Ein Blick auf die Waage kann auch für Formel-1-Piloten schrecklich sein

Formel 1 2013

— 03.10.2013

Haut und Knochen: Fahrer wollen Mindestgewicht diskutieren

Weil Fahrer mit einem größeren Gewicht im kommenden Jahr noch mehr Nachteile bekommen, soll über eine Anhebung des Mindestgewichts gesprochen werden



Bei den Skispringern war es jahrelang das übliche Bild, nun scheint die Formel 1 nachzuziehen: Die Ski-Adler bestanden teilweise nur noch aus Haut und Knochen, um weiter fliegen zu können, und auch in der Formel 1 ist es mit der aktuellen Gewichtsregelung ein großer Vorteil, wenn die Waage kaum nach oben ausschlägt. Je dünner ein Pilot also ist, desto besser.

Dabei geht es in den aktuellen Diskussionen schon gar nicht mehr darum, das Gewicht besser im Auto verteilen zu können. Viele Fahrer machen sich Sorgen, dass sie in der kommenden Saison nicht mehr unter das Minimum-Gewicht von 690 Kilogramm kommen, das der Fahrer zusammen mit dem Auto auf die Waage bringen muss. Für die größeren Fahrer wäre das ein Riesennachteil: "Auf den meisten Strecken sind es drei Zehntelsekunden pro zehn Kilo", rechnet Jenson Button. "Wenn man vier Kilo mehr Gewicht hat, dann ist das sehr viel - fast zwei Zehntel pro Runde."

Der McLaren-Pilot kommt zusammen mit Anzug auf rund 74 Kilogramm. Noch einmal jene vier Kilogramm mehr wiegt Nico Hülkenberg, der Gerüchten zufolge bei McLaren abgeblitzt sein soll, weil er eben diese vier Kilogramm Zusatzgewicht mitbringt. "Unglücklicherweise bin ich, was ich bin", sagt der Deutsche zu dieser Situation. "Ich bin groß und darum etwas schwerer, aber nicht so schwer, wie andere Fahrer."

Sein Landsmann Sebastian Vettel kann sich nicht vorstellen, dass McLaren einen Fahrer aus solchen Gründen nicht verpflichten würde. "Ich weiß nicht, wie viel Nico im Vergleich zu den anderen wiegt. Wenn es tatsächlich die Entscheidung des Teams war, dann ist das ein Quark." Der Heppenheimer hatte bisher nie mit Gewichtsproblemen zu kämpfen, findet aber, dass man etwas gegen diese Ungerechtigkeit tun müsse: "Ich denke, es hat keiner von uns etwas dagegen, dass jeder die gleichen Voraussetzungen oder die gleichen Chancen haben sollte", meint der Red-Bull-Pilot.

Magerwahn als falsches Modell

"Es geht jedem so, dass man weniger Platz im Auto hat, wenn man größer ist. Es sollte nicht den Unterschied machen. Vor allem sollte es kein Ausscheidungskriterium sein." Vielmehr sollte da eine Lösung von Seiten der FIA gefunden werden, anstatt die Fahrer hungern zu lassen. "Es ist unfair zu sagen: 'Ihr müsst alle abnehmen'", findet Button. "Manche von uns können einfach nicht weiter abnehmen. Man braucht Fleisch auf den Rippen und auch ein paar Muskeln, um ein Formel-1-Auto zu bewegen."

Das sieht auch Adrian Sutil so: "Wir brauchen Ausdauer und Kraft und da bringt es nichts, ausgehungert zu sein", meint der Force-India-Pilot. Dennoch gibt es auch heute noch Fahrer, die sich scheinbar ein paar Skispringer zum Vorbild genommen haben: "Alle fragen mich, warum ich so mager aussehe", spricht beispielsweise Mark Webber. "Man muss aber mager sein, denn es ist nur zu deinem eigenen Vorteil, wenn du so leicht wie möglich bist - das wirkt sich auf die Performance des Autos aus."

Angeregt durch die Diskussionen in Südkorea sind die Mitglieder der Fahrervereinigung GPDA nun auf die Idee gekommen, Lösungsvorschläge zu dem Thema zu diskutieren. So könnte beispielsweise eine Erhöhung des Mindestgewichts angedacht werden. Zwar würde man damit immer noch nicht alle Ungerechtigkeiten aus der Welt schaffen, eine Minderung der Unterschiede könnte man so aber erreichen.

Anhebung des Mindestgewichts "etwas Einfaches"

"In Sachen Gewichtslimit sehe ich keinen Grund, warum man das nicht um zehn Kilo anheben kann", meint Button. "Es wäre eigentlich etwas Einfaches, das richtigzustellen." Auch Hülkenberg wäre sehr dafür, diesen Vorschlag zur Sprache zu bringen. "Das würde es fairer für die verschiedenen Gewichtsklassen machen." Für Adrian Sutil wäre das hingegen nicht der Weisheit letzter Schluss: Er sieht dadurch keine Probleme aus der Welt geschafft.

Und auch Mark Webber spricht sich gegen eine Änderung aus, aber aus einem anderen Grund: "Ich wünsche mir nicht, dass sich das jetzt ändert, wo ich die vergangenen fünf Jahre mit diesem Reglement leben musste - das wäre enttäuschend", zwinkert er. "Nein, es wäre schon okay", fügt der Formel-1-Aussteiger an. "Sie sollen versuchen, den größeren Jungs in Zukunft ein bisschen zu helfen."

"Wir haben vor ein paar Jahren nachgefragt, aber sie haben damals nein gesagt", ergänzt er. "Die leichteren Fahrer pushen auch nicht - sie sollten sich auch darum bemühen, aber das machen sie natürlich nicht, denn für sie ist es ja gut", so Webber. Doch Button fügt an: "Vielleicht ist das so, weil wir noch nie danach gefragt haben, die Autos schwerer zu machen." Das könnte sich schon morgen ändern. "Es könnte eine Fahrerkarriere retten oder in Gang bringen. Das ist definitiv etwas, dass es wert ist, sich dafür einzusetzen."

Fotoquelle: xpb.cc

Weitere Formel 1 Themen

News

Rosberg-Rücktritt & Co.: Der Freitag in der Chronologie

News

Nico Rosberg: Die schönsten Jubelfotos

News

Formel-1-Live-Ticker: Droht Hamilton eine Suspendierung?

News

Formel-1-Live-Ticker: Der Sonntag in der Chronologie

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.