade der Ferrari-Pilot, der in Silverstone Riesenglück hatte, als vor seiner Nase der linke Hinterreifen von Sergio Perez platzte. "Fernando muss froh sein, dass er nach Silverstone unverletzt nach Hause gekommen ist", sagt Red-Bull-Teamchef Christian Horner.

Alonso selbst ist das Risiko bewusst und räumt auch ein, dass es "unmöglich" wäre, ein Rennen zu fahren, sollte sich auf dem Nürburgring eine Wiederholung des Silverstone-Fiaskos auch nur andeuten: "Wir haben Dinge erlebt, die wir nie wieder erleben wollen. Es hätte ja auch viel schlimmer ausgehen können - Streckenposten, Fans oder ein Fahrer hätten sterben können", zeigt er sich besorgt.

Vettel hat beim Fahren keine Angst

Sebastian Vettel sieht die Problematik etwas gelassener: "Wir sind da draußen auf der Strecke sehr schnell unterwegs, wir suchen nach den Grenzen, dessen muss sich jeder bewusst sein", sagt er der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung'. "Aber ich fahre nicht in die Kurve und denke: Hält der Reifen oder nicht? Wir müssen davon ausgehen können, dass es damit keine Probleme gibt. In Silverstone gab es Probleme, aber ich weiß nicht genau, was wirklich die Ursache war."

"Eines ist klar: Für unsere Sicherheit muss immer gesorgt sein. Darauf habe ich in Bezug auf die Reifen schon vor Wochen hingewiesen", meint der amtierende Weltmeister. Aber Charlie Whiting, Technischer Delegierter der FIA, geht davon aus, dass das Rennwochenende am Nürburgring reibungslos ablaufen wird: "Die Daten, die wir und Pirelli haben, lassen uns glauben, dass wir hier in Deutschland keine Wiederholung von Silverstone erleben werden", sagt er gegenüber 'O Estado de S. Paulo'.

Zustimmendes Nicken bei Nico Hülkenberg: "Ich habe vor diesem Wochenende kein schlechtes Gefühl mehr", so der Sauber-Pilot nach einer Krisensetzung im Dorint-Hotel am Nürburgring, bei dem Pirelli, die FIA und alle Teams vertreten waren. "Pirelli hat den Gürtel für dieses Wochenende geändert, sodass es sicherer sein sollte. Da sind sie sich ziemlich sicher. Danach erwarten wir einen weiteren Schritt für Ungarn, wo neue Reifen kommen, die dann supersicher sein werden."

Gegen die Änderung, die Hinterreifen mit einem Kevlar- anstelle eines Stahlgürtels zu versehen, hatten sich einige Teams, darunter zum Beispiel Force India, eine Zeit lang gewehrt. Auch Lotus hatte keine Freude damit, die Reifen während der Saison zu ändern und damit möglicherweise einen Wettbewerbsvorteil zu verlieren. Aber seit Silverstone ist all das kein Thema mehr. Wenn es um die Sicherheit geht, rücken selbst die Formel-1-Teams zusammen.

Lotus akzeptiert im Sinne der Sicherheit

"Hier wird nur der Kevlargürtel eingeführt", sagt Lotus-Chefingenieur Alan Permane. "Ich glaube nicht, dass uns das vor irgendwelche Probleme stellen wird, und wenn es die Sicherheit verbessert, ist es eine gute Sache. Wenn es um die Performance geht, denkt jeder nur an sich, aber wenn es um die Sicherheit geht, ist es etwas ganz anderes." Deswegen haben der aktuellen Änderung neben Force India auch die bisherigen Änderungsverweigerer Lotus und Ferrari zugestimmt.

Groß auf das Kräfteverhältnis auswirken werden sich die veränderten Reifen offenbar ohnehin nicht: "Ich glaube nicht, dass das erhebliche Auswirkungen haben wird", betont Whiting und unterstreicht, dass nun endlich alle elf Teams an Bord sind: "Es gab keine Beschwerden." Die hätten die Teams beim Treffen im Dorint-Hotel äußern können, aber dazu ist es im Interesse der Sicherheit anscheinend nicht mehr gekommen.

Marc Surer sieht die Schuld an dem ganzen Fiasko indes bei Pirelli: "Pirelli wollte schon in Kanada die Reifen stabiler machen - aus Imagegründen, wie sie selbst gesagt haben. Das war ein Fehler, denn die FIA hat das abgelehnt", analysiert der Formel-1-Experte. "Hätten sie Sicherheitsbedenken als Begründung angegeben, dann hätte die FIA zustimmen müssen. Pirelli hat den Fehler gemacht, dass sie nicht konsequent gesagt haben: 'Wir haben ein Sicherheitsrisiko.' Aber jetzt haben wir eines."

Fotoquelle: xpbimages.com

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