Vor rund zehn Jahren erlebte Adrian Newey in der Formel 1 keine gute Zeit

Formel 1 2013

— 28.11.2013

Newey: "Hätte 2002 wegen Ferrari und der FIA fast aufgehört"

Stardesigner Adrian Newey blickt zurück: Warum er 2002 beinahe die Formel 1 verlassen hätte, welche seiner Autos Fehlschläge waren und was er kochen kann



Adrian Newey ist unermüdlich. Der Red-Bull-Stardesigner konstruiert seit den 1990er-Jahren die erfolgreichsten Boliden der Formel 1 und wollte ursprünglich am Ende seiner Laufbahn eine America'sCup-Jacht bauen - doch ein Rücktritt von der Königsklasse des Motorsports ist für den 54-Jährigen offensichtlich noch lange nicht in Sicht.

Und das, obwohl die Formel 1 in der kommenden Saison mit den umfangreichen Reglementänderungen in ein neues Zeitalter geht, in dem die Bedeutung von Neweys Domäne - der Aerodynamik - vermutlich nicht mehr so groß ist wie bisher. "Ich war von Anfang an bei Red Bull beteiligt, und ich bin dem Team und der Belegschaft gegenüber sehr loyal", sagt er gegenüber 'Formula1.com'. "Ich würde nie aufhören, ohne rechtzeitig Bescheid zu geben. Aber in Wahrheit werde ich weitermachen, solange ich es genieße."

Ferrari-Ära: Newey wäre beinahe zurückgetreten

In seiner langen Karriere war Newey laut eigenen Angaben nur einmal kurz davor, das Reißbrett einzupacken und die Formel 1 zu verlassen. "Das war ungefähr 2002", erinnert sich der Brite. "Damals schien überall so viel Politik - Ferrari und die FIA -, dass es eine ziemlich schwierige Zeit war."

Tatsächlich erlebte Newey nach seinen WM-Titeln mit Mika Häkkinen bei McLaren Ende der 1990er-Jahre eine rund ein Jahrzehnt andauernde Durststrecke, ehe er Red Bull 2010 zum Erfolg führte. Von 2000 bis 2004 hatten Michael Schumacher und Ferrari die Formel 1 nach Belieben dominiert - der Stardesigner war bei McLaren nicht mehr glücklich.

Fehlkonstruktionen: 1989 und 2004 ging Newey über das Limit

Um die Ferrari-Dominanz zu brechen, ging Newey damals sogar über das Limit: Bester Beweis ist der legendäre McLaren MP4-18 aus dem Jahr 2003, der nicht nach Wunsch funktionierte und es nie zu Rennehren schaffte. Auch das Nachfolge-Modell MP4-19A für die Saison 2004 war nicht besonders erfolgreich. "Ferrari hat damals alles gewonnen, und wir hatten das Gefühl, dass wir einen großen Schritt machen müssen - oder zumindest pushen müssen, damit wir einen großen Schritt machen", blickt Newey zurück. "Wir haben den Fehler gemacht, zu hart zu pushen. Wir haben so hart gepusht, dass wir unsere Hausaufgaben vernachlässigt haben."

Newey hätte es wissen müssen, schließlich war ihm ähnliches bereits einmal davor in seiner Karriere passiert - bei March. Und kurioserweise erinnerte der MP4-18 auch optisch in Ansätzen an seine Leyton-House-March-Autos. Bereits beim 1988er-March hatte sich der damals aufstrebende Designer darauf konzentriert, den Unterboden aerodynamisch zu nutzen, um mehr Abtrieb zu erzeugen. 1989 übertrieb er es dann: "Das Auto war einfach zu kompliziert für die Größe des Teams - und unsere Erfahrung. Daraus habe ich gelernt - aber nur bedingt."

Was Newey an der Formel 1 liebt

Dennoch ließ sich Newey nicht aus der Bahn werfen - das entspräche nicht seinem Naturell. Ganz egal, ob er Erfolg hat oder nicht: "Ich lehne mich nie zurück und reflektiere über so etwas. Ich versuche, meinen Interessen nachzugehen, und hoffentlich sind meine Interessen auch meine Stärken. Ich versuche, nicht zu viele Meetings zu besuchen und 50 Prozent meiner Zeit hinter dem Zeichenbrett zu stehen - die verbleibende Zeit verbringe ich mit den Kollegen in der Fabrik, und ich überprüfe ihre Erkenntnisse. Und bei den Rennen verbringe ich Zeit mit den Fahrern, was es sehr abwechslungsreich macht. Das ist sehr stimulierend."

Die Faszination der Formel 1 besteht für Newey auch darin, dass er ungefähr jedes zweite Wochenende die Rechnung präsentiert kriegt, ob seine Arbeit erfolgreich war oder nicht. Ein krasser Gegensatz zu seinen ehemaligen Aeronautik-Studienkollegen, die sich für das Flugzeug-Design interessierten. "Sie haben an Projekten gearbeitet, wo man die Ergebnisse in zehn bis 15 Jahren sehen könnte - das Feedback, ob die Arbeit gut oder schlecht ist, war Lichtjahre entfernt", erzählt er. "Das hat mich nicht interessiert. Das Spannende an der Formel 1 ist, dass man so viel Feedback erhält."

Die Kochkünste des Stardesigners

Dementsprechend groß ist der nicht enden wollende Druck in der Königsklasse des Motorsports, der es den Protagonisten nicht einfach macht, so richtig abzuschalten und die Freizeit zu genießen. Newey behauptet aber, dass er dies hin und wieder tut: "Dann reise ich in die Karibik und sorge dafür, dass mein Geist keine Rennen fährt." Er hält es für unumgänglich, sein Leben in der Balance zu halten, "da es sehr rasch passieren kann, dass man nur noch arbeitet."

Glaubt man dem Klischee, dann haben Genies wie Newey trotzdem so ihre Probleme mit dem banalen Alltagsleben. Das "Superhirn" am Herd in der Küche? Für viele Formel-1-Fans ist das ein unvorstellbares Bild. "Ich kann einen Sonntagsbraten machen und Spaghetti kochen", überrascht er. "Aber das ist es auch schon. Ich denke, dass ich ein normaler Kerl bin, obwohl meine Familie dem möglicherweise überhaupt nicht zustimmen würde."

Man darf gespannt sein, wie die Karriere des Red-Bull-Stardesigners weitergeht. Eines ist fix: Über mangelnde Angebote muss er sich nicht beklagen. Auch nicht aus der Formel 1. "Wenn das nicht der Fall wäre, dann würde ich mir Sorgen machen", lacht er.

Fotoquelle: xpbimages.com

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