Aufbruch in eine neue Ära: Das neue Reglement fordert auch Force India

Formel 1 2013

— 30.10.2013

2014: Kühlung und neues Bremssystem als Herausforderungen

Welche Bereiche des Reglements 2014 Force India Kopfzerbrechen bereiten, wie sich das Auto optisch ändert und wie viel vom aktuellen Boliden übernommen wird



Nach Jahren der Red-Bull-Dominanz startete die Formel 1 kommende Saison mit einem weißen Blatt Papier. Das Reglement wird komplett auf den Kopf gestellt - die 2,4-Liter-V8-Saugmotoren werden durch 1,6-Liter-V6-Turbos ersetzt, auch die Aerodynamik und dadurch das optische Erscheinungsbild der Boliden wird sich deutlich ändern.

Force India hat für 2014 große Pläne: Kommende Saison möchte das kleine Team mit Sitz in Silverstone ein ständiger Podestkandidat sein - einer der Gründe, warum man die Entwicklung des aktuellen Autos so früh abbrach und dadurch in der zweiten Saisonhälfte deutlich zurückfiel. Die Vorbereitungen für die kommende Saison laufen aber nach Plan. "Wir sind mit dem Design des 2014er-Autos bereits weit fortgeschritten", erklärt Teamchef Vijay Mallya gegenüber 'Formula1.com'.

"Wir haben Anfang Mai damit begonnen, also haben wir uns genug Zeit genommen - und die Entwicklung läuft ganz ordentlich." Was sich der Inder mit seinem Team für 2014 vorgenommen hat? "Das Traumziel wäre Platz fünf in der Konstrukteurs-WM - und zufrieden wäre ich mit Platz sechs in der Konstrukteurs-WM."

Nur fünf Prozent des alten Autos werden übernommen

Tatsächlich bedeutet das veränderte Reglement einen Neustart für das Team. "Wir übernehmen weniger als fünf Prozent des Autos 2013 für die kommende Saison, normalerweise sind es 30 Prozent", bestätigt Technikchef Andy Green. "Gerade mal die Servolenkung bleibt gleich, aber das ist es auch schon, so wie es aussieht."

Das bedeutet auch für die Technikbüros ein deutliches Umdenken: "Das Design ist völlig neu. Die Leute müssen sich also von ihren täglichen Routinen verabschieden, können sich nicht mehr auf das Vorjahresauto berufen. Der Designprozess dauert dadurch länger." Vor allem für ein Team wie Force India mit einer kleinen Forschungs- und Entwicklungsabteilung: "Wir müssen etwas klüger sein als die anderen und rasche Entscheidungen treffen, ohne das Gesamtbild komplett zu verstehen."

Force India ortet keine offensichtlichen Grauzonen

Auch Force India hat das Reglement im Vorfeld genau überprüft: Wo gibt es Grauzonen? Wo kann man sich gegenüber der Konkurrenz einen entscheidenden Vorteil erarbeiten? Zu stark ist nach wie vor die Erinnerungen an die Saison 2009, als das Brawn-Team mit einem Doppeldiffusor überraschte und so mit Jenson Button zum Titel fuhr.

Green rechnet 2014 nicht mit einem derartigen Szenario: "Zu 99 Prozent" sei das Reglement klar, die Grauzonen seien "nicht so entscheidend". Ausschließen will er es aber auch nicht, dass ein Team den Stein der Weisen entdeckt hat: "Sag niemals nie. Es wird aber immer schwieriger, diese Schlupflöcher zu finden."

Kühlungsanforderungen 2014 um ein Drittel höher

Green ist der Ansicht, dass neben dem Motor vor allem die Kühlung eine entscheidende Rolle spielen wird. "Die Kühlungsanforderungen für das Triebwerk sind in der kommenden Saison riesig. Sie sind um ein Drittel höher als dieses Jahr. Wir bauen überall eine Kühlung ein, wo wir Platz dafür finden", grinst er. "Das Team, das in diesem Bereich den besten Weg findet, ist einen Schritt voraus. Es handelt sich dabei um einen Kompromiss zwischen Kühlung und Aerodynamik."

Der riesige Kühler für den Turbolader wird sich auch auf das Design der Heckpartie auswirken. "Sie wird wegen der Kühlungsschwierigkeiten etwas größer, etwas aufgeblasener aussehen", gibt Green interessante Einblicke. Überhaupt wird sich der Bolide deutlich von seinem Vorgänger unterscheiden: "Ich glaube nicht, dass man die beiden nebeneinander verwechseln könnte. Und das neue sieht nicht unbedingt besser aus. Bei der Frontpartie gibt es die größten Änderungen."

Neues elektronisches Bremssystem wird 2014 eingeführt

Für rauchende Köpfe wird allerdings die Hinterachse sorgen: Das doppelt so leistungsstarke Energie-Rückgewinnungs-System wird das Bremsverhalten der Autos deutlich mehr beeinträchtigen als das ohnehin schon heikle KERS, das seit 2009 verwendet wird. Da sich ein Generator an der Hinterachse zuschaltet, um Bremsenergie zu speichern, verändert sich die Bremsbalance, was den Piloten irritiert.

Um zu verhindern, dass dies 2014 noch deutlich größere Ausmaße annimmt und der Fahrer die Bremsbalance ständig verstellen muss, wird ein elektronisches Bremssystem an der Hinterachse erlaubt. Da die Teams bislang damit keine Erfahrung haben, wird auch diese neue Errungenschaft in der Formel 1 die Wintertests prägen.

Bremssystem wird Wintertests prägen

"Wenn die Autos in Jerez erstmals die Boxen verlassen, werden alle ihre Bremsbalance-Systeme testen", ist Green sicher. "Es handelt sich schließlich um ein völlig neues, aktives System für die hintere Bremsbalance." Force India testete Teile des Systems bereits im aktuellen Auto, um einen ersten Eindruck zu gewinnen.

Fazit: "Die Aufgabe wird enorm sein, dieses System bei den Wintertests abzustimmen. Alles wirkt sich auf den Fahrer aus - es benötigt also viel Feinabstimmung. Das hinzubekommen, wird sich auf die Performance enorm auswirken." Vor allem bei Regen und rutschiger Piste müssen sich die Fahrer auf das System verlassen können - daher hofft man bei Force India zumindest auf etwas Regen in Jerez, damit man im Rennen keine kalte Dusche erlebt.

Fotoquelle: xpbimages.com

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