Christian Horner durfte zum Saisonabschluss noch einmal feiern

Formel 1 2013

— 25.11.2013

Horners Loblied auf die "unbesungenen Helden"

Christian Horner preist nach dem Doppelsieg in Sao Paulo die Leistung seines Teams und erklärt, wieso beim zweiten Boxenstopp von Vettel die Reifen fehlten



Red Bull hat eine dominante Formel-1-Saison 2013 standesgemäß mit einem Doppelsieg beim Großen Preis von Brasilien in Sao Paulo beendet. Im Interview blickt Teamchef Chrsitian Horner auf das Saisonfinale zurück und erklärt, warum seine Mechaniker beim zweiten Boxenstopp von Sebastian Vettel erst nach den richtigen Reifen suchen mussten. Außerdem spricht Horner über die Zusammenarbeit mit Mark Webber, dessen starke Abschiedsvorstellung den Teamchef ganz besonders freut.

Frage: "Christian, wie schwierig war das Rennen, nachdem es nach den verregneten Trainings zum ersten Mal trocken war?"
Christian Horner: "Es war ein sehr schwieriges Rennen. Wir haben am Vormittag drei oder vier mögliche Szenarien diskutiert. Die Strecke war 'grün', wir waren vorher nicht im Trockenen gefahren, und eine 'grüne' Oberfläche kam den Pirellis bisher nicht entgegen. Daher war es für uns eine angenehme Überraschung, wie lange der weichere Reifen gehalten hat. Da er so gut war, haben wir uns entschieden, für den zweiten Stint einen weiteren Satz zu montieren."

Frage: "Warum habt ihr euch für einen so langen ersten Stint entscheiden?"
Horner: "Länger zu fahren war in keinem Fall ein Nachteil, denn alle hatten vor Seb gestoppt. Hätte es angefangen zu regnen, wären wir in der besten Position gewesen, um darauf zu reagieren und wären dann zumindest die selbe Strategie gefahren, wie unsere Hauptgegner. Wir mussten allerdings den Reifenabbau im Auge behalten und überlegen, welchen Reifentyp wir für den jeweiligen Stint auswählen. Daher war es an der Boxenmauer etwas stressig."

Frage: "Beim zweiten Boxenstopp von Sebastian Vettel schienen die richtigen Reifen zu fehlen. Was ist da schief gelaufen?"
Horner: "Nachdem wir den Unfall gesehen hatten, deutete alles auf ein Safety-Car hin. Sebastian war in einer Position, in der ihn das Safety-Car am Ende der Boxengasse eingesammelt hätte, während alle hinter ihm hätten stoppen können."

"Daher haben wir uns sehr spät für den Boxenstopp entschieden. Die Jungs hatten in dieser Runde allerdings Mark zu einem regulären Stopp erwartet, und da wir uns so spät für den Stopp entscheiden hatten, lagen die Reifen noch nicht parat, was fast nach einer Wiederholung des Vorjahrs aussah. Sie haben die Situation aber unheimlich gut gerettet, und dank des Zeitpuffers haben wir mit beiden Autos keine Position verloren."

Kunfusion beim Boxenstopp

Frage: "Hätte Mark nicht noch eine Runde länger draußen bleiben können?"
Horner: "Nein, denn wir dachten, das Safety-Car würde kommen, und wir wollten nicht, dass er am Ende der Geraden auf das Safety-Car aufläuft, während hinter ihm alle stoppen. Wir haben Sebastian sehr spät hereingerufen, während die Crew Mark erwartet hat. Die richtigen Reifen ans richtige Auto zu bringen, sorgte für einige Konfusion."

Frage: "War Fernando Alonso im Rennen näher an euch dran als erwartet?"
Horner: "Mark hat ihn zweimal überholt. Einmal nach dem Start und nach dem ersten Boxenstopp, der sehr langsam war. Es gab ein Problem mit dem Schlagschrauber am linken Hinterrad, daher fiel er hinter Fernando zurück und musste ihn noch einmal überholen. Danach ging es nur noch darum, den Abstand zu kontrollieren und mit den Reifen hauszuhalten. Mark hatte immer noch etwas in der Hinterhand."

Frage: "Warum war Red Bull in dieser Saison derart dominant?"
Horner: "Ich denke es lag an einer Kombination aus harter Arbeit und einer unglaublichen Leistung von Sebastian. Er ist so konstant, präzise und schnell gefahren. Was er in diesem Jahr erreicht hat, war herausragend."

"Es war ein unglaubliches Jahr für ihn und das Team, und es war fantastisch, dass Mark seine Formel-1-Karriere mit einer solch starken Fahrt beendet hat. Ich habe ihn vor dem Podium gefragt: 'Bist du dir sicher, dass du zurücktreten willst? Dein Manöver, bei dem du Lewis außen in Kurve fünf oder wo auch immer überholt hast, war beeindruckend.' Es ist toll, dass er bei seinem Abschied immer noch an der Spitze ist."

Frage: "Ist Sebastian in dieser Form praktisch unschlagbar?"
Horner: "Ich denke, er kann selbst noch nicht glauben, was er erreicht hat. Neun Siege in Folge innerhalb einer Saison. Seit Juli hat kein anderer Fahrer einen Grand Prix gewonnen, und jetzt haben wir Ende November. Das ist herausragend. Die Art und Weise, wie er es gemacht hat, mit dieser Dominanz, zeigt deutlich, dass er jetzt in seinen besten Jahren ist. Ich habe ihm vor einiger Zeit gesagt, wenn er sich weiterhin steigert, werden wir das Beste von ihm erst noch sehen. Und ich denke, das sehen wir jetzt."

Starke Leistung des gesamten Teams

Frage: "Wie schätzt du die Leistungen der Konkurrenz ein?"
Horner: "Wir konzentrieren uns nur auf uns selbst, aber wir haben einige sehr starke Gegner. Es gibt in einigen anderen Team sehr clevere Leute. Was wir in diesem Jahr erreicht haben, war ein Erfolg des Teams."

"Wir haben enger, härter und effizienter zusammengearbeitet als in jedem anderen Jahr. Adrian (Technischer Direktor Newey; Anm. d. Red.) und die technische Abteilung haben brillante Arbeit geleistet. Alle Abteilungen, all die Unterstützung, all die unbesungenen Helden, von denen man nie etwas hört oder sieht, sie alle haben dazu beigetragen, das entscheidende Quäntchen mehr herauszuholen. Das hat uns geholfen, so ein Ergebnis einzufahren."

Frage: "Wie laufen die Vorbereitungen auf das nächste Jahr?"
Horner: "Adrian war nie bekannt dafür, frühzeitig mit dem nächstjährigen Auto zu beginnen, und das war auch beim RB10 nicht der Fall. Glücklicherweise haben wir uns die Meisterschaft recht früh gesichert. Das hat uns ermöglicht, alle Konzentration auf den RB10 zu lenken, während Ferrari und Mercedes bis zuletzt um die anderen beiden Positionen auf dem Podium gekämpft haben."

Frage: "Es war Mark Webbers letztes Formel-1-Rennen. Was von ihm wirst du besonders vermissen?"
Horner: "Die sieben Jahre, in denen Mark für das Team gefahren ist, waren für ihn und uns eine unglaubliche Reise. Er kam mit einem Podiumsresultat zum Team und hatte einen guten Ruf. Ich wollte ihn schon einige Jahre vorher für mein damaliges Formel-3000-Team verpflichten. Es ist erstaunlich zu sehen, wie er seit dieser Zeit gewachsen ist und welche Erfolge er erzielt hat."

"Er hat einen großen Anteil an unseren vier Konstrukteurstiteln und der Entwicklung des Autos. Adrian und seine Jungs haben die Zusammenarbeit mit ihm genossen. Sein Tempo war einfach beeindruckend. Sein Pech war nur, dass sein Teamkollege auf den Namen Sebastian Vettel hörte. Er hat sich aber großartig aus dem Sport verabschiedet. Viele Sportler treten sang- und klanglos ab, aber er ist immer noch Spitze und hat sich standesgemäß verabschiedet."

Frage: "Die Zusammenarbeit mit ihm war aber auch nicht immer ganz einfach..."
Horner: "In diesem Sport muss man einen recht schwierigen Charakter haben. Die Leute unterschätzen, wie gut Sebastian ist. Mark ist ein sehr, sehr guter Rennfahrer, aber solch eine Situation ist für jeden Sportler unglaublich schwierig. Aber er hat sich aufgerafft und motiviert - manchmal auf eine Art und Weise, die für das Team vielleicht nicht angenehm war, aber das war seine Arbeit, und bei der hat er immer sein bestes gegeben."

Fotoquelle: xpbimages.com

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