Di Montezemolo hat ein Herz für heulende Motoren - und keine Lust auf Computer

Formel 1 2013

— 25.12.2013

Di Montezemolo fordert: Basta-Politik den Testbeschränkungen

Der Ferrari-Präsident hat die Nase voll von "lächerlichen" Simulationen: Er will auf die Strecke und finanzschwache Teams zum Basketball schicken: "Es ist ein Witz"



Testbeschränkungen in der Formel 1 stießen bei Ferrari nie auf Gegenliebe. Luca di Montezemolo schlägt pünktlich zu Weihnachten einen noch schärferen Ton an, wenn es darum geht, die Autos aus Kostengründen weniger auf die Strecke zu bringen. Erprobungen von der Piste in die Fabriken zu verlegen sei teuer, ineffizient und "lächerlich", ätzt der Scuderia-Präsident im Gespräch mit 'Autosport'. "Das ist ein Witz", meint di Montezemolo, der in Maranello derzeit einen neuen Windkanal bauen lässt.

Der Italiener erklärt über Bits und Bytes statt Gummi und Benzin: "Wir waren gezwungen, eine große Menge Geld in diese fürchterlichen Maschinen zu investieren - künstlich, statt in Fiorano und in Maranello zu testen." Weil mit drei Spanien-Besuchen im Vorfeld der Saison plus einem Young-Driver-Test Mitte des Jahres nicht viel Streckenzeit blieb, war die Maßnahme jedoch kaum zu vermeiden. Immerhin wird es 2014 wieder die Möglichkeit geben, aktuelle Autos unter der Saison zu erproben. Für Ferrari offenbar nicht genug.

Schließlich stört es di Montezemolo, dass viele Millionen Euro in Ferraris neues Technikprunkstück geflossen sind, ohne dass es dieses wirklich gebraucht hätte: "Auf der anderen Seite werden wir dazu genötigt, viel Geld in einen Windtunnel zu stecken, in dem wir Aerodynamik entwickeln, die wir nicht im Straßenauto umsetzen können", meint der Ferrari-Boss, der die Kostenargumentation aus zweierlei Gründen nicht nachvollziehen kann. Erstens sind Windkanäle als Alternative teuer, wenn nicht sogar teurer, und müssen ständig weiterentwickelt werden.

Sponsoring und Sicherheit als weitere Aspekte

Zweitens hält er die Formel 1 per se für einen teuren Sport. "Hat jemand kein Geld, um zu testen, ist es besser, in der GP2 an den Start zu gehen, in Karts Rennen zu fahren oder Basketball zu spielen", sagt di Montezemolo, nach dessen Auffassung sich mehr Streckenzeit durch die Hintertür refinanzieren ließe. Die Überlegung: Boliden auf der Bahn werden fotografiert und gefilmt, die Sponsoren so stärker in Szene gesetzt - und die Zahlungsbereitschaft letztlich gesteigert. "Zwischen den Rennwochenenden ist es still in der Formel 1. Da ist nichts, gar nichts", glaubt der 66-Jährige.

Er fordert daher: "Das sollten wir in Zukunft zur Debatte stellen." Wie schon sein Pilot Fernando Alonso, der Testbeschränkungen damit verglichen hatte, Tennisstar Rafael Nadal ein neues Racquet nicht ausprobieren zu lassen, wagt auch di Montezemolo den Vergleich mit anderen Sportarten. "Will man im Fußball in der Champions League spielen, muss man gute Kicker kaufen, manchmal fünfmal am Tag trainieren. Das ist Wettbewerb." Der Ferrari-Präsident glaubt an logische Zusammenhänge, nicht an festgefahrene Argumentation.

"Ich will nicht wie ein konservativer Alt-Formel-1-Fan erscheinen", baut di Montezemolo vor und führt den Sicherheitsaspekt ins Feld: "Dann wäre der Reifenskandal vielleicht nicht passiert, weil es sogar für Pirelli schwierig ist." Auch der Zulieferer unterliegt strengen Auflagen, wenn er mit einem Formel-1-Auto auf die Strecke will. Ein Einsatz von Mercedes hatte in der abgelaufenen Saison für Trubel gesorgt, dazu mussten die Pneus im Sommer aus Sicherheitsgründen komplett novelliert werden.

Fotoquelle: xpbimages.com

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