Ein Pakt für die Formel 1: Bernie Ecclestone und Jean Todt

Formel 1 2013

— 08.09.2013

Budgetobergrenze: Das Thema wird wieder heiß

Vor dem Hintergrund der finanziellen Nöte einiger Teams wird das Thema Budgetdeckelung wieder interessanter - Geht die Formel 1 auch günstig?



Am Beispiel von Sauber lässt sich die Situation in der Formel 1 derzeit gut ablesen. Die Schweizer, die nach dem Ausstieg von BMW das Team wieder selbst in die Hand nahmen, sind finanziell in argen Nöten. Zulieferer warten auf ihr Geld, Fahrer werden nach der Mitgift ausgesucht, neue Sponsoren in Russland gesucht. Mehrere Teams aus der Königsklasse können sich das teure Spiel nicht mehr leisten. Und 2014 kommen neue V6-Turbomotoren, die den Sport noch teurer machen.

Vor dem Hintergrund der finanziellen Sorgen bei Sauber, Lotus, Marussia und Co. wird das Thema Budgetobergrenze wieder diskutiert. Ex-FIA-Präsident Max Mosley hatte 2009 in diesem Ansatz die einzige Chance gesehen, die Formel 1 nachhaltig gesund zu gestalten. Der Brite war mit seinem Vorschlag jedoch nicht durchgekommen. Zu viele Fragen blieben unbeantwortet. Vor allem diese: Wie will man die Ausgaben der Teams eigentlich kontrollieren?

"Die Teams erhalten genügend Geld von uns, um einen konkurrenzfähigen Rennstall zu führen, aber sie geben schlicht zu viel aus. So einfach ist das", stellt Formel-1-Boss Bernie Ecclestone seine Haltung im Gespräch mit 'Sky Sports F1' dar. "Ich habe das alles schon oft erlebt. Frank Williams hat sich jeden Monat bei mir ein wenig Geld geliehen, aber er hat immer alles zurück bezahlt." Die Privatteams sind im engen Wettbewerb nahezu gezwungen, mehr auszugeben als sie haben. Immer in der Hoffnung, das etwaiger sportlicher Erfolg zusätzliche Einkünfte bringt.

Sauber fordert Maßnahmen

Dass dies so nicht funktioniert, belegt das Beispiel Sauber. Im vergangenen Jahr stand das Team sportlich sehr gut da, dennoch blieben die Sorgen - sie wurden sogar eher noch größer. "Wir reden und reden, aber wir tun nichts", meint Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn, die sich endlich konkrete Maßnahmen zur Senkung der Kosten wünscht. "Ich glaube auch, dass es dem Zuschauer irgendwann keinen Spaß mehr machen wird, immer nur zu lesen, wie dreckig es den Teams geht."

Aus Sicht der Österreicherin muss schnell gehandelt werden. Eine Budgetdeckelung sei ein adäquater Weg zur gesunden Formel 1. Die Kontrollmöglichkeiten seien ausreichend, Betrug werde es nicht geben. "Ich sage: Man wird sich daran halten", so Kaltenborn. "Ich verstehe nicht, warum man hier nicht handelt. Das Konzept liegt bereit. Es wurde auch viel Geld und Zeit darin investiert." Die Sauber-Teamchefin ist überzeugt, dass man mit deutlich weniger Geld eine ebenso gut Show liefern könnte.

"Wir dachten im vergangenen Jahr schon, dass es jetzt soweit ist. Aber dann ist wieder nichts passiert. Natürlich war die Zahl, die von dem früheren FIA-Präsidenten genannt wurde, eine sehr sportliche. Aber das war auch als Provokation zu verstehen", sagt Kaltenborn der Zeitschrift 'Blick'. Mosley hatte sich eine Obergrenze von 45 Millionen Euro pro Jahr vorgestellt. Das Problem: Unter solchen Voraussetzungen müssten Teams wie Ferrari oder McLaren hunderte Mitarbeiter auf die Straße setzen.

Berger hat leichte Zweifel

"Das kann nur auf eine Weise funktionieren: Hier ist der Gesamtbetrag, der für die Formel 1 verwendet werden darf, genauer für Racing. Was sie für Motorhomes oder zehn Jets ausgeben wollen, ist ihre Sache. Nur so könnte ein Budgetdeckel klappen", geht Ecclestone die Sache pragmatisch an. Von Kontrollmechanismen will er nichts wissen - von der akuten finanziellen Not einiger Teams allerdings auch nicht.

"Zwei bis drei Teams stehen definitiv vor dem Zusperren", stellt Ex-Formel-1-Pilot Gerhard Berger die aktuelle Lage im Gespräch mit der 'Kleinen Zeitung' dar. Der Österreicher kennt die Nöte der Königsklasse, er hat die Sorgen als Teamchef von Toro Rosso selbst kennengelernt. "Die Budgetobergrenze wäre ein Ansatz. Aber man darf nicht glauben, dass damit alle Probleme aus der Welt geschafft sind. Und darüber hinaus müssten sich dazu erst einmal alle Teams einigen", so Berger.

"Ich habe meine Zweifel, dass wir die Zuschauer immer noch so begeistern können, wenn zwei, drei Teams fehlen. Die unterschiedlichen Teams machen doch den Reiz aus", mahnt Kaltenborn vor dem drohenden Kollaps einiger Formel-1-Mannschaften. Sie fragt sich: "Früher hat man die kleinen Teams bei Entscheidungen mit ins Boot genommen. Das fehlt heute. Die kleinen Teams alleine können nicht viel anstellen. Warum sitzen heute nicht alle zusammen?"

Fotoquelle: xpbimages.com

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