Sebastian Vettel stürmte im letzten Saisonrennen zum neunten Sieg in Folge

Formel 1 2013

— 24.11.2013

Rekordsieg: Vettel beendet triumphale Saison mit Stil

Auf einer Stufe mit Ascari und Schumacher: Sebastian Vettel gewinnt das Saisonfinale in Brasilien vor Webber und Alonso - Mercedes behauptet WM-Platz zwei



Sebastian Vettel hat der Formel-1-Saison 2013 seinen Stempel aufgedrückt - und diese beim Grand Prix von Brasilien standesgemäß mit einem Sieg beendet. Der Red-Bull-Pilot gewann das 71 Runden lange Rennen 10,4 Sekunden vor seinem Teamkollegen Mark Webber und 18,9 Sekunden vor Fernando Alonso (Ferrari). Im Kampf um Platz zwei in der Konstrukteurs-WM behielt Mercedes gegen Ferrari die Oberhand. Letztendlich gaben sechs Punkte Unterschied den Ausschlag.

Vettel demonstrierte ein weiteres Mal seine derzeitige Vormachtstellung in der Formel 1 und krönte seinen vierten WM-Titel mit der Egalisierung des alten Rekords von Alberto Ascari, der 1952/53 ebenfalls neunmal hintereinander gewinnen konnte. Auf dem Weg zum 13. Saisonsieg (gleich viele wie Michael Schumacher 2004) leisteten sich Vettel und Red Bull diesmal ein paar kleine Fehler, doch dank der Überlegenheit änderte dies nichts am Ergebnis.

So verlor Vettel den Start gegen Landsmann Nico (Rosberg) - ein Fehler, den er schon am Ende der ersten Runde korrigieren konnte. Die Red-Bull-Crew patzte dann beim zweiten Boxenstopp, als nicht die richtigen Reifen parat lagen. Das kostete Vettel und Webber, der unmittelbar dahinter reinkam, ein paar Sekunden, nicht aber die Doppelführung. Und dass Vettels erster Reifensatz nach einigen kleinen Verbremsern nicht mehr allzu gut aussah, war ebenfalls keine ernsthafte Gefahr.

Sensationeller Lauf seit der Sommerpause

"Ich bin ein bisschen traurig, dass die Saison jetzt endet", lächelt der strahlende Sieger. "Seit der Sommerpause alle Rennen zu gewinnen, war unglaublich. Das heutige Rennen war schwierig, aber es lief insgesamt wieder gut. Nachdem ich am Ende der ersten Runde den Kampf gegen Nico gewonnen hatte, hatte ich ganz gute Karten." Zumal auch der befürchtete Regen nicht stark genug kam: "Der Regen war am Ende etwas knifflig, als nicht klar war, ob da nun viel kommt oder nicht."

Mit 397 Punkten übertraf Vettel auch noch seinen eigenen Rekord aus der Saison 2011. Am Ende hatte er sagenhafte 155 Zähler Vorsprung auf Alonso. Webber schaffte im letzten Rennen seiner Karriere doch noch den Sprung auf das WM-Podium, zehn Punkte vor Lewis Hamilton (Mercedes). Der Abschied des Australiers war emotional, aber nicht von Tränen übersät - die konnte er sich sogar verkneifen, als seine Boxencrew vor dem Start "Waltzing Matilda" abspielte.

Webber verpatzte wie so oft den Start und fiel zunächst auf den fünften Platz zurück, doch die beiden Mercedes hatten nach ihren gelungenen Starts nicht das nötige Tempo, um sich ganz vorne zu halten. Später überholte Webber dann auch noch Alonso, hinter den er beim ersten Boxenstopp wieder zurückfiel. "Es gab ein Problem am rechten Hinterrad. Das hat eineinhalb Sekunden gedauert", entschuldigt sich Teamchef Christian Horner.

Webber: Starke Vorstellung im letzten Rennen

Aber Webber ließ sich davon nicht beirren und legte sich Alonso noch einmal zurecht. Als der Ferrari-Pilot nach dem verpatzten zweiten Boxenstopp Druck machte, bewahrte er die Nerven - und nach der Zieldurchfahrt nahm er den Helm ab, um seinen Abschied in vollen Zügen genießen zu können. Das könnte eine Strafe nach sich ziehen, aber: "Wenn dir die Kommissare das in Rechnung stellen, zahle ich das", lässt Stratos-Springer Felix Baumgartner via Twitter ausrichten.

"Die letzten Runden habe ich wirklich genossen. Ein toller Abschluss", sagt Webber, auf dem Podium dann doch emotionaler, als er es selbst im Vorfeld erwartet hatte. "Es war ein tolles Rennen mit vielen Duellen. Ich habe es meine gesamte Karriere lang genossen, gegen diese Jungs zu kämpfen: Seb, Fernando, Lewis, Nico - einfach alle, die in den vergangenen fünf oder sechs Jahren vorne mitgefahren sind. Ich hatte eine sehr schöne Karriere. Es war eine tolle Reise!"

Alonso: Hoffnung auf Regen war vergeblich

Zwischen den beiden Red-Bull-Piloten sorgte Alonso für einen roten Farbtupfer auf dem Podium. Der Ferrari-Fahrer hatte eigentlich den besten Start und wäre wohl auch in Führung gegangen, doch Vettel zog nach rechts und ließ ihm keinen Platz. "Leider ist der Regen nicht gekommen", bedauert Alonso. "Ich glaube, wir wären im Nassen deutlich konkurrenzfähiger gewesen. Es sah jeden Moment nach Regen aus, aber es ist nichts passiert. Immerhin hat es für ein Podium gereicht."

Das wäre beinahe auch für Teamkollege Felipe Massa in Reichweite gelegen - zumindest bis zur Durchtfahrtstrafe wegen Überfahrens der weißen Linie am Boxeneingang. "Unglaublich, diese FIA", tobte der Lokalmatador am Funk - und streckte Rennleiter Charlie Whiting wütend die Hand entgegen, als er durch die Boxengasse rollte. Im weiteren Rennverlauf kamen einige andere Fahrer für das gleiche Vergehen mit einer Verwarnung davon.

Doch die Rennkommissare sorgten im Kampf um Platz zwei in der Konstrukteurs-WM für ausgleichende Gerechtigkeit, als auch Lewis Hamilton (Mercedes) eine Durchfahrtstrafe kassierte - wegen einer Berührung mit Valtteri Bottas (Williams), als sich dieser am Ende der Gegengerade zurückrunden wollte. Hamilton ließ dem Finnen außen wenig Platz, es kam zur Kollision - und beide erlitten einen Reifenschaden: Hamilton rechts, Bottas links hinten.

Bottas sieht Schuld klar bei Hamilton

"Ich muss mir erst die TV-Bilder ansehen, aber es war auf keinen Fall mein Fehler", sagt Bottas. Das sieht sein Manager Toto Wolff, gleichzeitig Sportchef bei Mercedes, anders: "Normalerweise sollte ein überrundeter Fahrer nicht versuchen, sich auf dem neuen Reifen zurückzurunden - vor allem nicht, wenn er weiß, dass es da um eine essentielle Meisterschafts-Situation geht. Lewis hat einfach nicht damit gerechnet, dass ein überrundeter Williams ihn überholt."

Am Ende waren es sechs Punkte Vorsprung auf Ferrari, die Mercedes retteten, auch dank Rosberg, der den Grand Prix eine Runde lang anführte, dann aber nicht den Speed der Spitze mitgehen konnte und immer weiter zurückgereicht wurde. Letztendlich belegte er den fünften Platz, 1,6 Sekunden hinter Vorjahressieger Jenson Button, der McLaren das beste Saisonergebnis bescherte. Trotzdem blieb das erfolgsverwöhnte Team 2013 zum ersten Mal seit 1980 ohne Podestplatz.

Immerhin gab es im letzten Rennen mit 20 Punkten die fetteste Ausbeute der gesamten Saison, weil auch Sergio Perez als guter Sechster ins Ziel kam. Massa wurde am Ende Siebter - und hatte Tränen in den Augen, als er sich von den Ferrari-Mechanikern verabschiedete: "Für das Team ist es eine sehr emotionale Sache. Das war heute mein letztes Rennen in Ferrari-Farben. An die neuen Farben muss ich mich sicher erst gewöhnen", seufzt er vor dem Wechsel zu Williams.

Massa stinksauer auf die FIA-Rennkommissare

Die Durchfahrtstrafe findet er "nicht akzeptabel", denn: "Ich bin mir sicher, dass ich nicht der Einzige war, der diese Linie überfahren hat, aber ich war der Einzige, der dafür bestraft wurde. Die Kommissare glauben, sie können sich alles erlauben. Tatsächlich ist es aber so, dass sie oft falsche Entscheidungen treffen. Eine Schande, denn ich wäre heute Vierter geworden, vielleicht sogar Dritter. Fernando hätte mich in der Schlussphase vielleicht vorbeigelassen."

Nico Hülkenberg (Sauber) lieferte eine weitere solide Leistung ab und wurde Achter: "Ich hatte einen guten Start und schöne Fights in den ersten paar Runden", berichtet er. "Danach hat es sich ein bisschen gelichtet, ich konnte mich absetzen. Die McLaren haben mich relativ leicht überholt, die konnte ich nicht halten. Die sind heute in einer anderen Welt gefahren als wir. Danach war ich über weite Strecken für mich allein und ich habe dann meinen Stiefel runtergefahren."

Sutils guter Speed am Ende nicht belohnt

Hamilton, der nach Reifenschaden und Durchfahrtstrafe mit der Wut im Bauch unterwegs war, kam nicht über Rang neun hinaus, während Daniel Ricciardo seinem Toro-Rosso-Team zum Abschied einen Punkt schenkte. Paul di Resta (Force India) verpasste die Top 10 um 1,6 Sekunden. Sein Teamkollege Adrian Sutil war zwar phasenweise schnellster Mann des Rennens, wurde aber letztendlich nur 13., 0,3 Sekunden hinter Esteban Gutierrez (Sauber).

Enttäuschend verlief der Grand Prix für Lotus: Heikki Kovalainen erwischte einen schlechten Start und blieb das gesamte Rennen hindurch unauffällig, wurde am Ende mit einer Runde Rückstand 14., während bei Romain Grosjean gleich zu Beginn der Motor verrauchte. Renault hat damit die fragwürdige Ehre des letzten Motorschadens der V8-Ära, gleichzeitig aber auch die Freude über den letzten Sieg. Das war den Franzosen übrigens schon beim V10-Abschied gelungen.

Für die Formel 1 geht es nun in die Winterpause. "Ich freue mich auf zu Hause, ein bisschen Urlaub", sagt Weltmeister Vettel. "Ich hätte mir eine solche Saison kaum wünschen können. Es ist ehrlich gesagt - entschuldigt den Ausdruck - etwas pervers, wie stark und konstant wir in den letzten Rennen waren. Wir haben kaum Fehler gemacht. Heute beim Boxenstopp sah es etwas anders aus, aber ansonsten war es ein unglaubliches Jahr für uns."

Fotoquelle: xpbimages.com

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