Felipe Massa will nicht um jeden Preis ein Formel-1-Cockpit ergattern

Formel 1 2013

— 31.10.2013

Massa bangt um Zukunft: "Brasilien hat ein Fahrer-Problem"

Felipe Massa steht vor einer ungewissen Zukunft: Wieso er lieber aufhört, als Paydriver zu sein, Brasilien ein Problem hat und sein Sohn Fußballer werden soll



Felipe Massa pokert nach wie vor um ein Cockpit in der Formel 1. Der Ferrari-Pilot wurde zuletzt mit Williams in Verbindung gebracht, wo Pastor Maldonado vor dem Abschied steht. In der Medienrunde am Donnerstag spricht der Brasilianer über seine aktuelle Lage, sein Desinteresse an einem Paydriver-Job und den Untergang der einst so großen Formel-1-Fahrer-Nation Brasilien, der eine Saison ohne Lokalmatador droht.

Frage: "Felipe, es gibt Gerüchte über Pastor Maldonado und Lotus. Wie wirkt sich das auf deine Williams-Pläne aus?"
Felipe Massa: "Ich habe nie gesagt, dass es sich um Williams handelt - das wart ihr. Ich habe nicht über Teams gesprochen. Wie ich gesagt habe, spreche ich mit ein paar Teams, und nichts ist entschieden. Daran arbeiten wir."

Frage: "Seit du nach Europa kamst, hast du es durch dein Können immer geschafft, ein Cockpit zu ergattern. Jetzt müssen Fahrer Geld mitbringen. Inwiefern ändert das deine Perspektive?"
Massa: "Ich kam 2000 nach Europa und fuhr in der Formel Renault. Davor war ich eineinhalb Jahre in Brasilien - ich habe 1998 zur Saisonmitte begonnen, 1999 fuhr ich in Brasilien in der Formel Chevrolet. Eigentlich musste ich nie Geld mitbringen, nur in den Nachwuchsformeln benötigte ich Sponsoren. In der Formel 1 war ich immer ein Profi, hatte mein Gehalt, brachte nie Geld mit, um Rennen zu fahren. Das wird sich auch nicht ändern."

"Ich werde bei keinem Team unterschreiben, wo das erste Gesprächsthema Sponsoren ist. Das ist nicht Teil meines Lebens, und das war es nie. Das wird sich auch jetzt nicht ändern, wo ich mehr als die Hälfte meiner Formel-1-Karriere hinter mir habe. Das heißt jetzt nicht, dass ich keine Sponsoren finde. Ich kann helfen, aber auf eine professionelle Art und Weise. Nicht, wenn man mir sagt, du fährst hier nur, wenn du Geld auftreibst. Das wird es nie geben."

Lieber Formel-1-Pension als Paydriver

Frage: "Und wenn die Alternative zu einem Job als Paydriver das Formel-1-Aus ist?"
Massa: (winkt mit seiner Hand, als würde er sich verabschieden) "Ich weiß es nicht, aber wie gesagt - ich werde nicht versuchen, Geld aufzutreiben, damit ich fahren kann. Gottseidank ist mir in meinem Leben mehr gelungen als ich erwartet habe, aber ich werde keine Sponsoren suchen, weil das nicht professionell ist. Wenn ich auf professionellem Wege einen Sponsor finde, dann ist das gut. Weil ein Sponsor helfen kann - bei der Entwicklung des Autos, all diesen Dingen."

Frage: "Du kommst von einem Topteam, und alle anderen Topteams sind voll besetzt. Besteht die Befürchtung, dass du auf dem absteigenden Ast bist?"
Massa: "Ich weiß es nicht. Vielleicht. Es motiviert mich aber, dass sich kommende Saison alles ändern wird - alles beginnt bei null, und es handelt sich um eine der größten Änderungen in der Geschichte der Formel 1. Selbst wenn ich zu einem Team gehe, das derzeit nicht gewinnt, ist es nicht unmöglich, nächstes Jahr ein konkurrenzfähiges Auto zu haben. Es wird viel Arbeit notwendig sein. Warten wir mal ab."

Frage: "Macht es dir Sorgen, dass wir talentierte Fahrer wie dich verlieren könnten, nur weil du nicht die finanzielle Unterstützung hast, die andere unerfahrene Piloten mitbringen?"
Massa: "Ja, das ist eine große Sorge für die Formel 1. Die Formel 1 ist die wichtigste Motorsport-Klasse, es ist die Königsklasse. Es ist nicht schön zu sehen, wenn ein junger Fahrer, der das Zeug für die Formel 1 und unglaubliches Talent hat, vielleicht keine Chance in der Formel 1 bekommt. Oder wenn ein talentierter Kerl, der alles mitbringt, seinen Platz verliert, weil ein anderer Fahrer mit viel weniger Talent und geringem Potenzial kommt, aber das Geld hat. Das ist aber kein neues Problem, es existiert schon seit einigen Jahren. So sollte es in der Königsklasse nicht sein."

Ende einer Formel-1-Nation?

Frage: "In der Geschichte gab es immer einen guten brasilianischen Fahrer. Wie wichtig ist es für das Interesse der Brasilianer an der Formel 1, dass nächstes Jahr noch ein Lokalmatador - höchstwahrscheinlich du - am Start ist?"
Massa: "Ich glaube, dass es wichtig ist. Wir hatten immer brasilianische Fahrer in der Formel 1, sie waren immer erfolgreich. Es ist schade, dass sich die Situation in den vergangenen Jahren so entwickelt hat. Ich bin der einzige brasilianische Fahrer in der Formel 1 und besitze noch keinen Vertrag für nächstes Jahr. Das wäre auf jeden Fall ein großer Verlust für Brasilien, wenn ich nicht fahre. Oder wenn überhaupt kein brasilianischer Fahrer fahren würde."

"Die Brasilianer haben den Motorsport im Blut. Hoffentlich kann ich weiter für mein Land kämpfen, aber das Problem besteht schon länger. Ich erinnere mich, als ich nach Europa kam, da hat in jeder Serie ein Brasilianer um die Meisterschaft gekämpft: in der britischen Formel 3, in der Formel Renault war es ich, aber es gab auch andere Brasilianer. In allen wichtigen Serien - Formel 3000, da gab es sogar ein brasilianisches Team - war Brasilien da, das ist nun in keiner Serie mehr der Fall."

"Das Problem geht von Brasilien aus. Unser Verband, die Herangehensweise an den Rennsport - das hat sich komplett geändert. Früher war es auch teuer, das ist nicht das Problem, außerdem hat Brasilien diesbezüglich jetzt bessere Möglichkeiten. Irgendetwas hat sich also verändert. Felipe Nasr ist im Moment der einzige, der eine kleine Chance hat, es in die Formel 1 zu schaffen, aber abgesehen von ihm sehe ich niemanden, der das Talent oder die Möglichkeiten hätte. Vielleicht ist das ein Problem für unsere Zukunft."

Frage: "Vielleicht müssen wir beten, dass es dein Sohn Felipinho schafft."
Massa: "Ich bin nicht sicher, mal abwarten. Das hängt nicht von euch, sondern zu 100 Prozent von ihm ab. Wenn er das Talent hat und ein Fahrer sein will, dann werde ich ihm auf jeden Fall helfen, aber er muss das entscheiden. Ich werde meinen Sohn sicher nicht dazu drängen, Rennfahrer zu werden. Fußball wäre besser - dann könnte ich ins Stadion gehen, Pommes essen und ihm beim Spielen zuschauen. Das ist doch viel besser als dieser Lärm hier."

Fotoquelle: xpbimages.com

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