Jenson Button und Ross Brawn werden von der FIA als Weltmeister 2009 geehrt

Formel 1 2013

— 14.12.2013

Button: Wie alles begann - Schließlich Weltmeister

Im vierten Teil unseres Rückblicks auf die Karriere von Jenson Button steht seine Saison 2009 mit Brawn GP im Mittelpunkt - Buttons Weg zum ultimativen Ziel



Vom Playboy der Formel 1 über das ewige Talent bis hin zum Überraschungsweltmeister und schließlich "Elder Statesman" der Königsklasse - die Formel-1-Karriere von Jenson Button, die mittlerweile schon 14 Saisons andauert, war ein ständiges Auf und Ab. Doch wie wurde aus dem Jungen aus dem englischen Städtchen Frome eigentlich einer der besten Formel-1-Piloten der Gegenwart?

Die Antwort darauf liefert unser mehrteiliger Rückblick auf die Karriere des Jenson Button. Im vierten Teil erfahren Sie, wie der Brite nach 21 Jahren im Motorsport seinen Lebenstraum verwirklichte und warum er stattdessen ursprünglich eine Formel-1-Auszeit einlegen wollte. Denn nach einigen Jahren mit Honda stand der heute 33-Jährige im Winter nach der Saison 2008 kurz vor dem Abgrund...

Als Jenson Button am Morgen des 6. August 2006 die Vorhänge beiseiteschob und den Regen erblickte, der auf sich über Budapest ergoss, verspürte er einen Anflug von Hoffnung. Seit der britischen Formel 3 hatte er nun kein Rennen mehr gewonnen - in sechs Jahren Formel 1. Allmählich musste er es den Zweiflern endlich zeigen. Der Hungaroring ist stets eine Strecke gewesen, auf der es unheimlich schwierig ist zu überholen - selbst bei Nässe - und es würde eine ganz besondere Leistung brauchen, um von Startplatz 14 aus ein gutes Resultat zu erreichen.

Button, der Feingeist

Nach dem Start des Rennens zeigte Button jenes außergewöhnliche Feingefühl und seinen bereits bewiesenen Speed, den er vor langer Zeit im Alter von acht Jahren schon bei seinem ersten Kartrennen im Regen demonstrierte. Schließlich war das Warten vorüber: In seinem 113. Versuch stand Button erstmals ganz oben auf einem Formel-1-Podium. Der Ungarn-Grand-Prix markierte somit seinen ersten Formel-1-Sieg sowie den ersten Triumph für Honda als Konstrukteur seit 1967.

Der Brite hatte bewiesen, dass er mit dem richtigen Material nicht zu stoppen war; mit seinem ersten Grand-Prix-Sieg unterstrich er erneut seine ultimativen Ambitionen. Alles, was er benötigte, war ein Auto, das sein unbestrittenes Talent wert war. "Ich wäre am Boden zerstört, wenn ich die Weltmeisterschaft nicht gewinnen würde, denn das war schon immer mein großes Ziel", hatte Button damals gesagt. "Ich arbeite so hart - viel härter, als es die Leute realisieren; besonders an meiner Fitness. Wenn ich nicht irgendwann in der Zukunft die WM gewinnen werde, könnte ich nicht damit leben."

Hondas erster Sieg hätte wohl eigentlich das Sprungbrett für weitere Erfolge darstellen sollen, doch die Autos der Folgejahre stellten sich als wenig konkurrenzfähig heraus. Die Resultate in den Jahren 2007 und 2008 waren jämmerlich, und als es so schien, als könnte es nicht mehr schlimmer werden, zog Honda den Stecker und sich aus der Formel 1 zurück. Somit blieb Button Ende 2008 ohne Cockpit zurück.

Quo vadis, Jenson?

Es folgte ein Winter der Ungewissheit, bis es zu einem Management-Buy-out in Brackley kam, durch den Ross Brawn zum neuen Eigentümer des Teams wurde. Mit einer gemeinsamen Erfahrung von insgesamt 423 Grands Prix wurden Button und Rubens Barrichello verpflichtet, die bereits in ihre vierte gemeinsame Saison gehen sollten. Brawn GP startete in die Saison 2009 mit Testfahrten in Barcelona. Am ersten Testtag setzte Button direkt die schnellste Rundenzeit - fast eine Sekunde schneller als der Zweitplatzierte. Es war wie ein vielversprechendes Omen für das, was bald kommen sollte.

"Ich bin gierig, etwas Großes zu erreichen, und ich bin nicht der Einzige, der so fühlt - wir alle tun das", sagte Button seinerzeit über das neue Team. "Vor allem, wenn man sich das wettbewerbsfähige Auto anschaut, das wir gebaut haben, und das völlig anders ist als das der vergangenen beiden Jahren. Wir alle sind aufgeregt wie kleine Kinder, das kannst du den ganzen lächelnden Gesichtern im Team entnehmen."

Die mörderische Geschwindigkeit des BGP 001 hielt in den vorsaisonalen Tests weiter an, und es wurde schnell klar, dass Honda noch vor dem Formel-1-Rückzug ein Schlupfloch in den technischen Regularien der FIA gefunden hatte: Ein Doppeldiffusor war der Schlüssel zu jener beeindruckenden Pace. Trotz vieler Proteste der Mitbewerber erklärte die FIA das Auto letztlich für legal.

Dominanz durch Doppeldiffusor

Das Märchen setzte sich fort, als Brawn GP zum Eröffnungsrennen der Saison 2009 nach Melbourne kam und einen dominanten Doppelsieg einfuhr (Button vor Barrichello). Im Winter noch ohne Team, nun der Sieg beim Debüt - zweifelsohne eine der außergewöhnlichsten Geschichten des Sports. "Man trifft Ross wirklich selten sprachlos an, aber ich glaube, diesmal hatte sogar er zu kämpfen...", verriet Button nach seinem Erfolg in Australien.

Im Anschluss des zweiten WM-Laufs in Malaysia versuchte der erneute Sieger Button, die Erwartungen etwas herunterzuschrauben. Über den Winter hinweg hatte das Team über 200 Mitarbeiter entlassen müssen, der BGP 001 hatte kein KERS, außerdem wurde das Rennen in Sepang nach roter Flagge nur mit halben Punkten gewertet und durfte nicht allzu hoch gehängt werden. Nichtsdestotrotz hatte Button bereits mehr Punkte geholt als in den vergangenen beiden Jahren zusammen (15).

Die Siege setzten sich in Bahrain und Spanien fort, dann folgte das Juwel in der Krone: der Große Preis von Monaco. Das beste Auto zu haben, veränderte Buttons Einstellung zur Formel 1: "Es ist ein bisschen langweilig geworden in diesem Jahr", sagte er im Laufe des Monaco-Wochenendes, "denn zwischen den Rennen studiere ich normalerweise die Daten, überlege, wie ich mich verbessern könnte, und befrage die Ingenieure, bevor ich dann hart auf der Strecke arbeiten muss - aber jetzt chille ich zwischendurch einfach nur..."

Wenn das Geld ausgeht...

Im Juni gestanden sich Ferrari und McLaren dann ein, dass der Titel in diesem Jahr außerhalb ihrer Reichweite lag, nachdem Button bis dato sechs von sieben Rennen gewonnen hatte. Ab Mitte der Saison konnte das finanziell gefährdete Brawn-GP-Team seine bisher gezeigte Entwicklungsrate nicht mehr aufrechterhalten. Mit seinem dominanten Silverstone-Sieg begann Sebastian Vettel im Red Bull, den Punkteabstand auf Button langsam aber sicher zu verringern.

Die Fahrerweltmeisterschaft für Button schien schon fast greifbar, dann wurde es jedoch noch einmal hektisch für den Mann aus Frome. Nach dem Ungarn-Grand-Prix 2009 lag Button nur noch mit 18.5 Punkten vor seinen Verfolgern und befürchtete schon, dass es womöglich nicht reichen könnte. Tatsächlich konnte Button keinen weiteren Saisonlauf mehr gewinnen. Beim vorletzten Rennen in Brasilien stellte Barrichello, der wie Vettel ebenfalls noch Chancen auf den Titel hatte, sein Auto auf die Pole-Position, während Button nur 14. wurde.

Am Rennsonntag bewies der Brite jedoch seine Extraklasse beim Überholen: Mit einer Fahrt, die an seinen ersten Triumph in Ungarn erinnerte, bahnte sich Button seinen Weg durch das Feld - eine seiner besten Leistungen überhaupt. Letztlich holte er Platz fünf und damit jene vier Punkte, die ihm noch zur vorzeitigen Weltmeisterschaft fehlten. Button hatte sein ultimatives Lebensziel endlich erreicht - und eine unvergessliche Geschichte mit Brawn GP geschrieben.

Das Ziel erreicht

"Das ist absolut überwältigend", sagte er nach seiner Performance in Interlagos. "21 Jahre sind vergangen, seitdem ich zum ersten Mal ein Kart gefahren bin. Ich hätte damals nie daran geglaubt, tatsächlich eines Tages Formel-1-Weltmeister zu sein, denn eigentlich denkst du, dass die Rennfahrer in der Formel 1 ganz anders sind als du. Aber heute habe ich es geschafft. Ich fühle mich wie in Ekstase, all diese guten und schlechten Erinnerungen rasen durch meinen Kopf - nicht nur aus diesem Jahr, sondern aus all den Jahren. Diese Saison hat so gut angefangen, aber die letzten Rennen waren nun doch noch sehr aufregend für mich."

"Außerdem war es so schwierig im Winter. Ich wusste nicht, ob in dieses Jahr noch Formel 1 fahren würde - und das ist die Wahrheit. Ich hatte ein paar Optionen, aber keine, die mich voran gebracht hätten, deshalb habe ich über eine Auszeit nachgedacht. Doch hätte ich das getan, wäre ich vielleicht in Vergessenheit geraten, deshalb war ich sehr glücklich, dass wir das Ruder nochmal rumreißen konnten und ein Auto in der Startaufstellung von Australien hatten. Und dies ist das Ende des Märchens", erkannte Button.

Das Jahr bei Brawn GP war eine unglaubliche Geschichte - nicht nur für Button, sondern für das ganze Team. Die Finanzen ließen es für den Rennstall jedoch nicht zu, im Folgejahr weiterzumachen - das Team wurde an Mercedes verkauft. Jenson Button hatte sein ultimatives Ziel erreicht und war nun auf der Suche nach einer neuen Herausforderung. So wurde der Weltmeister (zusammen mit Lewis Hamilton) Teil des britischen Dreamteams bei einem der prestigeträchtigsten Rennställe der Formel-1-Geschichte... Welcome to Woking, Jenson.

Fotoquelle: xpbimages.com

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