Überraschend auf der Pole in Suzuka: Mark Webber

Formel 1 2013

— 12.10.2013

Kein KERS: Vettel verliert Pole an Webber

Erstmals in Suzuka nicht auf Pole-Position: Sebastian Vettel startet als Zweiter in den Grand Prix von Japan - WM-Rivale Fernando Alonso nur Achter



Auf dem Weg zum vierten WM-Titel ist er sowieso nicht mehr zu stoppen, auf dem Weg zu seinem vierten Sieg beim Grand Prix von Japan möglicherweise aber schon: Topfavorit Sebastian Vettel fuhr im heutigen Qualifying in Suzuka zum ersten Mal in seiner Karriere nicht auf Pole-Position, sondern er musste sich aufgrund von technischen Problemen mit dem zweiten Platz hinter Red-Bull-Teamkollege Mark Webber zufrieden geben.

Vettel hatte schon im Abschlusstraining am Vormittag Probleme mit dem KERS-Hybridsystem, diese schienen aber zunächst behoben zu sein. In Q3 wurden sie wieder akut, sodass er speziell im zweiten Sektor, in dem vor allem Power gefragt ist, gegen den gleich motorisierten Webber keine Chance hatte und dort drei Zehntelsekunden verlor. Auf die Gesamtzeit gesehen fehlten dem Deutschen nur 0,174 Sekunden auf Webbers Bestmarke von 1:30.915 Minuten.

In Q2 war Vettel noch um zwei Zehntelsekunden schneller gewesen als sein Teamkollege, der um den sportlichen Wert seines Resultats weiß: "Sebastian hatte ein Problem, daher hat diese Pole-Position einen fahlen Beigeschmack", gibt Webber zu. Vettel konnte zwar mit seiner zweiten Q3-Runde einen Fehler aus der ersten Runde ausbessern, doch das war unterm Strich nicht genug. Webbers Steigerung um weitere 0,060 Sekunden wäre gar nicht mehr nötig gewesen.

Vettel zeigt Respekt vor Webbers Leistung

Völlig unzufrieden ist der amtierende und angehende Weltmeister aber nicht: "Ich wäre lieber einen Platz weiter vorne, aber wir waren gut unterwegs und das Auto hat sich gut angefühlt", gibt Vettel zu Protokoll. "Wir hatten ein Problem mit dem KERS-System, aber es ist nicht meine Art, nach Ausreden zu suchen. Mark hat heute einen super Job gemacht und hat besonders im dritten Qualifying zwei fantastische Runden abgeliefert. Ich denke, dass es morgen knapp wird."

Allerdings eher nur teamintern, denn Mercedes war heute nicht die befürchtet starke Konkurrenz. "Es ist momentan zäher als vor der Sommerpause. Wir müssen draufkommen, woran das liegt", seufzt Sportchef Toto Wolff. Lewis Hamilton (+0,338) machte noch das Beste aus der Situation, gewann das teaminterne Stallduell gegen Nico Rosberg (6.) um 0,144 Sekunden und sicherte sich den dritten Platz, mit dem er "sehr glücklich" ist.

Neben dem Briten steht Romain Grosjean (+0,450) in der zweiten Startreihe, gefolgt von Felipe Massa (+0,463) auf Rang fünf. Damit hatten bei Lotus beziehungsweise Ferrari jeweils die nominellen Nummer-2-Fahrer die Nase vorne - ein Trend, der sich schon in den Trainings abgezeichnet hatte. Fernando Alonso (+0,750) wurde Achter (sollte er dieses Ergebnis morgen halten, kann Vettel noch nicht Weltmeister werden), 19 Tausendstelsekunden vor Kimi Räikkönen.

Hülkenberg setzt seinen Aufwärtstrend fort

Mittendrin in der Weltspitze, auch eine Woche nach Südkorea: Nico Hülkenberg. Der Sauber-Pilot ist "sehr zufrieden und ein bisschen überrascht" über seinen siebten Startplatz: "Wir stehen vor ein, zwei Autos, die eigentlich schneller sind als wir, aber das nimmt man gerne mit!" Dass seine Performance kein Zufall war, beweisen die zehnten Plätze in Q1 und Q2, und auch Teamkollege Esteban Gutierrez (14.) brummte er diesmal gut zwei Zehntelsekunden Rückstand auf.

Die McLaren-Piloten Jenson Button und Sergio Perez wurden Zehnter und Elfter, gefolgt von Paul di Resta (Force India), der in Q2 mit Platz fünf ein Ausrufezeichen setzen konnte. Immerhin war er um mehr als eine halbe Sekunde schneller als Teamkollege und Japan-Fan Adrian Sutil, der als 17. schon nach 20 Minuten die Segel streichen musste und wegen einer Plus-Fünf-Strafe nach Getriebewechsel sogar in die letzte Startreihe abrutscht.

Feurig war es heute schon in Q1 zugegangen: Zuerst brannte der Sauber von Gutierrez an der Box, was den Mexikaner dazu veranlasste, nervös aus dem Cockpit zu springen, in Wahrheit aber keine Folgen hatte. Und dann mussten auf der Strecke auch noch die lichterloh brennenden Hinterradbremsen von Jean-Eric Vergne (18./Toro Rosso) gelöscht werden. Die Session wurde daraufhin 2:55 Minuten vor Ablauf der Zeit kurz unterbrochen.

Starke Leistung: Chilton bester Nachzügler

Vergnes Teamkollege Daniel Ricciardo rundete als Q2-Letzter mit Platz 16 das enttäuschende Toro-Rosso-Ergebnis ab. Schnellster des "Nachzügler-Qualifyings" war diesmal überraschenderweise Max Chilton (Marussia) mit einem Vorsprung von 0,236 Sekunden auf Charles Pic (Caterham). Jules Bianchi (22./Marussia) hatte mit dem nach dem gestrigen Crash neu aufgebauten Chassis den ganzen Tag schwer zu kämpfen und wurde Letzter.

Für das morgige Rennen ist Red Bull nun haushoher Favorit. Hamilton gibt sich trotzdem nicht geschlagen: "Realistischerweise war klar, dass wir die Red Bulls nicht herausfordern würden, aber wir haben ein gutes Paket. Der Reifenverschleiß wird der Schlüssel sein. Wir starten auf der sauberen Seite. Hoffentlich kommen wir gleich gut weg - und dann wollen wir die beiden da vorne nicht zu weit davonziehen lassen, sondern es mit ihnen aufnehmen", kündigt er an.

Teamchef Christian Horner hat zudem auch Lotus auf der Rechnung, besonders nach den ordentlichen Longrun-Zeiten von Grosjean am Freitag, und "Fernando ist immer eine Bedrohung", ergänzt er. Teamintern sieht Experte Marc Surer Vettel gegenüber Webber im Vorteil, und zwar nicht wegen einer möglichen Stallorder: "Normalerweise ist das Problem schon behoben, weil Webber grundsätzlich schlecht startet. Platz zwei ist fast wie eine Pole."

Fotoquelle: xpbimages.com

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