Lewis Hamilton holte sich den Sieg im Hitzerennen von Budapest

Formel 1 2013

— 28.07.2013

Silberner Sonntag: Hamilton gewinnt in Ungarn

Lewis Hamilton hat beim Großen Preis von Budapest seinen ersten Sieg für Mercedes eingefahren - Kimi Räikkönen hält Sebastian Vettel auf Distanz



"Das war einer der wichtigsten Siege meiner Karriere." Das sind die Worte von Lewis Hamilton. Er hat den Großen Preis von Ungarn souverän für sich entschieden. Von der Pole-Position aus stürmte der Mercedes-Fahrer erst an die Spitze des Feldes, nach 70 Runden unter der sengenden Sonne auch als Sieger über den Zielstrich. Es ist sein 22. Karriere-Erfolg und sein vierter Triumph am Hungaroring.

Mehr noch: Hamilton hat nun in der ewigen Bestenliste der Formel 1 mit Ex-Champion Damon Hill gleichgezogen und ist der erste britische Rennfahrer seit Stirling Moss 1955, der mit einem Mercedes-Silberpfeil siegreich war. Entsprechend gerührt wirkte der 28-Jährige bei der Siegerehrung. "Es ist ein unglaubliches Gefühl", sagte Hamilton hinterher. "Wir konnten ja nicht ahnen, dass es so gut laufen würde."

In der Tat, denn hinter der Reifennutzung der Mercedes-Autos stand selbst nach der Pole-Position im Qualifying noch ein großes Fragezeichen. Mit der Fahrt zum Sieg in Ungarn hat Hamilton dieses aber weggewischt. "Wir müssen jedoch weiter hart arbeiten", meint er. "Man weiß nie, wie sich die Reifen auf anderen Strecken verhalten. Doch wenn es hier geklappt hat, dann sollte es auch woanders klappen."

Räikkönen hadert mit dem Qualifying

Aus Hamilton spricht aber nicht nur die Zuversicht, sondern vor allem die Freude über den gelungenen Coup bei Budapest: "Es ist ein Privileg, für das Mercedes-Team zu gewinnen. Ich könnte wirklich nicht glücklicher sein. Ich hoffe, dass weitere Siege folgen." Diese Hoffnung hegen sicher auch die beiden Verfolger, Kimi Räikkönen (Lotus) und Sebastian Vettel (Red Bull), doch heute wurde nichts daraus.

Räikkönen, im Ziel exakt 7,642 Sekunden hinter Hamilton zurück, weiß auch genau, warum es für ihn nicht ganz gereicht hat. "Ich mache mir das Leben am Samstag selbst schwer. Und das ist dann der Preis, den wir zahlen." Von Startplatz sechs kommend hielt der Finne aber immerhin Weltmeister Vettel auf Distanz - mit Pirelli-Reifen, die zum Schluss stolze 24 Runden auf dem Buckel hatten.

Vettel, der das Rennen von Position zwei aufgenommen hatte, versuchte in den letzten Runden alles, scheiterte aber am geschickt verteidigenden Räikkönen und wurde Dritter. "Kein optimales Rennen", sagt der Titelverteidiger und gesteht: "Ich hatte mir heute schon etwas mehr erhofft." Genau wie Nico Rosberg (Mercedes), der von Rang vier losgefahren war. Doch sein Rennen entwickelte sich schlecht.

Pech für die weiteren Deutschen

Nach einer hitzigen ersten Runde, in der Rosberg auch mit Felipe Massa (Ferrari/8.) kollidiert war, fuhr der Silberpfeil-Pilot lange außerhalb der Punkteränge, ehe er sein Auto mit einem Motorschaden am Streckenrand abstellen musste. Adrian Sutil (Force India) ereilte ein ähnliches Schicksal: In seinem 100. Formel-1-Rennen streikte die Hydraulik. "Schade", meint der Rennjubilar. "Das muss ich aber hinnehmen."

Auch für den vierten Deutschen im Starterfeld hielt der Große Preis von Ungarn nicht das erhoffte Ergebnis bereit: Nico Hülkenberg (Sauber) kam nach einem intensiven Rennen als Elfter über die Linie und verpasste die WM-Punkte knapp. Gute Nachrichten dagegen für Williams: Pastor Maldonado holte als Zehnter die ersten Saisonpunkte für das arg gebeutelte britische Traditionsteam.

Doch der Reihe nach: Beim Start kam Pole-Sitter Hamilton prima weg und bog, wie erhofft, als Erster in die erste Kurve ein. Und dahinter entwickelten sich schon die ersten Scharmützel, weil Vettel nicht optimal losgekommen war. Er reihte sich dennoch als Zweiter hinter Hamilton ein, Romain Grosjean (Lotus) folgte als Dritter, dahinter dann schon die beiden Ferrari von Fernando Alonso und Massa.

Bei Rosberg läuft gar nichts

Und Rosberg? Der war bereits am Start in die Bredouille geraten und zurückgefallen, kollidierte schließlich noch mit Massa. Während Massa "nur" einen leicht demolierten Frontflügel davontrug, rutschte Rosberg von der Piste, rettete sich aber zurück auf den Kurs. Doch plötzlich fand er sich im breiten Mittelfeld wieder, ohne in den Kampf um die Spitzenpositionen eingreifen zu können.

Dafür lief es bei Hamilton wie am Schnürchen. Im ersten Stint setzte er sich Stück für Stück von Vettel ab, der mehr und mehr in seine Rückspiegel schauen musste. Grosjean machte Druck und drängelte, was Vettel aber nicht nervös zu machen schien. Es blieb zunächst bei der bisherigen Reihenfolge, bis Hamilton nach neun Runden zum ersten Boxenstopp abbog. Soft runter, Medium drauf. Weiter ging's.

Die Konkurrenz zog alsbald nach, erst Vettel, dann Grosjean. Und so fanden sich auf einmal zwei Piloten an der Spitze, die eine andere Taktik gewählt hatten: Mark Webber (Red Bull) und Jenson Button (McLaren). Sie waren, im Gegensatz zu ihren Gegnern, gleich mit den härteren Pirelli-Pneus losgefahren und blieben entsprechend länger draußen. Das beschwor neue Zweikämpfe herauf.

Es knistert mächtig auf den Rängen

Vettel und Grosjean nahmen nämlich nun im Doppelpack Button aufs Korn, doch diese Nummer misslang zunächst. Bei einem Angriffsversuch demolierte sich Vettel sogar leicht den Frontflügel, musste danach - auf Anweisung des Kommandostands - auch etwas mehr Abstand zu Button lassen, um das Auto zu kühlen. Dafür drehte Grosjean auf und attackierte seinerseits Weltmeister Vettel.

Rundenlang ging es hin und her, was keinem der Streithähne wirklich half, aber Hamilton in die Karten spielte. Der vergrößerte den Abstand auf die Kampfgruppe um Vettel, zu der nun auch Alonso den Anschluss herstellte. Es knisterte mächtig. Und in Runde 24 entlud sich die Spannung: Vettel ging an Button vorbei, Grosjean wollte mitziehen. Dabei berührten sich der Lotus und der McLaren leicht.

Button tobte am Funk: "Der scheiß Lotus hat mir nicht genug Platz gelassen!" Außerdem kürzte Grosjean auch noch die Schikane ab, während Alonso ebenfalls noch an Button vorbeiging. Viel Action auf wenigen Metern. Und weil parallel dazu erst Webber und kurz danach Button ihrerseits frische Pneus holten, ging Hamilton wieder in Führung, bereits mehr als zehn Sekunden vor Vettel.

Grosjean stark, aber fast schon zu übermütig

Für Sutil war das Rennen zu diesem Zeitpunkt schon vorbei. Technische Probleme zwangen ihn zum Rückzug in die Force-India-Garage. "Leider passieren diese Dinge immer im Rennen und nicht im Freien Training", so der Deutsche. Er wurde kurz darauf vor dem TV-Monitor Zeuge, wie sich Grosjean erneut in die Nesseln setzte. Das tat der Lotus-Fahrer aber auf beeindruckende Art und Weise.

Nach seinem zweiten Reifenwechsel legte er sich Massa zurecht und zog vor der schnellen Kurve vier außen (!) neben den Formel-1-Routinier. Das sehenswerte und waghalsige Manöver gelang ihm auch. Die Sache hatte nur einen Schönheitsfehler: Grosjean hatte am Kurvenausgang mit allen vier Rädern den Kurs verlassen. Sofort leitete die Rennleitung eine Untersuchung ein, kurz darauf kam das Urteil.

Grosjean konnte es nicht fassen, als ihn sein Team von der Durchfahrtsstrafe in Kenntnis setzte. "Warum?" So brüllte er in den Funk. Es half nichts und er rollte hörbar "not amused" einmal langsam durch die Boxengasse. Zumindest er war damit raus aus dem Spitzenfeld, doch sein Teamkollege Räikkönen war dicker im Geschäft denn je und pirschte sich mehr und mehr an Hamilton heran.

Aufgrund seiner Zweistopp-Strategie war er in einem anderen Rhythmus als seine direkten Gegner, die allesamt dreimal die Boxencrew besuchten. Und das machte sich bezahlt. Während Vettel und Co. nach ihren Reifenstopps meist im Verkehr landeten und sich erst mühsam nach vorn durcharbeiten mussten, fuhr Räikkönen ein deutlich konstanteres Rennen und avancierte so zum Podestkandidaten.

Davon waren nach der Hälfte des Rennens noch vier vorhanden. Neben Spitzenreiter Hamilton, der sich ein solides Polster herausgefahren hatte, noch Vettel, dessen Teamkollege Webber sowie Räikkönen. Grosjean hatte sich selbst um ein gutes Ergebnis gebracht, Alonso hatte abreißen lassen müssen. Und so kam alles auf die letzte Runde der Reifenwechsel an, die Räikkönen einläutete.

Er kam 24 Runden vor Schluss herein und nahm noch einmal Medium-Reifen mit. Und damit war klar: Der Lotus-Pilot würde versuchen, damit über die Distanz zu kommen. Hamilton kam acht Runden später ebenfalls zum Service vorbei, Vettel weitere fünf Runden danach. Nur sieben Runden vor Rennende wechselte Webber erstmals auf Soft, doch seine Schlussattacke verfehlte ihre Wirkung.

Vettel jagt Räikkönen

Da Hamilton an der Spitze nicht mehr einzuholen war, konzentrierte sich die Aufmerksamkeit auf die Verfolger. Und Vettel schloss rasch zu Räikkönen auf, dessen Pneus 13 Runden älter waren als seine eigenen. Acht Runden vor Schluss setzte er die ersten Angriffe, doch Räikkönen wehrte alles ab. Dass immer wieder zu überrundende Autos dazwischen lagen, machte es nicht unbedingt einfacher.

In Runde 68 fasste sich Vettel aber ein Herz, probierte es wie Grosjean zuvor in Kurve vier auf der Außenseite, doch Räikkönen machte dicht. "Er hat mir nicht genug Platz gelassen", funkte Vettel sofort an die Box, sah es nach dem Rennen aber schon entspannter: "Das war schon okay. Wir haben darüber gelacht. In so einem Moment, wo es heiß zugeht, versuchst du aber natürlich alles", sagt er.

Alles versucht und viel verloren: Weil Vettel von der Linie abgekommen und durch den Gummiabrieb gefahren war, löste sich Räikkönen von ihm. Doch der Weltmeister gab nicht auf, prügelte seinen Red Bull erneut heran. Um mit teilweise stehenden Vorderrädern nochmals in Schlagdistanz zu gelangen, was Räikkönen aber nicht beeindruckte. Der "Iceman" behielt Platz zwei und Vettel gab sich geschlagen.

Hamilton siegt souverän

So hitzig war es für Hamilton sicher nicht gewesen. Doch auch seine Anspannung wich der puren Freude, als er vor Räikkönen und Vettel über die Linie kam. "Er hat das Rennen gewonnen, weil er sensationell gefahren ist", meint Mercedes-Aufsichtsrats-Vorsitzender Niki Lauda bei 'Sky Sports F1'. Er lobt seinen Silberpfeil-Piloten: "Ich habe ihn noch nie in meinem Leben so gut fahren sehen."

"Lewis hat keinen Fehler gemacht", sagt auch Mercedes-Teamchef Ross Brawn. "Es war von Samstag bis jetzt ein absolut perfektes Wochenende." Und ein ganz wichtiges für Hamilton, der zur Saison 2013 zu Silber gestoßen war. "Er war sehr frustriert, weil er noch kein Rennen gewonnen hatte, während Nico schon zweimal gesiegt hat", erklärt Brawn. Diese Scharte ist nun ausgewetzt.

In neue Schwierigkeiten hat sich dagegen vielleicht Grosjean gebracht, der in Ungarn durch viel Einsatz überzeugte, am Ende hinter Hamilton, Räikkönen, Vettel, Webber und Alonso aber "nur" Sechster wurde. "Ich habe alles gegeben", meint er. Und er entschuldigt sich für die Szene mit Button: "Da verjüngt sich die Strecke. Ich hatte sie breiter eingeschätzt. Zum Glück ist nicht mehr passiert."

Vettel bleibt souveräner WM-Spitzenreiter

Button beschloss das letzte Rennen vor der Sommerpause auf Rang sieben vor Massa und Perez, die beide unauffällig unterwegs waren und gemeinsam mit Maldonado auf Platz zehn ein amerikanisches Trio bildeten. Hinter Hülkenberg auf Position elf sahen noch Jean-Eric Vergne und Daniel Ricciardo für Toro Rosso das Ziel, außerdem die "Kellerkinder" von Caterham und Marussia - in dieser Reihenfolge.

Neben Sutil und Rosberg schieden auch Esteban Gutierrez (Sauber) und Paul di Resta (Force India) mit technischen Problemen vorzeitig aus. Formel-1-Debütant Valtteri Bottas (Williams) kam erstmals nicht über die Distanz und stellte sein Auto indes zum ersten Mal nicht im Parc Fermé ab. Übrigens auch Räikkönen nicht: Der Lotus-Pilot fuhr nach der Zieldurchfahrt sofort rechts ran und parkte.

In der Gesamtwertung ist er dafür auf den zweiten Platz aufgerückt. Hinter Vettel (172 Punkte), aber vor Alonso (133) ist Räikkönen (134) jetzt der erste Verfolger des Titelverteidigers. Hamilton (124) hat deutlich an Boden gutgemacht, Webber (105) beschließt das Spitzen-Quintett. In der Teamwertung führt Red Bull (277) nach zehn Rennen klar vor Mercedes (208), Ferrari (194) und Lotus (183).

Und damit verabschiedet sich die Formel 1 in die lange Sommerpause. Weiter geht's erst am 23. August 2013 mit dem Freien Training zum Großen Preis von Belgien in Spa-Francorchamps. Bis dahin hat Hamilton sicher genug Zeit, sich über seinen einmaligen Rekord zu freuen: Er ist der erste Rennfahrer in der Geschichte, der in jeder seiner sieben Formel-1-Saisons gewonnen hat.

Fotoquelle: xpbimages.com

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