Stadtrundfahrt unter Flutlicht: Singapur verkörpert ein ganz eigenes Flair

Formel 1 2013

— 19.09.2013

Umbau auf Anraten der Fahrer: Singapur ohne Singapur-Sling

Die ominöse Schikane Singapur-Sling ist einer einfachen Linkskurve gewichen - An der Herausforderung des einzigen Nachtrennens im Kalender ändert dies nichts



In der Saison 2014 soll der Grand Prix von Bahrain erstmals unter Flutlicht ausgetragen werden. Bis dahin ist und bleibt der Grand Prix von Singapur das einzige echte Nachtrennen im Formel-1-Kalender. Wie stehen die Fahrer zu dieser besonderen Herausforderung? "Es ist ausreichend genug beleuchtet, sodass man wirklich sieht, wo man hinfährt, aber es ist natürlich anders als bei Tageslicht", gibt Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel einen Einblick in die Herausforderung Singapur.

Der Weltmeister erklärt: "Es ist für die Augen einfach ein bisschen anders. Man merkt, dass man noch konzentrierter ist und sich noch mehr auf die Details konzentrieren muss, weil die Qualität des Lichts zwar sehr gut ist - also es ist hell genug - aber es ist eben nicht so wie bei Tageslicht. Man merkt einfach, dass es noch einen Tick anstrengender ist und man danach noch ein bisschen müder ist."

Jenson Button stimmt zu: "Die Lichter sind sehr hell. Es ist aber ein anderes Licht als das normale Tageslicht." Die Flutlichtanlagen liefern jedoch nicht in allen Passagen des fünf Kilometer langen Stadtkurses gleich viel Licht, wie der McLaren-Fahrer anmerkt: "Es wurde großartige Arbeit geleistet, um die Strecke auszuleuchten, aber man wird es nie perfekt hinbekommen. In einigen Kurven ist es dunkler als in anderen."

Nachtrennen und die Auswirkungen auf den Tagesablauf

Williams-Pilot Valtteri Bottas, der den Stadtkurs im asiatischen Stadtstaat am Freitag zum ersten Mal unter die Räder nimmt, meint nach seiner Besichtigungsrunde zu Fuß: "Obwohl es ein Nachtrennen ist, ist die Ausleuchtung sehr gut und hell. Es sollte keinen Unterschied machen, doch der Kurs ist schwierig mit vielen Kurven. Es gibt am Freitag viel zu lernen."

Toro-Rosso-Pilot Daniel Ricciardo formuliert die Herausforderung Singapur so: "Es handelt sich um eine sehr technische Strecke mit vielen langsamen Kurven. Man kann die Kurven unterschiedlich anfahren. Es gibt nicht nur eine Rennlinie, sondern man kann sich die Frage stellen, wie tief man in eine Kurve hineinfährt. Auf Stadtkursen kann man immer etwas mehr Zeit gutmachen, denn da gibt es Mauern. Manchmal bleiben die Fahrer einen oder einen halben Meter weg. Andere Fahrer kämpfen um jeden Zentimeter und so kann man etwas mehr Geschwindigkeit mitnehmen."

Ricciardos Teamkollege Jean-Eric Vergne bezeichnet das Singapur-Wochenende als "großartiges Rennwochenende" und begründet dies mit den Auswirkungen der ungewöhnlichen Startzeit auf den Tagesablauf aller Beteiligten: "Es ist toll, in der europäischen Zeitzone zu bleiben. Man geht um vier Uhr morgens schlafen, wacht zu Mittag auf, geht dann um ein Uhr nachmittags frühstücken. Mittagessen gibt es um sechs Uhr abends, Abendessen dann um Mitternacht."

Paul di Resta von Force India kann sich mit dem Umstand eines Nachtrennens zwar anfreunden, findet aber, dass der asiatische Stadtkurs nicht zum Konzept eines Formel-1-Boliden passt. "Auch, wenn die Randsteine ziemlich flach aussehen, muss man immer von einem zum anderen springen. Die Autos sind nicht dafür gemacht, derart über die Randsteine zu holpern. Sie sind dafür gemacht, durch Kurve eins in Suzuka zu fahren. Es ist einfach eine andere Philosophie."

Singapur-Sling gehört der Vergangenheit an

Während die Piloten die Herausforderung Nachtrennen seit dem ersten Grand Prix von Singapur im Jahr 2008 gewohnt sind, erwartet sie bei der insgesamt sechsten Ausgabe des Rennens dennoch eine Veränderung. Die ominöse Schikane Singapur-Sling (Kurve zehn) wurde entschärft. Statt links-rechts-links über die Randsteine zu springen, geht es nun nur noch einmal links, bevor die enge Passage über die Anderson-Brücke unter die Räder genommen wird.

Die Ingenieure gehen aufgrund des Umbaus von einer Verbesserung der Rundenzeiten um rund eine Sekunde aus. Doch wie stehen die Fahrer nach der Besichtigung vom Donnerstag zur Entschärfung des Singapur-Sling? "Es sieht ganz gut aus", meint Red-Bull-Pilot Mark Webber und erklärt, dass die Veränderung in erster Linie aus Sicherheitsgründen vollzogen wurde.

"Wenn man an dieser Stelle mit einem Defekt ankam, dann war die Aussicht, über die Randsteine springen zu müssen, nicht gerade prickelnd. So, wie es jetzt gelöst wurde, ist es ein wenig sicherer", findet Webber. Button meint, dass sich die neue Kurve zehn "ziemlich schnell, aber letztlich so, wie wir Fahrer uns das gewünscht hatten" präsentiert.

An bessere Überholmöglichkeiten glauben die Piloten angesichts des Umbaus aber nicht. "Ich glaube nicht, dass es besser wird. Es wird wahrscheinlich schwieriger, anderen durch die Kurve zu folgen", vermutet di Resta und vergleicht: "Vorher ging das besser, weil man so langsam war. Ich versuche an eine Kurve zu denken, die ähnlich ist, aber mir fällt keine ein - vielleicht Casino in Monaco, nur enger. Man fährt am Kurveneingang weit raus und kommt der Wand vor der nächsten Rechtskurve langsam wieder näher. Es ist so ähnlich, aber ein wenig langsamer."

Ricciardo sieht es ähnlich wie di Resta. "Das Überholen wird dadurch nicht einfacher, aber diese Ecke war ohnehin keine, die für Überholmanöver bekannt war", merkt der Australier an und bezeichnet Kurve zehn in Singapur in ihrer jetzigen Form als "normale Kurve".

Fotoquelle: xpbimages.com

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