Rennen im Rennen: Caterham und Marussia sehen gegen die "Etablierten" kein Land

Formel 1 2013

— 05.12.2013

Anderson: Warum Marussia und Caterham nicht zu helfen ist

Caterham und Marussia hinken auch nach vier Jahren den etablierten Teams hinterher - Ex-Technikchef Gary Anderson wundert sich über deren Unbelehrbarkeit



Die Bilanz ist ernüchternd: Caterham und Marussia haben es in vier Jahren Formel 1 nicht geschafft, auch nur einen einzigen WM-Punkt zu ergattern. Und auch das große Ziel, den Abstand auf das Mittelfeld zu verringern, wurde nicht erreicht. Das ist zum Teil darauf zurückzuführen, dass man von einer Budgetobergrenze in Höhe von 45 Millionen Euro ausgegangen war, als man 2010 in die Formel 1 einstieg, heute geben die Teams aber teilweise das Fünffache davon aus.

Dennoch versteht Ex-Jordan-Technikchef Gary Anderson nicht, warum bei den zwei Nachzüglern nichts vorwärts geht. "Auch wir bei Jordan hatten schwierige Zeiten am Ende des Feldes, aber wir hatten immer eine Chance, zu kämpfen", vergleicht er gegenüber 'Motorsport'. "Bei Caterham und Marussia sehe ich diesen Kampf nicht. Sie sind so weit weg."

Er kramt Daten heraus, die zeigen, wie eklatant der Abstand zum Mittelfeld weiterhin ist: "Williams ist das neuntbeste Team und hatte durchschnittlich zwei Sekunden pro Runde Rückstand auf Red Bull. Das nächste Team dahinter ist Caterham mit 3,9 Sekunden Rückstand. Bei Marussia sind es 4,1 Sekunden. Am Ende haben sie keine Chance - der Abstand ist riesig. Sie müssten sich im Verhältnis zu den anderen Teams um zwei Sekunden verbessern."

Caterham und Marussia: Kaum Fortschritte seit 2010

Auch die Qualifying-Daten vom Grand Prix von Abu Dhabi der vergangenen vier Jahre belegen die Misere. Der Yas Marina Bay Circuit gilt wegen der stets hervorragenden Bedingungen als besonders vergleichbare Strecke. 2013 hatte mit Caterham-Fahrer Giedo van der Garde der beste Nachzügler-Pilot in Q1 2,6 Sekunden Rückstand auf die Pole-Zeit, auf den schlechtesten Fahrer eines Mittelfeld-Teams, Adrian Sutil im Force India, waren es 1,2 Sekunden.

2012 war Heikki Kovalainen zwar mit 3,5 Sekunden Rückstand deutlich weiter von der Pole-Zeit entfernt, der Rückstand auf den schlechtesten Nachzügler - Jean-Eric Vergne im Toro Rosso - war aber mit rund neun Zehntelsekunden geringer. Ähnlich sah es 2011 aus, als Kovalainen 3,2 Sekunden Rückstand auf die Pole hatte, aber nur rund vier Zehntel auf Michael Schumacher, den langsamsten Fahrer der etablierten Teams. Und 2010 fehlten Jarno Trulli 3,4 Sekunden auf die Pole sowie 1,7 Sekunden auf Sebastien Buemi, den schlechtesten Mittelfeld-Pilot. Eine klare Tendenz nach oben ist also keinesfalls zu erkennen.

Anderson hat auch die Ursache ausgelotet, warum es bei Caterham und Marussia keine merkbaren Fortschritte gibt. Er wirft den Ingenieuren der zwei Nachzügler vor, sich zu wenig von der besseren Konkurrenz inspirieren zu lassen. "Wenn man in der Boxengasse auf und ab geht, dann sieht man viele Dinge. Ich hole manchmal meine Stoppuhr heraus, stoppe Sektoren, um herauszufinden, warum und so weiter. Aber ich sehe nie jemanden von ihnen, da ist nie jemand in der Boxengasse unterwegs und schaut sich Dinge genau an, neue Entwicklungen oder so", fällt dem Iren auf.

Anderson: Nachzügler müssen besser beobachten

Ihm ist bewusst, dass es nicht damit getan ist, ein paar Teile zu kopieren, dennoch könnten die Ideen der anderen Designer für Denkanstöße sorgen, die Caterham und Marussia auf den richtigen Weg bringen würden. Anderson empfiehlt den beiden, sich folgende Fragen zu stellen: "Die anderen machen das aus einem Grund, wie können wir auch davon profitieren? Warum funktioniert dieses Teil auf ihrem Auto besser als auf unserem Auto?" Dadurch würde man eine "Richtung" erhalten.

Genau diese Herangehensweise vermisst er aber bei den Abonnenten auf die letzten Plätze. "Das ist, als ob man die Wahl hätte, Salz oder Zucker in den Kaffee zu geben", zieht er einen Vergleich. "Der andere nimmt Zucker, und es schmeckt ihm, warum sollte ich dann Salz nehmen? Aber sie scheinen ständig Salz in den Kaffee zu schütten und versuchen dann, ihn süß zu machen. Am Ende muss man die Augen aufmachen. Sie sind nicht groß genug, um alles selber zu machen. Man muss sich anschauen, wie die anderen gewisse Probleme lösen."

2014: Neues Reglement ein Alptraum für Nachzügler?

Zumal kommende Saison mit dem neuen Reglement eine riesige Herausforderung auf die Teams zukommt. Anderson fürchtet, dass die zwei Nachzügler am schlechtesten darauf vorbereitet sein werden. "Wer findet, dass diese Saison zu viel Geld verschwendet wurde, für den wird 2014 ein absoluter Alptraum", glaubt er. "Auch das Auto wird ein Alptraum, und das Entwicklungstempo wird enorm sein."

Dass das neue Reglement, das alle Teams dazu zwingt, mit einem leeren Blatt Papier zu beginnen, eine Chance für Caterham und Marussia darstellt, kann er sich nicht vorstellen. "Das Reglement war nun eine Zeitlang stabil, und alle haben eine Richtung verfolgt. Klar hat man ständig neue Teile benötigt, aber man war nicht auf losem Untergrund unterwegs. Kommendes Jahr wird man aber beim ersten Test Teile sehen, die später nie mehr verwendet werden."

Für ein derartiges Szenario haben die beiden Rennställe laut Anderson schlicht nicht die nötigen Kapazitäten, um mithalten zu können: "Je größer das Team ist, desto genauer kann man das Reglement durchleuchten, man sieht dann diese Grauzonen, man kann diese ausnutzen, man hat die Kapazitäten, um das zu nutzen. Und am Ende hat man eben einen Red Bull, einen Mercedes oder einen Ferrari."

Fotoquelle: xpbimages.com

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