Teamchef Franz Tost würde Ricciardo gerne länger bei Toro Rosso sehen

Formel 1 2013

— 01.08.2013

Tost: Käme Red-Bull-Aufstieg für Ricciardo zu früh?

Warum Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost zweifelt, ob eine Beförderung zu Red Bull für Daniel Ricciardo schon 2014 optimal wäre, und wie er dessen Chancen einschätzt



Daniel Ricciardo kämpft derzeit um das Cockpit beim Weltmeisterteam Red Bull. Der Australier darf sich hervorragende Chancen ausrechnen, nachdem er sich zunächst intern gegen seinen Toro-Rosso-Teamkollegen Jean-Eric Vergne durchgesetzt hatte und dann beim Young-Driver-Test abgesehen von einem Ausritt eine starke Leistung bot.

Bei den vergangenen Rennen untermauerte er sein Potenzial mit verblüffenden Qualifying-Leistungen - in Deutschland und Ungarn startete er aus den Positionen sechs und acht. Zudem wäre eine Beförderung von Red Bulls B-Team ins A-Team ein Signal für den Erfolg von Motorsport-Konsulent Helmut Markos Red-Bull-Nachwuchsprogramm - ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Käme der Aufstieg zu schnell?

Toro-Rosso-Teamchef Franz Tost glaubt gegenüber 'Formula1.com', dass sich Ricciardo am Ende durchsetzt und das ersehnte Cockpit erhalten wird: "Die Wahrscheinlichkeit ist ziemlich groß. Red Bull interessiert sich für Daniel, und die Entscheidung wird intern getroffen. Es gibt noch keine Entscheidung, aber soweit ich Bescheid weiß könnte es tatsächlich Daniel schaffen."

Doch ist Ricciardo nach zwei Jahren bei Toro Rosso bereits reif für das Cockpit an der Seite von Weltmeister Sebastian Vettel? Schwer zu sagen. Auch sein aktueller Teamchef Franz Tost ist nicht ganz sicher, ob der große Schritt nicht etwas zu früh kommt. "Ich persönlich würde es lieber sehen, wenn man ihm noch ein Jahr Reifeprozess bei Toro Rosso zugesteht, um noch mehr Erfahrung zu sammeln", sagt er gegenüber 'Speedweek'.

Bestes Ergebnis: Platz sieben

Schließlich handle es sich um das Team, das in den vergangenen drei Jahren die Formel 1 dominiert hat. Und Ricciardo hat bislang als bestes Rennergebnis einen siebten Platz in China 2013 zu Buche stehen, stand nie auf dem Podest, feierte keinen Rennsieg in der Formel 1. "Das ist das einzige Manko, das ich bei ihm sehe", erklärt er seine Zweifel. "Ansonsten glaube ich, dass er in der Formel 1 schöne Erfolge vor sich haben wird."

Dass nicht Vergne, sondern Ricciardo von Red Bull für den Young-Driver-Test in Silverstone eine Woche vor dem Ungarn-Grand-Prix nominiert wurde, zeigt ganz deutlich, dass man mit dem 24-Jährigen Größeres vorhat. Am Vormittag saß er bei Toro Rosso in seinem gewohnten Boliden, am Nachmittag stieg er dann in den RB9 von Red Bull um.

Tost lobt Ricciardos Auftritt beim Young-Driver-Test

Den Ausrutscher ins Kiesbett sieht Tost nicht als Kriterium bei der Beurteilung seiner Fähigkeiten: "Nur einer, der nicht richtig Gas gibt, landet nie neben der Bahn. So etwas muss man einem Fahrer verzeihen, und ich kann mir nicht vorstellen, dass dies bei Red Bull einen großen Ausschlag gibt. Schliesslich ist er dann mit dem Wagen sehr schnell gewesen."

Der Toro-Rosso-Teamchef ortet bei Ricciardo neben Speed und technischem Sachverstand vor allem Fortschritte im Rennen: "Er ist nach der Startphase wesentlich aggressiver geworden. Ich sehe keinen Grund, wieso er sein Talent nicht auch bei Red Bull einbringen sollte." Diesbezüglich war vermutlich der Grand Prix von Bahrain 2012 ein Schlüsselerlebnis, als Ricciardo vom sensationellen sechsten Startplatz in der ersten Runde bis ins hintere Mittelfeld durchgereicht wurde.

Wie Tost Ricciardo vorbereitet

Der Sonnyboy aus Perth hat gelernt, mit dem Druck umzugehen. Ein wichtiger Schritt, denn sollte er 2014 tatsächlich den Aufstieg zu Red Bull schaffen, würde die Belastung um ein Vielfaches ansteigen. Tost ist der Meinung, dass sich Ricciardo in der zweiten Saisonhälfte das Rüstzeug aneignen muss, dass er benötigt, um der möglichen Herkules-Aufgabe wirklich gewachsen zu sein.

"Ich habe ihm gesagt, dass er nun - sollte Red Bull sich für ihn entscheiden - sechs Monate hat, um sich auf 2014 vorzubereiten", gibt Tost interessante Einblicke. "Er darf nicht vergessen, dass er dann Teamkollege eines dreifachen Weltmeisters wäre. Er muss sich mental vorbereiten. In der zweiten Saisonhälfte muss er dieses Selbstvertrauen inhalieren, das er benötigt, um in einem Team wie Red Bull zu überleben."

Hatte es Vettel 2009 leichter?

Was er damit meint? Der Österreicher gibt ein Beispiel, worüber er mit Ricciardo spricht: "Wenn das Auto nicht perfekt ist, dann muss man besser sein als das Material anstatt zu klagen. Man arbeitet mit dem, was man hat, da man wahrscheinlich selbst schuld ist - also fahr raus und kämpfe! Man erkennt, dass alle anderen auch nur mit Wasser kochen - selbst ein Sebastian Vettel. Er ist eine Kämpfernatur und gibt sich nicht mit einer passiven Rolle zufrieden."

Apropos Vettel - der Heppenheimer hatte laut Tost im Vergleich zu Ricciardo einen großen Vorteil, als er 2009 von Toro Rosso zu Red Bull befördert wurde: "Als Vettel zu Red Bull kam, war das noch kein Siegerteam. Die sind gemeinsam gewachsen. Heute muss Ricciardo sofort Podestränge erreichen und um Siege mitreden können."

Fotoquelle: xpbimages.com

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