Domenicali bastelt an Ferraris Zukunft und vergisst die Momente mit Massa nicht

Formel 1 2013

— 12.09.2013

Domenicali: "Ein weiterer Baustein für Ferraris Zukunft"

Der Italiener spricht über den Fahrerwechsel und Räikkönens technisches Potential - Dabei schwelgt er in Ferraris Vergangenheit und blickt in die Zukunft



Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali spricht über die neue Fahrerkombination Kimi Räikkönen/Fernando Alonso und verweist darauf, dass seit jeher bei der "Scuderia" immer das Team im Vordergrund stehe. Ebenso betont der 48-Jährige in einem Interview mit 'Ferrari.com' unter anderem, dass er von seinem neuen finnischen Piloten nicht erwartet, "dass er anfängt, Witze auf Italienisch zu erzählen oder den Clown zu spielen". Zudem vergisst Domenicali nicht die Zeit mit Felipe Massa, der 2003 als Testfahrer zu den "Roten" aus Maranello kam, von 2004 bis 2005 bei Sauber geparkt wurde, seit 2006 für Ferrari unterwegs ist und die Italiener am Saisonende verlassen wird.

Frage: "Herr Domenicali, was waren die Gründe für den Fahrerwechsel?"
Stefano Domenicali: "Wenn du einen Wechsel vornimmst, dann immer mit dem Ziel, etwas zu verbessern. Und das versuchen wir zu erreichen, indem wir einen sehr erfahrenen, talentierten und zielstrebigen Fahrer wie Kimi zurück nach Maranello holen. Ein paar Jahre haben wir an einem Modernisierungsprogramm in allen Bereichen - unseren Gebäuden, der Organisation und den Arbeitsmethoden - gearbeitet."

"Und jetzt haben wir gegenwärtig einen weiteren Baustein für die Struktur von Ferraris Zukunft. Wir werden das erste Mal eine Fahrerpaarung mit zwei Weltmeistern haben, was bereits alleine aussagekräftig ist, da sie Qualität haben und immer versuchen, zu gewinnen. Sie können sich gegenseitig helfen, unseren Rivalen wertvolle Punkte wegzunehmen."

"Vor diesem Hintergrund wissen wir sehr wohl, dass ohne ein Konkurrenzfähiges Auto noch nicht einmal Superman gewinnen kann. Unsere tagesaktuelle Priorität ist immer die gleiche, nämlich unseren Fahrern ein Auto zur Verfügung zu stellen, das in der Lage ist, immer um die Top-Plätze zu kämpfen."

Domenicali blickt in die Vergangenheit

Frage: "Einige sagen, die Fahrerpaarung Alonso/Räikkönen sei ein Dream Team, während andere behaupten, es würde mit zwei Hähnen im gleichen Hühnerstall nicht gutgehen. Wird sich etwas in der Vorgehensweise des Teams oder in der Beziehung mit Fernando Alonso ändern?"
Domenicali: "In der Vorgehensweise des Teams wird sich nichts ändern. Seit Anbeginn der Welt sind unsere Fahrer immer zu gleichen Bedingungen gestartet. Das war schon immer der Weg und er wird es auch immer sein."

"Wenn sich während der laufenden Saison die Situation ergibt, dass ein Fahrer dem anderen basierend auf der Punkte-Tabelle helfen kann, dann ist es logisch, richtig und sollte passieren. Es ist in der Vergangenheit passiert und es wird in Zukunft passieren, wie es alle Fahrer, die für Ferrari gefahren sind, demonstriert haben."

"Das ist zu Zeiten von Fangio und Collins geschehen, in jüngerer Zeit mit Salo und Irvine, als der Finne seine einzige Chance auf einen Sieg in der Formel 1 (in Hockenheim 1999; Anm. d. Red.) aufgab, um seinem Teamkollegen zu helfen, als Räikkönen von Felipe geholfen wurde (in Brasilien 2007; Anm. d. Red.), bevor er sich dafür revangieren konnte, und dann wieder mit Fernando und Felipe."

"Was das Dream Team betrifft: Ich habe nicht die Gewohnheit, mit geöffneten Augen zu träumen, es ist nicht meine Natur, das zu tun. Ich würde sagen, die Kombination Fernando und Kimi ist die beste, die man heute in der Formel 1 haben kann, in Bezug auf Talent, Erfahrung, Kampfgeist und der Fähigkeit, die Entwicklung des Autos voranzutreiben."

Das Team steht an erster Stelle

"Für alle, die denken, dass die Wahl von Kimi irgendwie eine Entscheidung gegen Alonso war, kann ich sie beruhigen: Bei Ferrari weiß jeder, dass die Interessen des Teams zuerst kommen, erst danach kommen die individuellen. Fernando ist ein Schlüssel für dieses Team und er wird es für eine lange Zeit sein. Ich bin sicher, er ist der erste, der happy mit der Entscheidung, die Gruppe zu verstärken, war, weil er zu intelligent ist um nicht zu realisieren, dass nur ein stärkeres Team ein Vorteil sein kann."

Frage: "Andere allgemeine Bedenken über Kimi sind dessen Fähigkeiten, mit Menschen in der Formel-1-Welt zu arbeiten, wo Kommunikation immer wichtiger wird, und ebenso seine Talente, die technische Entwicklung eines Autos voranzubringen".
Domenicali: "Manche Klischees sind eben hartnäckig. Wir haben drei Jahre, von 2007 bis 2009, mit Kimi gearbeitet und hatten nie ein Problem."

"Sicher, jeder hat seine eigenen Wege und du kannst nicht von einem Finnen erwarten, dass er anfängt, Witze auf Italienisch zu erzählen oder den Clown zu spielen. Um ehrlich zu sein denke ich, dass die Kombination von Fernandos ausdrucksstarkem und leidenschaftlichem, südländischem Charakter und dem coolen Style, um es mal so zu sagen, von jemandem wie Kimi vielen zu gefallen scheint, eingeschlossen der Youngster und unseren Partnern, die damit ebenso einverstanden sind."

"Von der technischen Seite aus betrachtet wissen nicht nur wir ganz genau, wie viel Kimi zu einem wichtigen Zeitpunkt wie diesem dazu beitragen kann, wo die technischen Rahmenbedingungen sich so signifikant ändern. Wir haben aber auch Informationen aus erster Hand von James Allison, wie sehr der Finne in diesem Bereich über die vergangenen zwei Jahre Fortschritte gemacht hat."

Dank an Felipe Massa

Frage: "Eine zwölfjährige Ära mit Felipe Massa geht bei Ferrari zu Ende. Wie war die Beziehung über die vergangenen Monate?"
Domenicali: "Zu Beginn des Sommers hatten wir ein Meeting, um die Situation einzuschätzen und ich wiederholte, dass eine Erneuerung unserer Vertragsvereinbarung eine Option war, vielleicht war es sogar die wahrscheinlichste."

"Dann kam eine Serie von schwierigen Rennen für ihn und das Team. Am Ende haben wir realisiert, dass die beste Entscheidung für beide Seiten eine Veränderung ist. Ich denke, dass auch für Felipe die Zeit gekommen ist und er sehen wird, dass das, was in den zwölf Jahren zu seiner Heimat geworden ist, bis zu einem gewissen Grad, immer sein zu Hause sein wird. Ich habe gesehen, wie Felipe als Kind in Maranello angekommen ist und sehe jetzt, wie er uns als gestandener Mann verlässt."

"Wir haben zusammen einige großartige Momente und einige dramatische Zeiten erlebt, was das persönliche Verhältnis zwischen uns besonders gemacht hat. Natürlich war die größte Enttäuschung, dass er nicht Weltmeister wurde, wo er doch 2008 so nah dran war. An diesem Tag und gewiss das ganze Jahr gab es einige unglaubliche Vorfälle, die gegen ihn liefen."

"Die Lektion in sportlicher Würde, die er der Welt an diesem Tag auf dem Podium in Interlagos gegeben hat und auch die Reife, die er gezeigt hat, während wir vergangene Nacht gesprochen haben, werde ich nie vergessen. Ich bin stolz, so viele Jahre mit ihm in unserem Team gearbeitet zu haben und ich bin sicher, dass er auch außerhalb des Maranello-Umfelds großartige Dinge machen kann."

Fotoquelle: Ferrari

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