Vettel hatte auch das Südkorea-Rennen von der ersten bis zur letzten Runde im Griff

Formel 1 2013

— 06.10.2013

Vettel in der WM fast durch: Vierter Sieg in Serie!

Sebastian Vettel dominiert auch den Südkorea-Grand-Prix und gewinnt vor den beiden Lotus - Nico Hülkenberg sensationeller Sieger im Duell gegen Lewis Hamilton



"It ain't over till it's over", hat Lenny Kravitz schon gesungen - aber nach dem heutigen Grand Prix von Südkorea ist klar: Nur noch ein Weltuntergang kann verhindern, dass Sebastian Vettel 2013 zum vierten Mal hintereinander Champion wird. Nach seinem vierten Grand-Prix-Triumph en suite hat er 77 Punkte Vorsprung auf Verfolger Fernando Alonso (Ferrari) und kann somit theoretisch schon in einer Woche in Japan seinen ersten Matchball verwandeln.

Besonders gefreut haben dürfte Vettel, dass es diesmal auf dem Podium keine Buhrufe und Pfiffe gab - und die hätte er sich auch nicht verdient gehabt: Start, zwei Safety-Car-Phasen, abbauende Reifen rechts vorne - nichts konnte den Red-Bull-Piloten heute aus der Ruhe bringen. Nach 55 Runden fuhr er mit sicheren 4,2 Sekunden Vorsprung auf Kimi Räikkönen und 4,9 Sekunden Vorsprung auf Romain Grosjean (beide Lotus) über die Ziellinie.

"Ich liebe, was ich tue", freut sich Vettel über die diesmal ungetrübte Siegerehrung. "Das Team ist fantastisch, wir haben eine tolle Zeit und genießen den Moment." Den Grundstein legte er wieder einmal gleich zu Beginn: Ungefährdet durch die erste Kurve, kam der nunmehr dreimalige Südkorea-Sieger mit 2,1 Sekunden Vorsprung auf Grosjean aus der ersten Runde zurück - und beherrschte sich in der Folge, denn auf mehr als vier Sekunden wuchs der Vorsprung nie an.

Red Bull: Keine Panik wegen des Safety-Cars

Neben den beiden Safety-Car-Phasen - auf die erste reagierte Red Bull richtig, indem Vettel blitzschnell an die Box beordert wurde - hatte der Führende nur eine Herausforderung zu meistern, nämlich den Verschleiß des rechten Vorderreifens. "Der ist hier an der Grenze", weiß er, "daher ist es gut, wenn einem das Team Informationen gibt." Am Ende hatte der Medium-Reifensatz immerhin 24 Runden auf dem Buckel - weniger als bei den direkten Gegnern.

Trotzdem ging Vettel in der 53. Runde unbekümmert seinem Hobby nach und knallte wieder einmal die schnellste Rennrunde hin. Die Reaktion des Renningenieurs "Rocky" folgte prompt: "Sebastian, sei vorsichtig. Du hast sowieso schon die schnellste Runde, mit Abstand. Beende das Rennen!" Das tat er dann auch, und zwar beeindruckend: "Es ist einfach die Kombination Fahrer/Auto/Reifen", analysiert Formel-1-Experte Marc Surer.

"Der Start war sehr gut und die erste Kurve auch. Romain hat Lewis Druck gemacht, deswegen konnte ich vorne bleiben und bis zum Safety-Car einen Abstand rausfahren", erklärt Vettel. "Dann war es schwierig, einen Rhythmus zu finden, aber wir hatten heute genug Speed. Hinten raus waren die Lotus etwas schneller, sowohl Kimi als auch Romain, aber alles in allem ist das ein fantastisches Ergebnis. Wir sind einfach gut drauf im Moment!"

Silberpfeile schießen sich selbst k.o.

Die schärfsten Konkurrenten, die Silberpfeile, leisteten sich diesmal einige Fehler. Den ersten gleich in der dritten Kurve, als Lewis Hamilton von Grosjean überholt wurde, hinter dem er anschließend mangels Topspeed feststeckte. Nach dem ersten Boxenstopp wuchs der Abstand zu Grosjean dann sukzessive von zwei auf 24 Sekunden an, weil die Reifen dramatisch abbauten. "Wann holt ihr mich endlich rein, Mann?", tobte Hamilton am Funk.

In der 28. Runde erreichte das Mercedes-Drama dann einen Höhepunkt, als Nico Rosberg von hinten auf seinen Teamkollegen aufschloss und diesen sogar überholte - aber just in dem Moment wurde der Frontflügel des Deutschen locker und sorgte für spektakulären Funkenschlag. Und weil Rosberg deswegen natürlich sofort an die Box kommen musste, blieb Hamilton nichts anderes übrig, als noch eine Runde mit völlig desolaten Reifen um die Strecke zu bummeln.

Nach dem zweiten Safety-Car-Restart wurde Hamilton auch noch vom heute herausragenden Sauber-Piloten Nico Hülkenberg überrumpelt, der von Anfang an auf dem fünften Platz lag. Zwar war der Sauber auf die gesamte Runde gesehen langsamer als der Mercedes, aber in den entscheidenden Passagen half der herausragende Topspeed - und der Deutsche machte auch noch alles richtig: "Sensationell, wie Nico diesen Druck ausgehalten hat", schwärmt Experte Surer.

Hülkenberg treibt Hamilton in die Verzweiflung

Einmal war Hamilton vor der ersten Kurve schon durch, aber Hülkenberg durfte daraufhin sein DRS aktivieren und zog mühelos wieder vorbei. "Der Sauber ist mit geschlossenem Flügel genauso schnell wie der Mercedes mit offenem", analysiert Surer. Und die bessere Traktion aus der ersten Kurve heraus ließ Hamilton verzweifeln: "Habt ihr irgendwelche Ideen, wie ich es anlegen könnte?", fragte der Brite sogar schon seinen Kommandostand um Rat.

In der letzten Runde hätte Hamilton beinahe sogar noch den fünften Platz an Alonso verloren, denn durch Hülkenbergs langsames Tempo schlossen von hinten eben Alonso, Jenson Button (McLaren) und Rosberg auf. Als diese Gruppe dann über die Ziellinie fuhr, war der Jubel bei Sauber riesengroß: "Es war mit Sicherheit eines meiner besten Rennen, ein kleines Meisterstück", jubelt Hülkenberg und ergänzt: "Lewis hat dermaßen gedrückt, er war unheimlich schnell im letzten Sektor."

"Zuerst musste ich mich gegen Fernando wehren, später war es dann Lewis. Wichtig ist in solchen Situationen, dann man sich auf sich selbst konzentriert, seinen eigenen Stiefel fährt und nicht zu viel will", bilanziert er. "Das Safety-Car hat uns einerseits geholfen, denn sonst hätte ich nicht gewusst, wie am Ende meine Reifen gewesen wären - wahrscheinlich ziemlich hinüber. Meine Sorge war, dass in den letzten Runden der Reifen richtig abkackt und ich dann alles verliere."

Stallorder oder nicht bei Lotus?

Die beiden Lotus brachten die beiden Podestplatzierungen hingegen völlig ungefährdet ins Ziel. Zwar wurde Grosjean von seinem Renningenieur angefeuert, Räikkönen anzugreifen, doch irgendwann klinkte sich Teamchef Eric Boullier persönlich in den Boxenfunk ein: "Fahrt so weiter, wie ihr seid!" Der interne Positionswechsel hatte unmittelbar nach dem zweiten Safety-Car-Restart stattgefunden: "Romain hat die Konzentration verloren", so Boullier. "Das ist Teil eines Lernprozesses."

"Ich habe einen kleinen Fehler gemacht", gibt Grosjean selbst zu. "Dann kam Kimi vorbei, es wurden gelbe Flaggen geschwenkt in Kurve 3 und ich konnte kein DRS mehr verwenden." Dass seine Reifen um sechs Runden frischer waren als die des Teamkollegen, machte offenbar keinen spürbaren Unterschied. Räikkönen darf sich jedenfalls selbstbewusst über ein weiteres Podium freuen: "Wir hatten das Tempo und hätten es auch ohne das Safety-Car geschafft."

Ein Duell mit Symbolcharakter hatte er sich schon in der neunten Runde mit seinem zukünftigen Ferrari-Teamkollegen Alonso geliefert, den er nach harter, aber fairer Konfrontation schnappte. Apropos Alonso: Vettels erster Verfolger wäre beinahe schon in der ersten Runde abgeschossen worden - und zwar vom eigenen Teamkollegen! Felipe Massa selbst fiel durch den Dreher in Kurve drei ans Ende des Feldes zurück und musste am Ende mit zwei Punkten Vorlieb nehmen.

17 Autos im Ziel, 20 in der Wertung

Rosberg wurde vor Button, bei dem neuerlich ein Boxenstopp zu lang dauerte, Siebter; Massa und Sergio Perez (McLaren) komplettierten die Top 10. Esteban Gutierrez (Sauber) fehlten am Ende 0,8 Sekunden auf einen WM-Punkt. Dahinter sahen zwei Williams, zwei Caterham und zwei Marussia die Zielflagge - also insgesamt 17 Autos. Mark Webber (Red Bull) und Paul di Resta (Force India/Unfall) waren die einzigen nicht gewerteten Teilnehmer.

Webber war der Pechvogel des Tages: Zuerst bekam er die Reifenfetzen von Perez' Reifenplatzer ab, die zur ersten Safety-Car-Phase führten, weswegen er einen zusätzlichen Boxenstopp einlegen musste, und dann war er völlig schuldlos, als ihm Adrian Sutil (Force India) seitlich ins Auto knallte. Dass der Red Bull daraufhin abfackelte, erinnerte aus Sicht des Australiers auf Abschiedstournee fast an eine übertriebene Slapstick-Komödie.

Während das Heck schon lichterloh brannte, saß Webber noch ganz lässig im Cockpit: "Ich habe versucht, das Feuer selbst zu löschen, weil ich einen Feuerlöscher im Auto habe. Ich habe ja eh einen Overall an", winkt der Routinier ab. "Ich denke, das KERS hat sehr schnell Feuer gefangen, die Berührung war also ziemlich heftig. Das Feuer ist ziemlich schnell ziemlich heftig geworden. Glücklicherweise waren die Streckenposten nicht weit weg."

Ricciardos Strategie-Experiment nicht belohnt

Sein Landsmann und designierter Nachfolger, Daniel Ricciardo (Toro Rosso), wagte als einziger Pilot, der auf harten Reifen startete, ein Experiment - das beinahe aufgegangen wäre, wenn ihm nicht das Safety-Car einen Strich durch die Rechnung gemacht hätte. Kurz vor Schluss schied er dann ganz aus - und selbst der sonst immer lächelnde Sonnyboy war daraufhin so genervt, dass er das Lenkrad wutentbrannt aus dem Cockpit feuerte.

Südkorea 2013 - vielleicht der letzte Grand Prix am Gelben Meer - sorgte aber auch sonst für gute Unterhaltung. Der Südamerikaner-Vierkampf beispielsweise, in dem Massa seine Schlitzohr-Qualitäten unter Beweis stellte, oder auch das Duell Perez gegen di Resta, das noch von den FIA-Rennkommissaren untersucht wird, waren klasse Szenen. Und auch Webber zeigte nach Antäuschen gegen Alonso ein tolles Überholmanöver.

Weiter geht es schon in einer Woche mit dem Grand Prix von Japan in Suzuka. Gewinnt Vettel dort erneut, müsste Alonso schon mindestens Achter werden, um seine WM-Chancen am Leben zu erhalten. Rein rechnerisch sind auch Räikkönen und Hamilton noch im Titelrennen, praktisch ist die Messe aber längst gelesen. Die Frage ist seit heute nicht mehr ob Sebastian Vettel 2013 zum vierten Mal Weltmeister wird, sondern nur noch wo...

Fotoquelle: xpbimages.com

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