Sirotkin wird im August 2013 18, ist er schon bereit für die Formel 1?

Formel 1 2013

— 01.08.2013

Sirotkin-Debüt mit 18? So denken die Piloten

Wie das Fahrerlager darüber denkt, dass Sauber mit Sergei Sirotkin 2014 einem 18-Jährigen zum Formel-1-Debüt verhelfen will und wieso die Vorzeichen ungünstig sind



2014 könnte der dann 18-jährige Russe Sergei einen neuen Formel-1-Rekord aufstellen. Sollte er tatsächlich, wie angedacht, in Melbourne 2014 im Sauber-Boliden sitzen, wäre er der jüngste Pilot, der je einen Grand Prix bestritten hat. Derzeit hat Ex-Red-Bull-Junior Jaime Alguersuari diesen Rekord inne - er war bei seinem Toro-Rosso-Debüt in Ungarn 2009 19 Jahre alt.

Sauber hat darin eine Tradition, besonders jungen Piloten zum Formel-1-Debüt zu verhelfen. Als Kimi Räikkönen 2001 beim Schweizer Team debütierte, nachdem er im Vorfeld nur wenige Autorennen absolviert hatte und die Superlizenz nur auf Bewährung erhielt, gab es durchaus auch kritische Stimmen. Diese verstummten allerdings rasch, da sich der Finne auf Anhieb hervorragend zurecht fand und sein enormes Talent unter Beweis stellte.

Im Gegensatz zum "Iceman", der damals in der Formel Renault aufgezeigt hatte, ist Sirotkins größtes Argument aber Vater Oleg Sirotkin, seines Zeichens Geschäftsführer des National Institute of Aviation Technologies (NIAT) - einer der kürzlich bekannt gegebenen Sauber-Investoren. Seine Ergebnisse in der Renault-World-Series sind bislang eher durchwachsen - Formel-1-Reife hat der 17-Jährige noch nicht unter Beweis gestellt.

Räikkönen: Erfahrung wichtiger als Alter

Zumindest Sirotkins Jugend sieht Räikkönen nicht als Kriterium: "Ich bin nicht der Meinung, dass das Alter das Problem sein wird. Es geht vielmehr um Erfahrung und diese Dinge. Vielleicht ist er bereit, vielleicht nicht. Nur die Zeit wird das weisen." Auch die Erfahrung des jungen Russen hält sich bislang in Grenzen: Erst 2011 stieg er mit der Formel Abarth in den Formelsport ein, 2012 trat er in der AutoGP-Serie und in der italienischen Formel-3-Meisterschaft an.

Toro-Rosso-Pilot Daniel Ricciardo bemerkt aber, dass der Russe dieses Jahr bereits Achtungserfolge verbuchen konnte: "Ich weiß, dass er in diesem Jahr in der Renault-World-Series einige Podiumsresultate erzielt hat." Trotzdem findet er nicht, dass er sich einen möglichen Platz in der Formel 1 durch sportliche Leistungen verdient hat: "Es gibt einige erfahrenere und schnelle Leute, die diesen Platz einnehmen könnten. Er wäre nicht der erste Kandidat in der Reihe, sollten sie sich frei entscheiden können. Aber so ist der moderne Motorsport."

Ex-Frühstarter sind skeptisch

Einige Piloten erinnern sich an ihre eigenen Formel-1-Anfänge zurück und stellen im Nachhinein fest, dass doch ein gewisses Alter notwendig ist, um der "Königsklasse" des Motorsports gewachsen zu sein. "Mit 22 war ich gerade so bereit dafür", sagt Lewis Hamilton, der schon als Youngster mit McLaren bei einem Topteam einstieg. "Wenn ich das schon mit 18 gemacht hätte, wäre ich wahrscheinlich nicht da, wo ich jetzt stehe. Man sollte sich also genügend Zeit nehmen, die richtige Zeit kommt dann von allein."

Mit 18 wäre er definitiv nicht bereit gewesen - "und ich war ziemlich gut mit 18", schmunzelt er. Dem aktuellen Sauber-Pilot Nico Hülkenberg, der in allen Nachwuchsklassen den Titel geholt hat, wird auf die Frage, ob er mit 18 bereit gewesen wäre, erst bewusst, wie man sich in diesem Alter fühlt: "18 - wo war ich da? In der Formel 3? A1 GP? Ich war damals nicht bereit für die Formel 1. Es ist ambitioniert, vielleicht etwas riskant. Aber das ist nicht meine Entscheidung."

Sauber: Kein Simulator, keine Testmöglichkeiten

Er will aber wie die meisten seiner Kollegen über Sirotkin kein vorschnelles Urteil abgeben: "Jeder ist anders - der eine hält mehr Druck aus als der andere. Ich kenn Sergei nicht, also weiß ich es nicht." Hülkenbergs 20-jähriger Landsmann Daniel Abt, der mit der GP2 in der Klasse direkt unter der Formel 1 antritt, sieht es auch als "Aufgabe von Sauber, ihn darauf vorzubereiten. Die werden schon wissen, was sie machen."

Doch die aktuellen Rahmenbedingungen machen es für Nachwuchsfahrer noch schwieriger, sich auf den Sprung in die "Königsklasse" einzustellen. Das weiß Red-Bull-Pilot Mark Webber, der vor seinem Minardi-Debüt 2002 immerhin für Teams wie Benetton testen durfte. "Es gibt heutzutage nicht viele Tests", verweist der "Aussie" auf das Testverbot während der Saison.

Stattdessen wird heutzutage oft im Simulator getestet, um sich auf virtuellem Wege an die Formel 1 zu gewöhnen. Auch wenn das laut Hülkenberg "nicht die Realität widerspiegelt". Doch es gibt ein Problem: Ausgerechnet der Sauber-Rennstall verfügt im Gegensatz zu den meisten Teams über keinen Rennsimulator. "Das ist daher keine Option", bestätigt der Sauber-Fahrer.

Vettel warnt vor zu frühem Einstieg

Dennoch hat Weltmeister Sebastian Vettel absolut dafür Verständnis, dass Sirotkin die Sauber-Chance trotz seines Alters ergreifen will: "Als junger Bursche träumst du von der Formel 1. Du willst einfach nur Rennen fahren." Doch der Heppenheimer, der selbst 2007 kurz vor seinem 20. Geburtstag bei BMW Sauber debütierte, mahnt zur Vorsicht: "Du kannst auch zu früh in solche Dinge hineinrutschen. Ich denke, bei mir war es wahrscheinlich an der Grenze."

Obwohl Vettel bereits 2006 mit Freitag-Bestzeiten aufgezeigt hatte, benötigte er selbst laut eigenen Angaben "auf jeden Fall eine ganze Weile, bis ich verstanden hatte, wie die Formel 1, wie das Auto funktioniert - um sicherzustellen, dass ich das Auto fahre und nicht das Auto mit mir herumfährt." Dabei hatte Vettel noch den Vorteil, mit Testfahrten und vielen Jahren im Formelsport behutsam an die Formel 1 herangeführt worden zu sein. " Es war also nicht so, dass ich als quasi als Schulabgänger direkt in die Formel 1 eingestiegen bin", bestätigt er.

Fotoquelle: DPPI/Formel Renault

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