Sebastian Vettel startet den Monza-Klassiker von der Pole-Position aus

Formel 1 2013

— 07.09.2013

Monza: Vettel-Pole und Hülkenberg-Sensation

Sebastian Vettel wird seiner Favoritenrolle im Qualifying von Monza gerecht - Nico Hülkenberg Dritter - Probleme für Lewis Hamilton und Lotus



Sebastian Vettel hat einen weiteren Schritt in Richtung viertem Titelgewinn in der Formel 1 gemacht. Der Red-Bull-Pilot sicherte sich im Qualifying zum Großen Preis von Italien in Monza die Pole-Position vor seinem Teamkollegen Mark Webber. Die Sensation auf der dritten Startposition: Nico Hülkenberg. Der Sauber-Pilot überraschte sich selbst, sein Team und unzählige Fans mit einem bärenstarken Auftritt in der Zeitenjagd. Ferrari konnte die Tifosi nicht vom Hocker reißen.

"Wir haben einen guten Tag erwischt", bilanziert Vettel nach seiner 40. Pole-Position und der 50. für sein Team Red Bull. Der Heppenheimer marschierte locker durch die ersten beiden Qualifikationsabschnitte und schlug im Shootout eiskalt zu: 1:23.755 Minuten. "Ich hatte zwei gute Versuche in Q3. Es ist schwierig, wenn man hier mit wenig Abtrieb fährt. Man rutscht viel, lässt schnell mal etwas Zeit liegen. Aber das geht allen so. Bei mir hat es gut geklappt. Es ist eine gute Ausgangsposition für das Rennen."

"Es ist eine Überraschung, dass wir mit beiden Autos in der ersten Reihe stehen. Sonst hatten wir hier zu kämpfen", meint der Champion, der mit einem Erfolg am Sonntag in der Statistik der Grand-Prix-Siege mit Fernando Alonso (Ferrari) gleichziehen könnte. Die Leichtigkeit, mit der Vettel bislang an diesem Wochenende in Monza agiert, lässt eine ähnlich souveräne Vorstellung wie in Spa erwarten. Und morgen hat er sogar Teamkollege Webber als "Abfangjäger" hinter sich.

Hülkenberg mit einer Sensation

"Es war ein gutes Qualifying, auf einer Strecke, die nicht gerade eine meiner liebsten ist. Schön, dass ich hier mal gut unterwegs war", fasst Webber nach der Qualifikation zufrieden zusammen. Der Australier hatte am Ende der Zeitenjagd einen Rückstand von 0,213 Sekunden auf seinen Teamkollegen. Viel, aber nicht zu viel, meint der Red-Bull-Pilot: "Ich war einfach nicht schnell genug, Sebastian zu schnappen. Ich freue mich auf das Rennen."

Im Lager von Sauber genießt man vor dem Renntag zunächst den Moment. Mit Platz drei erreichte Nico Hülkenberg am Samstag im Qualifying eine sensationelle Position. Der Emmericher konnte sich im Verlauf der Session von Abschnitt zu Abschnitt immer weiter steigern und tauchte am Ende urplötzlich als Dritter auf - und ist somit beim Heimspiel der Roten aus Maranello der bestplatzierte Fahrer eines Autos mit Ferrari-Motor.

"Heute hatten wir ein konkurrenzfähiges Auto. Das Team hat seit gestern erhebliche Verbesserungen vorgenommen", freut sich Hülkenberg. "Der Wagen ist von Q1 über Q2 bis zum Q3 immer besser geworden. Die Runde in Q3 war sauber und gut. Ich bin sehr zufrieden. Ich hätte das nie gedacht. Dieses Highlight tut uns allen gut. Das wird uns Auftrieb geben." Diese Stimmung übertrug sich sofort auf Teamchefin Monicha Kaltenborn: "Wir freuen uns unglaublich. Dass Nico eine solch perfekte Runde hinlegt, hätten wir nicht gedacht."

Ferrari auf der Windschatten-Seite

Bei Ferrari wird Boss Luca di Montezemolo hinter verschlossenen Türen sicherlich die Stimme heben. Die Italiener hatten sich im Abschlusstraining am Morgen solide präsentiert. Es keimte Hoffnung für das Qualifying auf, weil man sich eine Taktik überlegt hatte, um mehr Tempo zu bekommen. Die beiden Piloten Fernando Alonso und Felipe Massa sollten sich abwechselnd Windschatten spenden und der Konkurrenz so die lange Nase zeigen. So hatte man es im Training geübt - und so versuchte man es in Q3 umzusetzen.

Der Erfolg dieser Bemühungen: Hülkenberg wuchtete sein Ferrari-Triebwerk im Sauber vor die Roten, Alonso steht nun sogar hinter Teamkollege Massa. Ein Debakel vor heimischer Kulisse. Bei der Attacke auf die Bestzeit in Q3 fehlte es an der perfekten Abstimmung zwischen den beiden Teamkollegen. Noch viel schlimmer: Der Brasilianer zog dem spanischen Superstar einfach davon. "Er fährt zu schnell für mich", klagte Alonso im Funk und kam in 1:24.142 Minuten nur als Fünfter in die Wertung. Massa war als Vierter genau eine Hundertstelsekunde schneller.

"Ein gutes Qualifying", sagt Alonso, nachdem er die Enttäuschung heruntergeschluckt hat. "Im Vergleich zu den vergangenen Grand-Prix-Samstagen sieht es mit Platz fünf doch schon besser aus. Wir müssen am Sonntag versuchen, in der frühen Phase des Rennens möglichst nahe an den Red Bulls dranzubleiben, dann haben wir vielleicht gute Chancen", so die offiziellen Aussagen. Die Hoffnungen waren nach den Trainings aber sicherlich deutlich größer gewesen.

Hamilton verbockt das Qualifying

Auch bei Mercedes lief längst nicht alles nach Wunsch. Ausgerechnet Nico Rosberg, der am Morgen wegen eines Hydraulikdefektes kaum hatte fahren können, holte als Sechster für die Silberpfeile die Kohlen aus dem Feuer. Der Deutsche lag am Ende nur hauchdünn hinter den beiden Ferraris zurück. Und er Teamkollege, der im Vorjahr im McLaren noch die Pole geholt hatte? Lewis Hamilton schied als Zwölfter bereits in Q2 aus.

"Ich bin gefahren wie ein Idiot. So schlecht war ich schon seit Jahren nicht mehr", so die erste Reaktion des Briten. Hamilton war zunächst von Adrian Sutil (Force India) aufgehalten worden. Ein Vorfall, den die Kommissare noch untersuchen werden. Im letzten Versuch verbockte es Hamilton jedoch selbst. Ausgangs der Parabolica war er zu früh auf dem Gas, kam in den Kies und zerstörte sich somit gleich zwei Runden, denn der Schwung für den folgenden Umlauf war alles andere als optimal. Hamilton wird am Sonntag eine Aufholjagd starten müssen - vielleicht in Gesellschaft der beiden Lotus.

Kimi Räikkönen (11.) und Romain Grosjean (13.) erwischten einen üblen Tag in Monza. Der E21, der am Freitag noch einen guten Eindruck hinterlassen hatte, kam mit den weicheren Medium-Reifen einfach nicht auf Tempo. "Dann haben wir es eben nicht geschafft", so der kühle Kommentar von Räikkönen nach Q2. Grosjan analysierte: "Meine Einrollrunde war ein Desaster. Die weichen Reifen bekam ich überhaupt nicht ins Betriebsfenster - null Grip."

Regen am Renntag in Monza?

Hamilton und das Lotus-Duo müssen am Sonntag auf dem Weg nach vorn harte Nüsse knacken. Die beiden Toro Rosso von Daniel Ricciardo (7.) und Jean-Eric Vergne (10.) sind auf den Geraden sehr schnell (340 km/h am Messpunkt), die beiden McLaren von Sergio Perez (8.) und Jenson Button (9.) waren am Freitag im Renntrimm sehr gut unterwegs. Gut möglich, dass Räikkönen und Hamilton in Monza nur über Strategie oder bei Mischbedingungen eine Chance haben.

Für Adrian Sutil gibt es sehr vage Aussichten auf weitere WM-Punkte. Der Force-India-Pilot holte am Samstagnachmittag das Maximum aus seinem Fahrzeug heraus. Das Team hat mit dem speziellen Aerodynamikpaket für Monza offenbar daneben gelegen. Der Force India ist schwierig zu fahren, vor allem sehr instabil in den Bremszonen. Sutil (14.) und Teamkollege Paul di Resta (16.) werden wohl eher mit den Williams im hinteren Mittelfeld kämpfen.

"Monza ist eben eine spezielle Strecke. Offenbar passt die Kombination von Auto und Fahrer perfekt hierher", kommentiert 'Sky'-Experte Marc Surer den Husarenritt von Hülkenberg im Qualifying. "Unser Renntempo ist gut. Wir können mit den Red Bulls aber nicht mithalten", zeigt sich der Sauber-Pilot vor dem Renntag realistisch-optimistisch. "Wir haben die bestmögliche Ausgangsposition", freut sich Red-Bull-Teamchef Christian Horner. "Es kann sich das Wetter ändern. Es besteht eine geringe Chance auf Regen am Renntag."

Fotoquelle: xpbimages.com

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