Grosjean wäre gut beraten, im Cockpit so cool zu agieren wie mit Sonnenbrille

Formel 1 2013

— 28.07.2013

Immer Ärger mit Romain: Erst trottelig, dann tragisch

Lotus-Pilot Grosjean entschuldigt sich wegen des Duells mit Button - Boullier und Surer finden Bestrafung wegen des Massa-Manövers regelkonform, aber überhart



Romain Grosjean sorgte beim Ungarn-Grand-Prix am Sonntag einmal mehr für eine Menge Gesprächsstoff. Der Franzose war erst ein heißer Kandidat auf den Sieg und hing im Diffusor Sebastian Vettels. Dann handelte er sich mit einer überharten Aktion gegen Jenson Button Ärger ein und musste seine Hoffnungen schließlich nach einem tollen Überholmanöver gegen Felipe Massa dank einer Durchfahrtsstrafe begraben - er hatte ausgangs Kurve vier die Bahn mit allen vier Rädern verlassen.

Das Fazit des Lotus-Piloten betont die positiven Aspekte: "Es war ein hartes und starkes Rennen, in dem ich in jeder Szene alles gegeben und mich selbst ans Limit gebracht habe", so Grosjean, der sich bezüglich des Abdrängens vor der Schikane einsichtig zeigt: "Bei der Szene mit Jenson bin ich etwas zu weit links gefahren", räumt er ein und verweist auf das Kurslayout: "Die Strecke verjüngt sich an dieser Stelle, aber ich hatte sie breiter eingeschätzt. Dafür will ich mich entschuldigen. Ein Glück, das nicht mehr passiert ist."

Es hätte wohl auch wenig Sinn, in eine andere Richtung zu argumentieren, schließlich geht auch der Chef nicht d'accord mit der Fahrweise seines Angestellten. "Der Kampf mit Jenson war zu eng. Sie haben sich berührt. Das war kein normales Überholmanöver", schüttelt Eric Boullier am 'Sky'-Mikrofon den Kopf. Der Experte des Senders sieht die Sache ähnlich: "Das ist wieder typisch. Es passiert immer irgendetwas, und in dem Fall das Überholmanöver gegen Button - wo er ihn völlig unnötig abdrängt, berührt und durch die Schikane abkürzt", analysiert Marc Surer.

Surer wirft Grosjean mangelnde Übersicht vor

Grosjean droht weiterer Ärger, schließlich zitierte die Rennleitung ihn und den McLaren-Star um 16.45 Uhr zu sich. Während Boullier die Frage nach einer weiteren Sanktion mit einem "vielleicht" quittiert, gibt Surer dezente Entwarnung: "Ich denke, da wird nichts passieren, weil keiner davon profitiert hat und keiner etwas verloren hat. Man schaut immer, wie groß die Auswirkung ist", erklärt der Schweizer, ohne eine Garantieerklärung abzugeben. "Bei den Stewards weiß man nie. Sie könnten etwas entscheiden, wenn sie streng nach dem Buch gehen."

Der Rennkommissar Surer jedenfalls würde Gnade walten lassen: "Ich finde, so etwas kann passieren." Trotzdem glaubt er, dass Grosjean mit seiner Fahrweise besonders gefährdet ist: "Der hat für mich so einen Tunnelblick - auch beim Start, wo er immer so viele Crashs hatte. Er schaut eben immer nicht mehr nach links und rechts und denkt: 'Hier komme ich'. Er vergisst, dass die anderen auch noch da sind." Das lässt sich dem ehemaligen GP2-Champion nicht unterstellen, wenn es um das Massa-Manöver geht.

Dafür hatte Grosjean bereits eine Strafe wegen Verlassens der markierten Fahrbahn - in Form einer Boxendurchfahrt - kassiert und im Funk sein Unverständnis mit einem lauten "Wofür?!" geäußert. Nach dem Rennen klingt das nicht anders: "Ich hatte das Gefühl, mindestens mit zwei Rädern auf der weißen Linie gewesen zu sein", wundert er sich. Surer hat eine andere Sicht der Dinge: "Wenn man die Onboard-Aufnahme anschaut, kann man ganz klar sehen, dass er auf der Außenseite überholt. Er fährt volles Rohr neben die Linie."

Teamchef lobt Aufwärtstrend

Der TV-Fachmann vergleicht die Situation mit der in Hockenheim im vergangenen Jahr, als Vettel an Button ausgangs der Haarnadel im Abseits vorbeiging und deshalb relegiert wurde. Boullier bleibt wegen der recht eindeutigen Beweislage vorsichtig: "Die Durchfahrtsstrafe war legitim, wenn vier Räder außerhalb der Strecke waren." Lieber argumentiert der Teamchef mit den Begleitumständen: "Es war ein so gutes Manöver und es waren nur wenige Zentimeter, da hatte er sowieso keinen Raum mehr. Der Ferrari war direkt neben ihm, da hätte es sonst gekracht. So gesehen war die Entscheidung nicht unfair, aber extrem hart. Es ging um das Podium."

Auch Surer hätte selbst wohl ganz gut damit leben können, wäre Gnade vor Recht ergangen: "Ich hab es schade gefunden, denn es war ein mutiges Manöver und hat sogar geklappt. Fünf Zentimeter und er wäre damit vielleicht sogar durchgekommen." Boullier räumt jedoch ein, dass die Qualität einer Aktion nur schwer als Determinante für das Strafmaß herangezogen werden könne: "Es ist schwierig, da die Grenze zu ziehen - nur, weil es ein brillantes Manöver war." So bleibt Grosjean der traurige Held des Ungarn-Grand-Prix.

Dennoch findet Boullier lobende Worte, wenn er den allgemeinen Aufwärtstrend seines Piloten betrachtet: "Es ist etwas enttäuschend, schließlich hatten wir zu Beginn des Rennens hohe Erwartungen. Aber er hat wieder ein gutes Wochenende gezeigt und es war schon das zweite in Serie. Das zeigt, dass er sich steigert auch im Vergleich zum Vorjahr. Er kann mit Leuten wie Kimi (Teamkollege Räikkönen, Anm. d. Red.) und Vettel mithalten." Das nimmt auch Grosjean gerne als Motivationsspritze mit in die Sommerpause: "Mein Ziel ist es mich, zu verbessern und daran anzuknüpfen."

Fotoquelle: xpbimages.com

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