Das Honda-Engagement der Nuller-Jahre endete 2008 in einem Feuerball

Formel 1 2013

— 23.07.2013

Honda gibt zu: Eigenes Team überstieg Kompetenzen

Welche Schlüsse Honda nach dem gescheiterten Projekt in Brackley zog, wieso die Formel 1 von der Serie profitieren könnte und warum Gilles Simon eine Randfigur ist



Wenn Honda 2015 in die Formel 1 zurückkehrt, dann scheint man nichts dem Zufall überlassen zu wollen. Mit McLaren vereint man sich mit dem Rennstall, mit dem man Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre die größten Erfolge in der Formel 1 feierte und den Grand-Prix-Sport dominierte - möglicherweise ist dann mit Jenson Button auch noch der Fahrer an Bord, der den Japanern in der bislang letzten Formel-1-Ära in Ungarn 2006 auch den einzigen Erfolg bescherte.

Und man konzentriert sich nun wieder auf die Kernkompetenz - das Bauen von Motoren. "Damals, im Jahr 1988, haben wir als McLaren-Honda in 16 Rennen 15 Siege geholt", erinnert sich Yasuhisa Arai, Hondas Motorsportchef, der für das Formel-1-Projekt verantwortlich zeichnet. "Es ist von großer Bedeutung, dass es gegenseitigen Respekt für die Arbeitsprozesse und die Denkweise in den Unternehmen gibt."

Das ist nicht selbstverständlich. Vor allem zwischen Japanern und Europäern gab es in der Vergangenheit in Hinblick auf den Führungsstil immer wieder Reibungspunkte, wie die gescheiterten Formel-1-Projekte in Brackley (Honda) und in Köln-Marsdorf (Toyota) gezeigt haben. Die gemeinsame Erfolgsgeschichte von McLaren und Honda soll nun dabei helfen, diese Barrieren schon im Vorhinein abzubauen.

Honda übt Selbstkritik

Zumal jeder das tut, was er am besten kann. "Wir denken nicht daran, uns bei der Chassis-Entwicklung einzumischen", sagt Arai. "Diesmal machen wir uns nur Gedanken über das Triebwerk, bestehend aus Motor und ERS (Energy Recovery System, Anm.). In Hinblick auf das Rennmanagement haben wir bei unserem vergangenen Engagement gelernt, dass wir nicht in der Lage waren, uns um Chassis, Rennmanagement und die Herstellung der Motoren zu kümmern. Das ist ziemlich herausfordernd."

Laut Arai hat Honda aus den schmerzhaften Niederlagen der Vergangenheit gelernt: "Wir haben beschlossen, dass McLaren optimal ist, denn sie sind Experten, was Chassis-Entwicklung und Rennmanagement angeht. Sie konzentrieren sich auf diese Elemente, während sich Honda auf die Entwicklung des Triebwerks konzentriert, was unsere Spezialität ist. Durch die Verbindung dessen funktionieren wir als Team auf die bestmögliche Art und Weise."

Ausstieg nicht wegen Misserfolgs

Dennoch meint Arai, dass der Misserfolg des Honda-Teams 2007 und 2008 nichts mit dem Ausstieg vor der Saison 2009 zu tun hatte. "Wir wollten uns nicht zurückziehen, wir wurden dazu gezwungen", sagt er. "Wir mussten sicherstellen, dass das Unternehmen weiter funktioniert und entschieden uns daher für den Rückzug aus der Formel 1" spielt er auf die Wirtschaftskrise an.

Doch das neue Reglement mit seriennahen Motoren und der Aufwertung des Hybridantriebs hat Honda von einem Comeback überzeugt. "Die Formel 1 liefert uns jetzt eine neue Herausforderung, die Geschwindigkeit mit diesen umweltfreundlichen Technologien zu ergänzen", argumentiert Arai. Er glaubt, dass dabei nicht nur die Serienproduktion vom Motorsport profitieren kann, sondern auch der umgekehrte Weg möglich ist.

Profitiert Formel 1 von der Serie?

Er nennt ein Beispiel: "Die Hybrid-Technologie ist in der Serienproduktion bereits fortgeschritten, es gibt gute Energie-Managementsysteme. Wir rechnen also damit, dass diese Technologie in die Formel 1 einbezogen wird." Und der Hybrid-Antrieb gilt als Domäne des Honda-Konzerns - man könnte also in diesem Bereich, der nun aufgewertet wird, gegenüber der Konkurrenz einen Vorteil erlangen.

Während in Milton Keynes eine europäische Basis für das Motorenprojekt entsteht, wo die Aggregate gebaut werden, plant Honda nicht, für den Forschungs- und Entwicklungs-Standort Tochigi viel Personal zu lukrieren. "Das neue Reglement gibt uns die Möglichkeit, all das Wissen, die Expertise und die Erfahrungen, die wir bei Honda gesammelt haben, zu nutzen", sieht er das neue Reglement als günstige Gelegenheit. "Gleichzeitig müssen wir neue Aspekte der Technologien erforschen. Wenn nötig, werden wir die Rekrutierung von neuem Personal in Erwägung ziehen."

Honda: Gilles Simon keine Schlüsselperson

Ein Mann, der bereits jetzt beim Honda-Projekt mitarbeitet, ist der ehemalige Ferrari-Motorenguru Gilles Simon. Nach dem Aus bei der "Scuderia" fungierte er als FIA-Motorenspezialist und war einer der federführenden Mitarbeiter des Weltverbandes bei der Entwicklung des neuen Reglements für 2014. Daher gilt es als cleverer Schachzug, dass Honda sich die Dienste des Franzosen gesichert hat.

Doch Arai spielt die Rolle von Simon gegenüber 'Autosport' herunter: "Es stimmt, dass wir bei der technologischen Ausrichtung von ihm beraten wurden. Was Design und die Details angeht, trägt Honda aber die volle Verantwortung - er ist darin nicht direkt einbezogen."

Man wird also sehen, ob es Honda ein zweites Mal gelingt, die Konkurrenz schon zu Beginn der Zusammenarbeit mit McLaren zu schocken und die Formel 1 wie 1988 zu dominieren. Arai gibt sich derzeit noch vorsichtig: "Ich kann sagen, dass ich zuversichtlich bin, aber ich bin noch nicht überzeugt. Ich hoffe, dass ich diesen Zustand in den kommenden eineinhalb Jahren erreichen und eine unerschütterliche Überzeugung entwickeln werde." Daher fordert er die Honda-Fans auf: "Bitte habt große Erwartungen - und gebt uns große Unterstützung."

Fotoquelle: xpb.cc

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