Luca di Montezemolo hatte offenbar Klebstoff an sein Sakko geschmiert

Formel 1 2013

— 10.11.2013

Arrividerci, Felipe! Ferraris kleine Schmierenkomödie

Herzschmerz-Abschied beim Ferrari-Weltfinale: di Montezemolo überschüttet Massa mit Lob und Liebkosungen - Brasilianer spricht von "großem Glück"



Ferrari hat seinem scheidenden Piloten Felipe Massa am Sonntag in Mugello ein Lebewohl bereitet. Zwei Grands Prix vor seinem eigentlichen Abschied von der Scuderia durfte sich der Brasilianer beim Weltfinale der Roten in Mugello vor 15.000 Fans im toskanischen Dauerregen feiern lassen. In einer Inszenierung, deren Grenzen zwischen Herzschmerz, Schmierenkomödie, Gefühlsduselei und Motorsport fließend waren, präsentierte sich der frühere Vizeweltmeister den Tifosi auch mit Showrunden.

Es war ausgerechnet der Ort, an dem Massa im Jahr 2001 im Sauber seine ersten Kilometer in einem Formel-1-Auto abgespult hatte. "Felipe war ein echter Ferrari-Mann und er wird immer Teil unserer Gesichte sein", sagt Präsident Luca di Montezemolo. Massa drückt auf die Tränendrüse: "Ich hatte großes Glück und eine tolle Karriere bei Ferrari. Sie dauerte länger als ich es mir am Anfang hätte träumen lassen. Als ich als Kind mit dem Motorsport begann, hatte ich einen roten Ferrari-Overall, denn es war das Team, das ich immer unterstützt habe", so der 32-Jährige.

Er stellt die Scuderia über die Zuneigung zu seinen berühmten Landsleuten: "Sogar als Senna bei McLaren und Piquet bei Williams war, jubelte ich für Ferrari." Di Montezomolo holt zu weiteren Lobeshymnen aus und erinnert an den schweren Unfall im Qualifying zum Ungarn-Grand-Prix 2009, als Massa ein Teil des BrawnGP-Boliden von Rubens Barrichello den Helm zerschlug und ihn schwer verletzte: "Wir haben großartige Zeiten miteinander verbracht, wobei andere etwas schwieriger waren - wie der Unfall in Budapest." Anschließend gewann Massa kein Rennen mehr.

Massa spricht von "wichtigem Lebensabschnitt"

Trotzdem stilisiert di Montezemolo seinen Noch-Angestellten zum Heroen und reißt eine alte Wunde wieder auf, wenn er über den auf der Zielgeraden verlorenen WM-Titel von 2008 spricht, den sich Lewis Hamilton damals auf den letzten Metern der Saison im Regen von Sao Paulo sicherte: "Mit all den Grands Prix, die er für uns gefahren ist, den Siegen, den Pole-Positions und diese wenigen Sekunden an einem Tag in Brasilien, als er Weltmeister war - vor diesem Überholmanöver, dass mir noch immer etwas seltsam erscheint."

Für Massa gab es nicht nur einen riesigen Pokal mit einer Gravur seiner elf Rennsiege für Ferrari, sondern auch noch einen Duden voller warmer Worte: "Heute will ich ihm vor aller Augen danken, wie ich es schon privat unter vier Augen getan habe", schwelgt di Montezemolo. Auch der Südamerikaner wird sentimental: "Ein wichtiger Teil meines Lebens", meint er über acht Jahre in Rot. "Ich habe viele Freunde bei Ferrari und werde sie vermissen genau wie die Tage in der Fabrik in Maranello. Ich bin froh, wie sich meine Zeit im Zeichen des springenden Pferdes entwickelt hat."

Di Montezemolo wünscht "das Beste hinter einem Ferrari"

"Diese Erinnerungen bleiben mir wie so viele gemeinsame Momente, allen voran die Siege", so Massa, der den Schicksalsschlag von 2008 offenbar verdaut hat. "Wenn ich zum Beispiel an Sao Paulo denke: mein Heimsieg war fantastisch. Das war nicht das Rennen, bei dem ich den WM-Titel verloren habe. Wenn man mit einem Punkt Rückstand Zweiter wird, kommen so viele andere Gelegenheiten infrage." Der Ferrari-Boss will den Abschied allen Sentimentalitäten zum Trotz nicht in Abrede stellen: "Ich denke, die Entscheidung, getrennte Wege zu gehen, ist die richtige."

Di Montezomolo hat sich noch Blumen für das verbale Herzschmerz-Finale behalten: "Wenn einer einer Trennung stillschweigend zustimmt, weil es für beide Seiten das Beste ist, kann das in ruhiger und freundschaftlicher Atmosphäre geschehen. Das war diesmal der Fall", so der Italiener. "Ich wünsche Felipe jeden erdenklichen Erfolg. Für den Rest seiner Formel-1-Karriere wünsche ich ihm das Beste, aber natürlich hinter einem Ferrari. Ganz sicher wird es noch viele Gelegenheiten geben, ihn zu treffen, weil das Leben lang ist und er immer Teil unserer Familie sein wird."

Fotoquelle: Ferrari

Weitere Formel 1 Themen

News

Rosberg-Rücktritt & Co.: Der Freitag in der Chronologie

News

Formel-1-Titel, die nicht verteidigt wurden

News

Formel-1-Live-Ticker: Droht Hamilton eine Suspendierung?

News

Wonneproppen bis Weltmeister: Nico Rosberg

Diesen Beitrag empfehlen

Kommentare

Datenschutz

Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

comments powered by Disqus
Anzeige

Automarkt

Finden Sie im Automarkt von autobild.de Ihren Gebrauchtwagen.

Bei autohaus24.de Neuwagen günstig kaufen und Geld sparen.