Lewis Hamilton kämpfte mit stumpfen Waffen gegen die Konkurrenz

Formel 1 2013

— 07.07.2013

Mercedes: Große Probleme mit den Reifen

Das Mercedes-Duo Lewis Hamilton und Nico Rosberg müht sich auf dem Nürburgring mit den Reifen - Wie schwer wiegt der Ausschluss vom Silverstone-Test?



Das Mercedes-Werksteam hatte große Hoffnungen für das wichtige Heimrennen auf dem Nürburgring. Bei strahlendem Sonnenschein traf in der Eifel Tradition auf Moderne. Die aktuellen Silberpfeile präsentierten sich in den Trainings stark und Lewis Hamilton eroberte die prestigeträchtige Pole-Position. Wenige Meter nach dem Start war der Traum vom Heimsieg bereits vorbei. "Ich hatte einen schlechten Start und bin nicht so gut wie sie (Red Bull; Anm. d. Red.) von der Linie weggekommen", blickt der Brite auf die Startphase.

"Sie scheinen sehr gute Starts hinzubekommen. Vielleicht war meiner auch schlecht. Sie nahmen mich ins Sandwich und es war kein Platz mehr für mich." Von da an ging es rückwärts. Hamilton fiel beinahe aus den Top 10 heraus und kämpfte sich mit einem Schlusssprint in den letzten Runden auf der weicheren Reifenmischung noch auf Platz fünf. Unter anderem zeigte der Weltmeister von 2008 sehenswerte Rad-an-Rad-Duelle gegen Fernando Alonso (Ferrari) und Jenson Button (McLaren). Trotzdem war das Rennergebnis für Mercedes ernüchternd.

Auch bei Rosberg ging nicht viel: "Es war ein schwieriger Tag heute. Es war nicht schön zu fahren. Wir waren von Anfang an nicht schnell genug. Das erinnert mich sehr an die letzten Monate, wo wir im Rennen einfach langsam waren. Heute hatte ich ein ähnliches Gefühl. Das hat sicher mit dem Reifenwechsel zu tun. Damit kommen andere Teams wie Lotus besser zurecht - und wir weniger", sagt der Silverstone-Sieger nach seinem neunten Platz.

Das Fazit fällt ernüchternd aus. "Positiv ist nur, dass wir Punkte geholt haben. Beim letzten Rennen hatten wir die Chance, den Rückstand auf Sebastian (Vettel; Anm. d. Red.) zu verkürzen", meint Hamilton. "Dann hatte ich den Reifenschaden, aber zumindest habe ich Punkte geholt. Heute hatte ich wieder eine Chance, aber er war viel zu schnell für mich. Wir haben wieder Boden verloren. Ich hoffe, dass wir beim nächsten Rennen eine bessere Chance haben."

Im Rennverlauf meldete sich Hamilton über Funk, dass seine Reifen ganz anders zu sein scheinen, als jene der Konkurrenz. Es waren natürlich die gleichen Reifen, aber in den Hinterreifen hatte Pirelli für den Nürburgring einen Kevlar-Gürtel verbaut. "Ich kann nicht viel Gutes über diese Reifen sagen", nimmt sich der Brite zusammen. "Ich verstehe nicht, warum wir damit so große Mühe haben. Es ist schade, aber so ist der Motorsport. Das Team arbeitet sehr gut und wir haben ein sehr gutes Auto, aber es funktioniert auf diesen Reifen nicht."

Heiße Temperaturen sorgen für Probleme

Auch Rosberg macht die Reifen als entscheidenden Schwachpunkt aus. "Unser Auto frisst nicht unbedingt Reifen. Heute war Überhitzung das Problem." Und in den Trainings trat das Problem nicht auf? "Nein, überhaupt nicht. Das war auch am Freitag und Samstag nicht der Fall. Heute war es aber um 14 Grad wärmer und vielleicht hat das wieder unsere Schwächen hervorgehoben und wir rutschen nur herum."

Experte Marc Surer hat die entscheidenden Faktoren für die Reifenprobleme bei Mercedes am Renntag ausgemacht: "Ich glaube, dass ihnen das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht hat. In Silverstone war es kühl, während es hier am Nürburgring extrem heiß war. Außerdem waren die Reifen auch weicher. Somit hat das alles eine Rolle gespielt. Im nächsten Rennen kann es wieder anders aussehen."

Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff rätselt über die einbrechende Rennperformance: "Ein Auto, das vor einer Woche gewonnen hat, war plötzlich nirgends", wundert sich der Österreicher bei 'Sky'. "In der ersten Rennhälfte war unsere Pace total schlecht. Beide Fahrer haben sich über mangelnden Grip beklagt. Auf dem weichen Reifen ging es einigermaßen, aber auf dem harten war es schwierig. Wir müssen jetzt analysieren, warum dieses Auto nicht mehr so fährt wie vor sieben Tagen."

Woff rätselt über die Reifen

"Es war sehr schwierig, ähnlich wie in Bahrain. In der ersten Rennhälfte war es mit vollem Tank sehr schwierig, wir hatten große Mühe. Später konnten wir wieder etwas aufholen. Wir müssen das jetzt alles analysieren." Mercedes hatte bei dem vieldiskutierten Test in Barcelona die Hinterreifen mit Kevlar-Gürtel ausprobiert. Allerdings wussten sie nicht, welche Reifen aus dem Testkontingent von Pirelli diese Reifen waren. Von einem Vorteil wurde gesprochen, der sich dann aber nicht eingestellt hat.

"Die Leute haben zuletzt gesagt, wir hätten durch diese Tests einen Vorteil. Das kann aber irgendwie nicht so richtig stimmen, weil es ja jetzt nach dem Test ist", hält Hamilton fest. Es hatte sich vor dem Rennen auch nicht angedeutet, dass die Probleme so groß sind: "Wir hatten einen Longrun, der nicht gut war", setzt Wolff fort. "Wir hatten gedacht, dass wir die Sache wieder in den Griff bekommen haben. Die Temperaturen sind sehr kritisch. Wenn es um fünf, sechs Grad wärmer wird, fehlt uns Performance. Es ist trotzdem skurril, dass man innerhalb von einer Woche ein vermeintliches Siegerauto mit einem anderen Reifen zu einem Platz-5-Auto macht."

Beim Tempo über eine Runde ist der W04 sehr gut. Bekanntlich ist es einfacher ein schnelles Auto besser zu machen, als ein langsames Auto schnell. Das sieht auch Wolff so: "Ich glaube es ist eine Kombination von Strecken- und Außentemperatur. Ich weiß es aber nicht genau. Es ist wichtig, dass das Auto eine vernünftige Pace hat. Das macht es einfacher als umgekehrt. Es ist trotzdem nicht einfach, wenn das Auto so zurückfällt. Es ist ein wenig wie Licht und Schatten. Wir hatten zuletzt ein sehr gutes Rennen und jetzt ein schlechtes. Wir müssen hart weiterarbeiten."

Kein Silverstone-Test: Wie groß ist der Nachteil?

Die große Frage ist, wie es jetzt weitergeht: Ab Ungarn bringt Pirelli neue Reifen mit der Konstruktion von 2012. Eingearbeitet sind die Mischungen von 2013. Für die Teams sind diese Reifen komplettes Neuland. Beim Young-Driver-Test in Silverstone dürfen die Teams damit testen, allerdings ist Mercedes durch die Strafe des FIA-Tribunals von diesem Test ausgeschlossen. "Jetzt ist es wahrscheinlich eine noch größere Strafe geworden, den Umständen entsprechend", merkt Rosberg an.

Sein Teamkollege Hamilton weiß nicht, was Mercedes in Ungarn erwarten wird: "Wir können nur beten, dass die neuen Reifen bei unserem Auto funktionieren." Experte Surer sieht die Sache nüchtern: "Das haben sie sich selbst eingebrockt. Sie haben diesen halblegalen Test gemacht. Plötzlich wird der Test doch zu einem richtigen Testtag. Die Strafe gab es aufgrund des Barcelona-Tests, das muss man akzeptieren."

Mercedes ist aber nur vom Young-Driver-Test ausgeschlossen. Da dieser Test zu einem Reifentest umfunktioniert wurde, darf Mercedes dann dennoch teilnehmen? "Man kann ja nicht das eigene Urteil über den Haufen werfen", sagt Surer klar. "Das Urteil haben alle als zu mild empfunden, aber es ist wahrscheinlich eine richtige Strafe jetzt, vor allem nach diesem Rennen, wo so ein Test nötig wäre." Das muss auch Wolff zur Kenntnis nehmen.

Im Gespräch mit 'Sky' kommentiert er die Nichtteilnahme beim Test folgendermaßen: "Die Sache ist noch nicht zu Ende besprochen. Man weiß noch nicht genau, wie die FIA den Reifentest genau strukturieren will, ob es drei Rookie-Tage werden, oder ob es ein Reifentesttag gibt. Es ist nicht gut für uns, aber das müssen wir hinnehmen." Mercedes wird in dieser Sache aber nicht aktiv werden, wie der Österreicher bestätigt: "Das entscheiden nicht wir, sondern die FIA. Die FIA wird entscheiden, wie dieser Test stattfinden wird. Ich glaube, es geht um die Sicherheit. Soweit sind wir aber noch nicht." In den kommenden Wochen muss Mercedes weiterarbeiten.

Fotoquelle: xpbimages.com

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