Unterschiedliche ästhetische Standpunkte: Paddy Lowe und Adrian Newey

Formel 1 2013

— 16.11.2013

Hässliche Autos 2014? "Schnelle Autos sind schön"

Während Adrian Newey das neue Reglement aus ästhetischen Gründen kritisiert, beruhigen ihn seine Kollegen: Alles eine Frage der Gewöhnung?



Piloten und Ingenieure warnen die Fans schon seit längerer Zeit: Die neue Formel-1-Generation, die durch das neue Reglement herausgefordert wird, dürfte aller Voraussicht nach keinen Schönheitspreis gewinnen. Und als vergangene Woche erste Zeichnungen der neuen Boliden auftauchten, fühlten sich viele bestätigt: Vor allem die Art und Weise, wie die Nasen ab 2014 aussehen werden, sorgt für Diskussionen.

Einer, der stets auf Ästhetik wert legte und mit seiner Detailverliebtheit nicht nur schnelle, sondern auch schöne Boliden konstruierte, ist Red Bulls Stardesigner Adrian Newey. Der Brite wiederholt seine Kritik am Reglement 2014: "Die Nase, die wir nächstes Jahr verwenden - ich rechne damit, dass da einige Lösungen aus ästhetischer Sicht sehr unglücklich aussehen werden."

Newey: Ästhetik leidet seit 1998

Er sieht diesbezüglich die Urheber des Reglements in der Pflicht: "Man sollte dem meiner Meinung nach mehr Aufmerksamkeit widmen, wenn das Reglement geschrieben wird." Für ihn als Technikchef spiele die Optik nur eine untergeordnete Rolle: "Natürlich ist es wichtig, aber die Regeln diktieren das Aussehen. Unsere Aufgabe ist es, das Auto so schnell wie möglich zu machen, anstatt Stilpreise zu gewinnen, also sind wir vom Reglement abhängig. Und ich muss zugeben, dass das Reglement für einige hässliche Bereiche sorgt."

Das Red-Bull-Genie kann sich für die Optik der Boliden in diesem Jahrtausend ohnehin nur bedingt begeistern. "Wahrscheinlich haben die schmäleren Autos in Wahrheit nie so gut ausgehen - die Proportionen haben im Vergleich zu den Autos vor 1998 nie so richtig gestimmt", gefielen Newey die breiten Autos der Vergangenheit besser.

Allison: Hässliche 2009er-Generation inzwischen "sexy"

Sein Kollege James Allison - seit dieser Saison Ferrari-Technikchef - nimmt diesbezüglich einen anderen Standpunkt ein. Er findet, dass alles eine Frage der Gewöhnung ist. Er nennt die bislang letzte große Reglement-Revolution 2009 als Beispiel, als die Boliden mit den breiten Frontflügeln und den schmalen, aber hohen Heckflügeln zunächst auch für wenig Begeisterung sorgten.

"Ich mochte das Aussehen dieser Autos überhaupt nicht", erinnert sich Allison. "Jetzt habe ich mich aber gänzlich daran gewöhnt - ich finde jetzt, dass sie ziemlich sexy aussehen." Das Gleiche gelte für die Stufennasen, die im Vorjahr in Mode kamen, weil das Reglement niedrigere Nasen erforderte, die Konstrukteure aber nach wie vor so viel Luft wie möglich unter das Auto bekommen wollten. "Ich mochte sie ebenfalls zu Beginn nicht", meint Allison, "aber jetzt finde ich sie ganz in Ordnung."

Lowe: Schön ist, was schnell ist...

Mercedes-Technikchef Paddy Lowe geht sogar noch einen Schritt weiter und findet, dass ein schnelles Auto automatisch einen schönen Eindruck macht: "Am Ende schauen Autos tendenziell gut aus, wenn sie schnell sind." Dazu komme die Macht der Gewohnheit: "Wir benötigen eine Weile, um uns an Veränderungen zu gewöhnen, aber es ist überraschend, dass alte Autos irgendwann plötzlich nicht mehr so schön sind, obwohl man zunächst die Veränderung nicht mochte."

Aus Mercedes-Kreisen hört man, dass die Nasenlösung der Truppe aus Brackley für die Saison 2014 noch zu den schöneren Varianten zählen soll. Lowes Pilot Nico Rosberg bestätigt dies indirekt: "Ich weiß nicht, ob das Risiko da ist, dass die Nasen nicht gut aussehen werden nächstes Jahr."

Er findet zwar, dass das Reglement ästhetische Lösungen gewährleisten sollte und man dies "im Auge behalten" sollte, er selbst habe sich aber "mehr auf die Technik konzentriert. Ob die Nase jetzt krumm und schief oder gerade ist, ist für mich nicht so entscheidend."

Fotoquelle: xpbimages.com

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