Hut ab: Mark Webber hat sich seinen Traum - die Formel 1 - erfüllen können

Formel 1 2013

— 29.11.2013

Webber - Aller Anfang ist schwer

Mark Webber blickt nach zwölf Jahren Formel 1 auf seine Anfänge zurück - Vieles verdankt er der Hilfe anderer und gibt deshalb etwas an junge Piloten zurück



Mark Webber hat nach zwölf Jahren Formel 1 in Sao Paulo seinen letzten Grand Prix hinter sich gebracht, um künftig in der Langstreckenszene mit Porsche Gas zu geben. Während seiner Zeit in der Königsklasse erlebte der markante Australier diverse Höhen und Tiefen; am Ende stehen immerhin neun Siege auf höchstem Niveau zu Buche, auch wenn er die Weltmeisterschaft knapp verpasste. Webber hat sich mit der Formel 1 einen Lebenstraum erfüllt, für den er zuvor einiges hatte auf sich nehmen müssen.

Heute weiß er, dass ein Rennfahrer auf seinem Weg an die Spitze im Normalfall immer wieder auf gewisse Hilfestellungen angewiesen ist. Für Webber stellte so eine Stütze Mercedes dar: "Gerhard Unger, der damals für AMG arbeitete, hat es geliebt, junge Talente aus England zu bekommen. Das war die wahre AMG-Philosophie. Die britischen Meisterschaften waren ziemlich hart, und sie haben die Jungs genommen, die vielleicht keine finanzielle Sicherheit hatten", erinnert sich Webber.

Zwar habe er seine Zeit bei Mercedes sehr genossen, dennoch sei es eine gewaltige Herausforderung für den Australier gewesen - "besonders Ende der Neunziger. Die Sprachbarriere war eine ziemliche Herausforderung", bedauert Webber im Nachhinein und freut sich auf bessere Bedingungen im kommenden Jahr: "Bei Porsche werden die meisten Englisch sprechen, das ist eine große Hilfe. Bei Jaguar war es damals auch gut, dass ich durchweg englischsprechende Leute hatte."

Deutsche Sprache, schwere Sprache

Doch nicht nur die deutsche Amtssprache stellte Webber vor Schwierigkeiten: "Ich war noch nicht so erfahren, als ich den Mercedes gefahren bin. Ich bin nur in der Formel Ford gefahren - und dann eine 800 PS starke V12-Rakete. Es war echt nötig, dass er (Bernd Schneider, Ex-Mercedes-Fahrer; Anm. d. Red.) mich unter seine Fittiche nahm." Der DTM-Rekordchampion habe Webber viele Dinge beigebracht, zum Beispiel wie er die Randsteine zu nutzen hat: "Ich war diesbezüglich eigentlich nicht so offen, weil ich als sanfter Fahrer nicht unbedingt mit Absicht das Auto auf den Randsteinen beschädigen wollte."

Die Randsteine waren für Webber aber noch das kleinste Übel: "Dann gab es auch noch die Telemetrie. In Australien war das eigentlich nicht so großartig vorhanden, aber dann bin ich nach Europa gekommen und hatte die ganzen Linien auf dem Display. Es war mir peinlich, auf dieses Zeug zu schauen, denn ich wollte es selbst schaffen. Als ich zu den Sportwagen kam, hat Bernd gesagt: 'Du musst mit dem Zeug arbeiten. Dann wirst du besser.'" Zwar hat sich Webber darauf eingelassen, seine grundlegende Einstellung hat sich aber offenbar bis heute nicht geändert; statt auf Zahlen vertrauer er lieber "auf Gefühl."

Rückblickend kann Webber seinen Werdegang kaum fassen: "In Australien hätte ich nie gedacht, mal in der Formel 1 zu landen. Ich habe sie leidenschaftlich und eng verfolgt", erinnert er sich an seine Anfänge im Motorsport. "Als ich dann mit der Formel Ford angefangen habe, dachte ich, dass es vielleicht eine Chance gibt, in Europa zu landen. Als ich nach Europa gegangen bin, habe ich dann gedacht: 'Okay, jetzt kommst du näher.' Aber trotzdem ist man immer noch so weit davon entfernt, in die Formel 1 zu gelangen." 2002 schaffte der mittlerweile 37-Jährige dann letztlich den Sprung in die Königsklasse und startete bei Minardi durch.

Das liebe Geld

Auch in finanzieller Hinsicht hatte Webber anfangs schwer zu kämpfen: Während seiner Formel-3-Saison 1997 ging ihm das Geld aus. Doch der australische Rugby-Star David Campese half ihm aus der Klemme und unterstützte ihn damals mit umgerechnet 60.000 Euro. Für Webber war es die Rettung in letzter Sekunde. Nun will er auch selbst etwas zurückgeben und unterstützt bereits den einen oder anderen Rennfahrer. So half er etwa seinem Landsmann Will Power im Jahr 2004 mit knapp 500.000 Euro aus, der seinen Weg in der britischen Formel 3 dadurch weitergehen konnte.

Seit 2008 fährt Power nun in der amerikanischen IndyCar-Serie und wurde dreimal Vizemeister. Webber erinnert sich an seine Spende: "Ich habe Will Power damals unterstützt und versucht, ihn in Europa zu halten. Das war gut. Er hat seine World-Series-Saison absolviert und sah gegen Robert Kubica ziemlich gut aus. Er hatte mit Sicherheit den Speed, es fehlte ihm nur ein wenig an Feintuning. Aber als er in die Staaten ging, hat er sich verbessert und hat seitdem eine sehr gute Karriere hingelegt." Die IndyCar-Saison 2013 schloss Power als Gesamtvierter ab, war in den vergangenen Jahren aber stets in der Spitze vertreten.

Ein weiterer Fahrer, der sich über die Unterstützung des Routiniers freuen darf, ist GP2-Pilot Mitch Evans. Der junge Neuseeländer wird von Webber gemanagt und fuhr 2012 für das Team des Ex-Formel-1-Profis (MW Arden) in der GP3, wo er auf Anhieb Meister wurde. "Mitch war großartig. Er kam aus Neuseeland, die noch einmal schlechter sind als Australien, was Grand-Prix-Resultate angeht." Nach nur einem Jahr stieg das Nachwuchstalent in die nächsthöhere Serie auf.

Evans' erste GP2-Saison (der höchsten Klasse unter der Formel 1) lief jedoch nicht ganz so rund. Zwar kam der 19-Jährige 2013 insgesamt viermal auf das Podium, wurde im Endklassement aber nur 14. "Es ist nicht einfach", weiß sein Mentor: "Er hat eine großartige Hartnäckigkeit, auch wenn er eine harte zweite Saisonhälfte in der GP2 hatte. Er hat ein paar Möglichkeiten ausgelassen, aber das hat er auch realisiert. Er ist ehrlich und hart zu sich selbst, ist schnell genug, hat Charisma und ist ein maßvoller, junger Kerl. Das ist gut. Er wird im kommenden Jahr weiter voranschreiten." Womöglich schafft ja auch Evans irgendwann den ganz großen Wurf - wie einst sein Verbündeter Webber.

Fotoquelle: Red Bull

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