Renault geht aus der V8-Ära als erfolgreichster Motorenhersteller hervor

Formel 1 2013

— 21.11.2013

Renault blickt auf eine erfolgreiche V8-Ära zurück

Remi Taffin, Einsatzleiter von Renault an der Strecke, ist stolz, als erfolgreichster Motorenhersteller in das letzte Rennen mit V8-Aggregaten zu gehen



Renault geht als erfolgreichster Motorenhersteller aus der achtjährigen V8-Ära der Formel 1 hervor. Jeweils fünf Fahrer- und Konstrukteursweltmeisterschaften konnte der französische Lieferant seit der Einführung 2006 für sich verbuchen, darunter auch die vergangenen vier Titel von Sebastian Vettel. Der Red-Bull-Pilot könnte am Sonntag in Brasilien den 60. Sieg für einen Renault-V8-Motor holen, was einer Quote von gut 40 Prozent seit der Einführung 2006 entspräche. Remi Taffin, Leiter des Renault-Einsatzteams, berichtet über seine persönlichen Highlights in der V8-Ära.

"Der Große Preis von Brasilien stellt eine Zäsur dar. Ich kenne die Formel 1 praktisch nur mit hochdrehenden Saugmotoren - und ich denke, so werden viele im Fahrerlager denken. In der V8-Ära ging es zuletzt vor allem darum, die Rennwagen schneller zu machen, ohne an der Leistungsschraube drehen zu können. Dafür haben wir gelernt, viele andere Parameter zugunsten einer verbesserten Leistungsfähigkeit zu verändern. So wie zum Beispiel die Integration der Motoren in die Chassis, eine höhere Kraftstoffeffizienz oder den Umgang mit den Auspuffabgasen", erklärt der Franzose.

"Unser Denken konzentrierte sich in dieser Zeit immer darauf, wie wir ein noch besseres Ergebnis erzielen können. Und fairerweise dürfen wir sicherlich behaupten, dass wir dabei sehr viel erreicht haben und stolz auf uns sein können. Sicherlich hätten wir noch mehr Grands Prix ohne Probleme beenden können als uns dies ohnehin schon gelungen ist", glaubt Taffin, "doch wer sich nicht traut, bis ans technische Limit zu gehen und dabei auch einmal einen Schaden in Kauf nimmt, wird unter seinen Möglichkeiten bleiben. Mancher Sieg ist das Resultat eines zuvor erlittenen Defekts."

Limits müssen überschritten werden

Besonders gern erinnere er sich in diesem Zusammenhang an die Saison 2006 - den Einstieg in die V8-Ära: "Nach einem Motorproblem beim Großen Preis von Italien in Monza spürten wir starken Gegenwind, Michael Schumacher übernahm die Führung in der WM-Tabelle. Unsere Chancen, noch einmal zurückzuschlagen, waren eigentlich minimal - die Ferrari schienen zu diesem Zeitpunkt deutlich überlegen zu sein", erinnert sich Taffin.

"Aber wir dachten gar nicht ans Aufgeben, und den nächsten Grand Prix in Japan haben wir gewonnen. Dieses Mal war es der italienische Motor, der den Geist aufgegeben hatte. Noch vor dem Finale in Brasilien lagen wir wieder vorn - das perfekte Beispiel, wie schnell sich die Dinge im Rennsport drehen können. Seinerzeit standen die V8-Motoren noch am Beginn ihrer Entwicklung, aber wir hatten ihr Potenzial in dieser Phase bereits maximal ausgereizt. Durch den Defekt in Monza wussten wir, wo das Limit lag."

Jean-Michel Jalinier, Präsident und Geschäftsführer von Renault Sport F1, kann seinem Kollegen nur zustimmen: "Die V8-Ära war für Renault in der Formel 1 eine besonders erfolgreiche Zeit. Sie erinnert mich stark an die außergewöhnlich hohen Standards, die wir mit den V10-Aggregaten in den 90er-Jahren setzen konnten. Wir dürfen auf unsere Sieg- und Pole-Position-Rate sehr stolz sein - ebenso wie auf die Fortschritte, die uns trotz des eingefrorenen Motorenreglements gelungen sind." Die Tatsache, dass Renault mit vier verschiedenen Rennställen und sechs verschiedenen Fahrern Grand-Prix-Erfolge erringen konnte, diene als Beweis für fruchtbare Kooperationen mit den Teams, so der Franzose.

Taffin habe die Achtzylinder-Jahre sehr genossen, freut sich aber auch auf ein neues Kapitel - die neuen V6-Turbo-Motoren ab 2014: "Nun wartet eine nochmals größere Herausforderung auf uns. Als Heranwachsender haben mich die Turbos in der Formel 1 sehr fasziniert. Damals wurde mir klar, womit ich mich in meinem Berufsleben einmal beschäftigen möchte. Deswegen fühlt es sich für mich ein wenig so an, als würde ich in meine eigene Zukunft zurückkehren."

Zahlen und Fakten zum V8-Motor von Renault (vor dem letzten Rennen):

- bei 59 Rennen siegten die V8-Motoren von Renault - das entspricht einer Quote von 40 Prozent
- 65 Mal eroberten Partnerteams die Pole-Position
- 55 schnellste Rennrunden und 3.665,5 WM-Punkte
- fünf Konstrukteursweltmeisterschaften, fünf Fahrerweltmeistertitel
- 750 PS leistet der RS27-V8 in seiner letzten Ausbaustufe des Jahres 2013 (bei normaler Lufttemperatur, Luftfeuchtigkeit und normalem Luftdruck)
- 18.000 Umdrehungen pro Minute beträgt die vom Reglement diktierte Maximaldrehzahl in der Ausbaustufe für die Saison 2013
- 95 Kilogramm wiegt der RSF1 nach FIA-Norm
- 1.271 Exemplare wurden gebaut, 683 kamen auf der Rennstrecke zum Einsatz, 588 auf dem Motorenprüfstand
- mehr als zwei Millionen Kilometer spulten die V8-Motoren in dieser Zeit ab
- über 7,6 Millionen Bauteile wurden in der V8-Epoche insgesamt verwendet
- jeder Motor besteht aus mehr als 5.000 Einzelteilen
- insgesamt wurden verwendet: 21.800 Kolben, 43.200 Einlassventile, 45.900 Auslassventile, 43.800 Pleuelschrauben, 22.000 Zündkerzen, 10.600 Ölfilter

Fotoquelle: Renault

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