Letzter Tanz: Für Lotus wird es schwierig, Ferrari noch zu überholen

Formel 1 2013

— 19.11.2013

Lotus in Sao Paulo: Kann man Ferrari noch abfangen?

Lotus fehlen in der WM 16 Punkte auf Ferrari - Heikki Kovalainen und Romain Grosjean geben aber nicht auf, denn das Saisonfinale in Brasilien ist für Überraschungen gut



Für Lotus geht es beim letzten Saisonrennen um einiges: Die Truppe aus Enstone konnte in Austin in der Konstrukteurs-WM weitere acht Punkte auf Ferrari gutmachen - der dritte Platz ist damit zwar in Reichweite, doch beim Finale in Brasilien müsste man nun 16 Punkte mehr als die "Scuderia" holen, um dieses Match für sich zu entscheiden. Keine einfache Aufgabe für Lotus, zumal man nicht auf Stammpilot Kimi Räikkönens Qualitäten bauen kann - der Finne hat sich vor Saisonende einer Rückenoperation unterzogen und wird auch in Interlagos von seinem Landsmann Heikki Kovalainen ersetzt.

Der 32-Jährige war in Training und Qualifying die positive Überraschung des Wochenendes, konnte im Rennen aber keine WM-Punkte an Land ziehen. In Interlagos erhält er nun eine weitere Chance. "Die Strecke ist anders und ganz anders als Austin", sagt er. "Es gibt ein paar wirklich schöne Kurven, es geht immer wieder bergauf und bergab, und die Strecke führt gegen den Uhrzeiger-Sinn. Außerdem ist das Wetter interessant, und es besteht die Möglichkeit, dass es regnet, was sehr herausfordernde Bedingungen ergeben würde."

Kovalainen noch etwas "eingerostet"?

Kovalainen hofft, dass er von den unberechenbaren Bedingungen profitieren kann: "Es handelt sich um eine der Strecken, wo alles passieren kann. Die Strecke ist an gewissen Stellen sehr schmal, und man muss schauen, dass man die Linie genau trifft, sonst macht man einen Fehler. Außerdem muss man dazu sagen, dass die Atmosphäre zu den besten der gesamten Saison zählt. Die Fans sind unglaublich leidenschaftlich, kenntnisreich und verwandeln das gesamte Wochenende auf den Tribünen in eine riesige Party. Es ist ziemlich cool, wenn man am Sonntag in der Startaufstellung steht und auf den Tribünen alle hüpfen."

Der Finne möchte den Fehlstart in Austin ausbügeln und diesmal die erhofften Punkte holen. In seiner Analyse fragt er sich, "ob es am Auto lag oder der Fahrer noch ein bisschen eingerostet war. Wir hatten ein Problem mit dem Frontflügel, der Abtrieb verloren hat, wodurch wir an Tempo einbüßten. Das hat sich aber später verbessert, weil wir den Frontflügel gewechselt haben. Bei Rennmitte hatten wir dann ein KERS-Problem, das war aber nicht die einzige Erklärung für mein fehlendes Tempo im Rennen. Wir werden uns jetzt die Daten genau ansehen und die Dinge für das Rennen in Brasilien hoffentlich viel besser im Griff haben."

Abgesehen vom Rennen ist Kovalainen aber mit dem Comeback-Wochenende zufrieden: "Austin war ermutigend, und ich fühle mich gut vorbereitet. Das Auto ist auf jeden Fall schnell und fährt sich fantastisch, wenn es gut läuft. Wenn wir also die Probleme von Austin in den Griff kriegen, dann ist das Potenzial für ein gutes Ergebnis definitiv vorhanden. Ich glaube nicht, dass wir besser in das Wochenende starten können als zuletzt, aber wir können es auf jeden Fall besser beenden. Schauen wir mal, was passiert - ich möchte dem Team helfen, damit es die Ziele in der Konstrukteurs-WM erreichen kann, also werde ich bis zum Schluss pushen."

Fokus auf den Sonntag

Vom Auto zeigt sich der bisherige Caterham-Ersatzmann sehr angetan: "Der E21 fühlt sich gut an und gibt einem das Vertrauen, sofort zu attackieren, da man an das Limit gehen kann, ohne dass es ausbricht - es handelt sich um ein wirklich stabiles Auto. Das ist einer der Gründe, warum ich ziemlich schnell auf Tempo gekommen bin. Es geht außerdem gutmütig mit den Reifen um, und man spürt das bei den längeren Stints. Insgesamt handelt es sich um ein großartiges Auto."

Auch die Zusammenarbeit mit dem Team aus Enstone war laut Kovalainen "sehr geradlinig, und es gab überhaupt keine Probleme - das hat es mir erlaubt, mich auf das Auto und das Rennfahren zu konzentrieren. Außerdem gibt es einige bekannte Gesichter in der Garage aus meiner Vergangenheit mit dem Team - das hilft immer bei der Eingewöhnung."

Jetzt möchte er in Brasilien "einen stärkeren Sonntag haben und ein besseres Ergebnis einfahren. Das Auto ist dazu fähig - das hat Romains Performance in Austin gezeigt." Dennoch wagt er keine Prognose: "Es könnte ein schwieriges, aber auch ein großartiges Wochenende werden - wer weiß? Wir müssen nur wie in Austin gut mit dem Auto arbeiten, schnell auf Touren kommen, damit wir im Qualifying in guter Form sind, und dann im Rennen alle Probleme vermeiden. Auch ein besserer Start und eine stärkere erste Runde würden hilfreich sein - wenn uns also all das gelingt, dann sollten wir ein starkes Rennen haben."

Grosjean liebt Interlagos

Teamkollege Grosjean ist derzeit die klare Nummer eins im Team. An ihm wird es liegen, ob Lotus Ferrari noch übertrumpfen kann. Auch er mag den Kurs in Interlagos: "Es handelt sich um eine fantastische Strecke, es gibt keinen Teil, der nicht großartig ist. Außerdem passt die Strecke zu meinem Fahrstil, also freue ich mich darauf. Der E21 hat sich dieses Jahr als wirklich gut erwiesen, daher gibt es keinen Anlass für Zweifel, dass wir in Brasilien kein großartiges Auto haben könnten."

Was dem Franzosen am Layout des Kurses so gut gefällt? "Alles - die Strecke ist extrem herausfordernd, und man kann nirgends entspannen", stellt er klar. "Sogar die Start-Ziel-'Gerade' ist nicht langweilig, da sie auf einem Hügel mit einer interessanten Neigung beginnt, und man dann eine Kurve fährt, ehe die erste Kurve beginnt, wo man sich so rasch verbremst."

Seine Lieblingspassagen? "Die erste und die letzte Kurve. Die erste Kurve ist sehr technisch, und man wird bestraft, wenn man einen Fehler macht, während die letzte Kurve so schnell ist und den Körper ziemlich belastet. Als Fahrer genieße ich diese Kurven sehr - es handelt sich um eine dieser klassischen, altmodischen Strecken. Daher ist es auch schwierig, sich auf eine Passage festzulegen. Ich liebe es einfach!"

Harte Rivalen, unberechenbare Umstände

Dennoch ist er im Duell gegen Sebastian Vettel, der die vergangenen acht Rennen für sich entschieden hat, realistisch: "Jetzt, wo er die Weltmeisterschaft im Sack hat, ist er noch selbstbewusster und schneller, was es noch schwieriger macht. Einen Red Bull attackieren zu können und sich vor ihn zu setzen, ist bereits eine ziemliche Errungenschaft für das Team. Ich bin also allen in Enstone dankbar für all die harte Arbeit in dieser Saison."

Da der Kurs auf rund 800 Metern Seehöhe liegt, ist auch die physische Belastung höher - auch das Wetter ist unberechenbar. "Wir können Wetter und Seehöhe aber nicht ändern", meint Grosjean, "also müssen wir damit zurecht kommen. Wir werden uns genau mit der Strategie auseinandersetzen, damit wir die richtigen Reifen zur rechten Zeit verwenden. Gut ist jedenfalls, dass Brasilien unserer Zeitzone näher ist, also wird der Jetlag nicht so schlimm sein, wenn wir nach Hause fahren."

Grosjean visiert den Sieg an

Der Lotus-Pilot freut sich auf das Saisonfinale: "Die Crew reist gerne nach Brasilien, und es ist ein toller Ort, um die Saison zu beenden. Es war ein langes Jahr, also denke ich, dass sich alle auf die Party zu Saisonende freuen - es wird sicher eine großartige Nacht. Außerdem sind die Brasilianer sehr freundlich, und es gibt ein paar großartige Orte, um essen zu gehen. Wir planen ein Team-Essen mit allen, bevor es auf der Strecke losgeht - das ist eine ziemlich gute Möglichkeit, um sich bei allen für die Bemühungen in diesem Jahr zu bedanken.

Er hofft auf ein starkes Saisonende: "Es ist immer fantastisch, auf dem Podest zu stehen, und das Treppchen ganz oben ist immer unser Ziel. Wir werden erst erfahren, wie gut wir und die anderen sind, wenn wir auf die Strecke gehen, aber wir werden auf jeden Fall unser Bestes geben."

Fotoquelle: xpbimages.com

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