Sieht Red Bull in der kommenden Saison Ferrari nur noch von hinten?

Formel 1 2013

— 16.11.2013

Umbruch 2014: Ist die Zeit reif für die Ferrari-Dominanz?

Ferrari will Red Bull 2014 vom Formel-1-Thron verdrängen - Wieso Technikchef Allison dies für realistisch hält und wie man sich auf die Reglement-Revolution vorbereitet



2009 gelang es Red Bull, sich durch die Reglementrevolution an die Spitze der Formel 1 zu katapultieren und die Platzhirsche Ferrari und McLaren abzulösen. Doch die Roten aus Maranello haben genug von der Red-Bull-Dominanz - 2014 wollen sie sich revanchieren und die alten Machtverhältnisse wieder herstellen. Da werden keine Kosten und Mühen gescheut, denn die kommende Saison könnte die Machtverhältnisse in der Formel 1 völlig neu ordnen.

"Diese Reglementänderungen sind die bislang größten in der Ära der modernen Formel 1. Natürlich bieten sich dadurch Möglichkeiten, die wir nutzen müssen", weiß Ferrari-Teamchef Stefano Domenicali, unter dessen Führung abgesehen vom Triumph in der Konstrukteurs-WM 2008 noch kein Titel eingefahren wurde. "Wir haben viele Änderungen in unserem Unternehmen gemacht, wir haben unsere Werkzeuge und unsere Ausrüstung verbessert, damit wir in allen Bereichen, wo es kommende Saison Änderungen gibt, gut aufgestellt sind."

Die vergangenen Jahre gehen bei Ferrari als Ära der Reformen in die Geschichte ein. Domenicali ließ kaum einen Stein auf dem anderen, befreite die Scuderia vom Staub, der sich nach den erfolgreichen Schumacher-Jahren angesetzt hatte. Dass er wirklich nichts dem Zufall überlassen will, bewies der Mann aus Imola mit dem Engagement von Lotus-Genie James Allison, der Pat Fry nach nur zwei Jahren als Technikchef ersetzt. Der ehemalige McLaren-Mann musste weichen und wurde zum Ingenieursdirektor degradiert - für Eitelkeiten ist bei Ferrari kein Platz.

Allison würdigt Vorgänger Frys Reformen

"Kommende Saison hat jedes Team die Gelegenheit, zu dominieren, wenn man gute Arbeit leistet", sieht Allison von präventiven Ausreden ab."Klar, Red Bull ist sehr stark. Sie sind seit einigen Jahren sehr stark. Aber jeder, der diesen Sport schon seit einiger Zeit verfolgt, weiß, dass nichts ewig währt. Wir wollen ihnen auf jeden Fall die Krone wegnehmen und uns für einen längeren Zeitraum an die Spitze schieben."

Der Brite weiß, dass dies auch der einzig gültige Anspruch für Ferrari ist - Platz zwei ist in Maranello zu wenig. "Ferrari ist ein extrem prestigereiches Team mit großen Ressourcen und extrem hohen Erwartungen", sagt er. "Nur der Sieg ist daher für Ferrari gut genug. Der Druck ist enorm, dem gereicht zu werden." Dennoch hält er es für "absolut realistisch, das zu erreichen". Dabei schont er auch sich selbst nicht: "Es handelt sich um eine riesige Aufgabe, die im Leben definitiv kaum Spielraum für etwas anderes als den Job lässt."

Dennoch gibt er sich als klarer Teamplayer und würdigt die Arbeit seines Vorgängers. "Ich habe großes Glück, in einer Zeit zu Ferrari zu kommen, wo ich auf der Basisarbeit aufbauen kann, die Pat in den vergangenen Jahren absolviert hat - er hat die Werkzeuge und die Infrastruktur aufgebaut, damit das Team wieder ganz an der Spitze mitkämpfen kann."

Wie Allison seine Rolle bei Ferrari versteht

Der Brite stellt klar, dass er nicht zu Ferrari geholt wurde, um das beste Auto zu designen, sondern, um den Überblick über ein wahres Heer von Ingenieuren zu haben, dieses mit viel Fingerspitzen-Gefühl in die richtige Richtung zu lenken und eventuelle Schwächen in der Mannschaft auszumerzen. Zudem muss er die Ressourcen in den entscheidenden Bereichen einsetzen, damit die Truppe effektiv arbeitet.

"Es geht auch um eine allgemeine Einschätzung, wie viel Risiko wir nehmen sollten, wie mutig wir bei den Innovationen sein sollten und wo vielleicht etwas mehr Vorsicht angebracht ist", erklärt er. Bei Lotus hat Allison bewiesen, dass er diesbezüglich zu den Besten seiner Zunft zählt, schließlich gelang es der Truppe aus Enstone, auch mit geringeren Ressourcen die absoluten Topteams zu ärgern. Auch er spricht von den "größten Reglementänderungen" seiner Formel-1-Karriere.

Allison zeichnet bei Ferrari vor allem für die Aerodynamik verantwortlich - im Zentrum der Reglementänderungen steht aber der Wechsel von den 2,4-Liter-V8-Saugmotoren auf die 1,6-Liter-V6-Turbos mit Hybridantrieb. Wird dadurch sein größter Kompetenzbereich entwertet? "Die Aerodynamik wird weiterhin ein fundamentaler Faktor sein, um das Auto schnell zu machen", winkt er ab. Er gibt aber zu, dass es die größte Herausforderung sei, "das Triebwerk im Auto unterzubringen".

Motor: Zuverlässigkeit als Schlüsselfaktor

Viel wird also von der Arbeit der Abteilung von Luca Marmorini abhängen. Der Italiener ist Direktor der Motoren- und Elektronikabteilung. Gerüchten zufolge soll das neue Ferrari-Triebwerk in Hinblick auf 2014 das Sorgenkind sein. Seiner Meinung wird kommende Saison vor allem die Zuverlässigkeit zum Schlüsselfaktor mutieren, da nicht mehr acht Aggregate pro Fahrer in einer Saison zur Verfügung stehen, sondern nur noch fünf.

Doch damit nicht genug: Der Motor umfasst neben dem Turbolader auch das komplette Hybridsystem - also zwei Elektromotoren und die Batterie zur Speicherung der Energie. "Während wir also dieses Jahr KERS so oft tauschen können, wie wir wollen, ohne eine Strafe zu kassieren, dürfen wir kommende Saison den Elektromotor und die Batterie nicht öfter als fünf Mal während der Saison auswechseln", erklärt er die Herausforderung.

Pro Rennen dürfen nur 100 Kilo Sprit verwendet werden, das ist rund ein Drittel weniger als 2013. Die Motorentechniker müssen also herausfinden, wie der Motor am effektivsten eingesetzt werden kann - es liegt an ihnen, wie viel der Verbrennungs- und wie viel der Elektromotor beiträgt, wenn der Pilot aufs Gas steigt.

Stallduell: Wie Domenicali seine Fahrer bändigen will

Marmorini rechnet damit, dass das zu einer breiten Streuung des Feldes führen kann: "Was die pure Performance, also die PS angeht, sollten die Unterschiede nicht so groß sein. Die Nutzung des Motors kann aber für große Unterschiede führen. Vor allem in der Anfangsphase der Saison könnten die Unterschiede daher enorm sein."

Man darf auch gespannt sein, wie das neue Fahrerduo Fernando Alonso und Kimi Räikkönen bei Ferrari harmonieren wird. Dass es sich um zwei absolute Routiniers handelt, dürfte in Anbetracht der komplexen neuen Technik durchaus ein Vorteil sein. Beide gelten aber als Alphatiere und könnten sich ins Gehege kommen.

Teamchef Domenicali sieht dies derzeit entspannt: "Es war aus unserer Sicht schon immer der Fall, dass wir unsere Entscheidung davon abhängig gemacht haben, wer im Laufe der Saison die besten Möglichkeiten hat, den Titel zu gewinnen. Diesbezüglich wird sich nichts ändern." Priorität habe nun, ein gutes Auto zu bauen: "Wenn das der Fall ist, dann können wir den Fahrern die Möglichkeit geben, sich auszudrücken."

Fotoquelle: xpbimages.com

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