Der "Iceman" will dem säumigen Lotus-Team die kalte Schulter zeigen

Formel 1 2013

— 01.11.2013

Räikkönen hat die Nase voll: Kein Lotus-Gehalt, keine Rennen!

Der angehende Ferrari-Star will in Austin und Sao Paulo nicht mehr fahren, wenn er nicht endlich Geld aus Enstone sieht: "Irgendwo muss ich den Strich ziehen"



Bei Lotus kocht der Kessel über: Nachdem Starpilot Kimi Räikkönen wegen ausbleibender Gehaltszahlungen erst nur maulte, droht der Finne jetzt, die Brocken bei den Schwarz-Goldenen komplett hinzuwerfen. Nach Informationen von 'Motorsport-Total.com' wäre er für den Abu-Dhabi-Grand-Prix an diesem Wochenende beinahe nicht angereist, entschied sich aber in letzter Minute doch für einen Einsatz. Sein Auftritt bei den abschließenden Saisonrennen in Austin und Sao Paulo bleibt jedoch ungewiss.

Offenbar soll sich bis Sonntag entscheiden, ob Räikkönen in den USA und in Brasilien am Start ist oder nicht. Nachdem er den Medientag geschwänzt - oder eben ganz bewusst ausgelassen - hatte, teilt der Ex-Weltmeister den Journalisten am Freitag nach dem Freien Training mit: "Ich bin in der Hoffnung hierher gekommen, ein Übereinkommen über ein paar Probleme zu finden, die wir haben." Gemeint sind offenbar Zahlungsschwierigkeiten, die Räikkönen seit Monaten ein Dorn im Auge sind.

Insidern zufolge hatte die Finanzsituation bei Lotus maßgeblich zu seinem Ferrari-Wechsel 2014 beigetragen. Doch noch macht Räikkönen seinem derzeitigen Arbeitgeber Hoffnung, sollte der irgendwo einen Geldkoffer auftreiben: "Wenn uns das gelingt, kann ich die Saison hier beenden", macht er die Bedingungen klar. Doch was, wenn Lotus kein Geld herbeizaubern kann? Zieht er es in Erwägung, vorzeitig in die Winterpause zu gehen und das Team mit einem Ersatzmann um Rang zwei in der Konstrukteurs-WM kämpfen zu lassen? "Sicher", fährt Räikkönen schwere Geschütze auf.

Nicht nur Räikkönen sitzt auf dem Trockenen

Nur Herzblut alleine reicht dem 33-Jährigen nicht: "Ich habe Spaß am Rennfahren, aber ein großer Teil ist auch Geschäft. Wenn damit nicht umgegangen wird, wie damit umgegangen werden sollte, dann haben wir eine unglückliche Situation." Er macht keinen Hehl daraus, dass er die Nase voll hat. "Irgendwo muss ich einen Strich ziehen. Wenn es darüber hinaus geht, ist es nicht mehr mein Fehler." Eric Boullier ist bemüht, die Lage zu beschwichtigen, nachdem Räikkönen selbst die Sache öffentlich gemacht hatte: "Er ist hier, also", gibt der Lotus-Teamchef Entwarnung.

Der Franzose zeigt sich der Presse gegenüber aber schmallippig: "Ich kann nur einen Teil dieser Fragen beantworten", sagt er und verweist auf den Boss: "Es gab ein Gespräch zwischen Gerard (Lopez, Lotus-Mehrheitseigner, Anm. d. Red.) und Kimi, es betrifft auch unsere Mutterfirma und unsere Teilhaber." Offenbar warten also noch weitere Mitarbeiter auf ihr Gehalt. Wer eins und eins zusammenzählt, der kommt schnell darauf, dass der zornige Funkspruch Alan Permanes in Indien noch einen ganz anderen Hintergrund hat.

Boullier genervt von Funkspruch-Debatte

Boullier wirkt genervt: "Ihr versucht, Dinge zu vermischen und eine große Geschichte daraus zu machen", faucht er die Journalisten in Abu Dhabi an und stellt die Rennsituation in den Vordergrund - nicht etwaige Scharmützel hinter den Kulissen. "Er hat da einfach für Stress gesorgt und es fiel ein Satz. Da gibt es eben mehr Emotionen. Kimi zeigt auch welche. Wir glauben, er ist ein ganz normaler Typ", so der Teamchef über die Angelegenheit. Räikkönen zieht da keine Chinesische Mauer zur Gesamtsituation: "Das ist ein kleiner Teil davon", erklärt der Mann aus Espoo. "So etwas sollte nicht passieren, aber das ist nicht das Hauptproblem."

Für ihn sei Noida 2013 "ein Rennen wie jedes andere" gewesen. Finanziell auf dem Trockenen zu sitzen scheint seine Bereitschaft, Platz für Romain Grosjean zu machen, nicht unbedingt multipliziert zu haben: "Es ist nicht schön, wenn du hörst, dass du kein Teamplayer bist, aber das ganze Jahr hindurch keinen einzigen Euro siehst", ärgert sich Räikkönen. Boullier tritt wieder auf die Bremse: "Weil früher der Boxenfunk nicht ausgestrahlt wurde", erklärt er, warum der Permane-Funkspruch so hochgekocht worden sei: "Ich kenne eine Million Geschichten, die viel schlimmer waren. Ich habe sogar schon gehört, dass ein Fahrer seinem Teamchef eine geknallt hat, also erzählt mir nicht, dass das der schlimmste Zwischenfall aller Zeiten war."

Fotoquelle: xpbimages.com

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