Ross Brawn war über 30 Jahre in der Formel 1 tätig - aktuell nimmt er eine Auszeit

Formel 1 2014

— 13.01.2014

Ross Brawn - Die Formel 1 als ewige Manie

Zum zweiten Mal in seiner Karriere nimmt sich Ross Brawn eine Auszeit - In Anbetracht seiner speziellen Beziehung zur Formel 1 wäre ein Comeback vorstellbar



Als einen Sklaven der Geschwindigkeit kann man Ross Brawn vielleicht nicht unbedingt bezeichnen, denn die Heimat des Briten war seit jeher eher die Garage, nicht die Rennstrecke. Wohl aber darf man ihn als echten Formel-1-Junky titulieren - jemand, der nicht mit und nicht ohne die Königsklasse des Motorsports kann. Dieses Attribut offenbarte der 59-Jährige bereits vor einigen Jahren, nun lässt es erneut auf ein baldiges Comeback des "Superhirns" hoffen.

In den späten Siebzigern fasste der ehemalige Messtechnik-Student erstmals Fuß in der Formel 1. Während dieser Zeit stellte auch Frank Williams den jungen Mann aus Manchester als Techniker in seinem Rennstall ein. In den darauffolgenden Jahren durchlief Brawn diverse Teams und Stationen innerhalb der Königsklasse, bekleidete 1986 erstmals den Posten des Chefdesigners beim damaligen Arrows-Team. Brawns neue Leidenschaft war endgültig entfacht.

Der Erfolg stellte sich schließlich während in seiner Zeit bei Benetton ein, wo er ab 1991 als Technischer Direktor operierte. Hier traf der Ingenieur auch auf Michael Schumacher, mit dem er in den Folgejahren einen beispiellos erfolgreichen Weg gehen sollte. Zunächst war Brawn maßgeblich an den ersten beiden WM-Titeln des Rekordchampions bei Benetton beteiligt (1994 und 1995). Wenig später folgte er Schumacher zu Ferrari, wo er zwischen 2000 und 2005 fünf Weltmeisterschaften hintereinander mit dem Kerpeners gewann. Insgesamt stand er Schumacher bei 88 seiner 91 Grand-Prix-Siege zur Seite.

Der erste Entzug

Im Oktober 2006 beendete Brawn vorläufig sein Engagement bei Ferrari (kurz nach der Rücktrittsverkündung Schumachers) und kündigte ein privates Jahr an. Schon zu diesem Zeitpunkt war er jedoch davon überzeugt, in die Formel 1 zurückzukehren. "Ich war ein Jahrzehnt lang bei Ferrari, und ich wusste nie so wirklich, wie ich darunter einen Schlussstrich ziehen soll, oder ob ich überhaupt einen Schlussstrich ziehen sollte", erinnert er sich gegenüber 'James Allen on F1'.

"Ich hatte aber dann das Gefühl, dass ich das tun möchte, um zumindest einen Schritt zurück zu machen und andere Dinge zu entdecken. Es gab einige Dinge, die sich über die Jahre angesammelt hatten, die ich nicht tun konnte", erklärt Brawn. Ein direkter Teamwechsel kam für ihn indes nicht in Frage: "Ich habe meine Zeit bei Ferrari wirklich genossen und hätte mich dabei sehr unwohl gefühlt, von Ferrari zu einem anderen Team zu wechseln." Zudem sehnte sich der Brite nach seinen gerade geborenen Enkelkindern in der Heimat.

"Und so habe ich ein Jahr Auszeit genommen, um ein bisschen das Leben zu genießen und um Dinge zu tun, die ich nie tun konnte", denkt Brawn zurück. Lange währte sein Formel-1-Entzug jedoch nicht. "Es war unausweichlich, dass mich einige der Vorzüge der Formel 1 wieder angezogen haben", gibt er zu. "Man tendiert ja in diesen Situationen dazu, sich nur an die guten Dinge zu erinnern und das Negative zu vergessen."

Wiedereinstieg als Teamchef

"Ich erstellte also eine Liste mit all den Dingen, die ich an der Formel 1 mag und denen, die ich nicht mag. Das ergab ein positives Ergebnis. Also wollte ich weitermachen", schildert Brawn seinen Entscheidungsprozess. "Das ist die Herangehensweise eines Ingenieurs. Man sieht die Dinge sehr pragmatisch - man fragt sich, was gefällt mir und was nicht? Ich mag den Wettbewerb, die Herausforderungen, aber ich habe vor allem den Teamaspekt vermisst." Schließlich gab er dem Verlangen nach und kehrte im November 2007 als Honda-Teamchef in die Königsklasse zurück.

Nach der Saison 2008 kündigte Honda überraschend den Rückzug aus der Königsklasse an. Für Brawn war ein Ausstieg jedoch keine Alternative. "Wir wollten nicht zusperren, hatten unserer Meinung nach ein aufregendes Auto, hatten viele motivierte Leute in der Fabrik, alle wollten weitermachen." Deshalb suchte er gemeinsam mit Nick Fry zunächst nach Käufern für den Rennstall, eine zufriedenstellende Lösung fand man jedoch nicht. "Also stellten wir uns zwangsläufig die Frage, warum wir das Team nicht selbst kaufen und es probieren sollten."

Am Ende sei es keine allzu schwierige Entscheidung gewesen, "denn die Alternative war die Schließung, und das wollte sowieso niemand. Das Schlimmste wäre gewesen, dass wir in 18 Monaten hätten zusperren müssen anstatt sofort", erklärt Brawn. Somit war Brawn GP geboren - das Team, das in seiner Debütsaison direkt Weltmeister wurde. "2009 werde ich nie vergessen - es war ein spezielles Jahr, mit all diesen Leuten, mit der Art und Weise, wie es zu diesem Team kam, und wie wir zusammengehalten haben. Diese Erfahrung, die wir als Gruppe gemacht haben, war etwas ganz Besonderes."

Der zweite Entzug

Immer mehr wird deutlich, dass das Alphatier Brawn stets auch besonders großen Wert auf die Gemeinschaft legte - ein essenzielles Merkmal der Formel 1. 2010 stieg schließlich Mercedes in die Königsklasse ein und übernahm Brawn GP. Der bisherige Teamchef blieb im Amt und führte die Silberpfeile 2013 zur Vizekonstrukteursmeisterschaft, wenngleich auch die ganz großen Erfolge ausblieben. Immer wieder waren während der vergangenen Saison Gerüchte aufgekommen; am 28. November kam dann die offizielle Bestätigung: Brawn verlässt Mercedes.

Von einem Karriereende war bis dato jedoch keine Rede: Wie schon 2006 will sich Brawn eine Auszeit nehmen - offenbar auch im Glauben, dass er womöglich nicht ohne die Formel 1 kann. "Ich möchte einen klaren Kopf bekommen, eine Pause machen und dann entscheiden, ob ich in die Formel 1 zurückkehren will, was natürlich von den Möglichkeiten abhängt", hatte er im Dezember gegenüber 'BBC' verlauten lassen. Vor Sommer 2014 wolle er jedoch keinerlei Spekulationen kommentieren. "Ich beginne im Frühjahr mit meinen Fischereireisen, und nur die Zeit wird zeigen, ob die Formel 1 und ich wieder zusammenfinden."

Im August hatte Brawn noch gescherzt, er werde nicht rasten, ehe er weitere Rennen gewonnen hat - ein Sieg kam seitdem nicht mehr hinzu... "Ich werde eines Tages aufhören, und ich muss sagen, dass ich mich im Herbst meiner Karriere befinde", sagte er vor seinem Mercedes-Rücktritt: "Das Reisen und all die anderen Aktivitäten sind ziemlich anstrengend, aber ich will nicht zur falschen Zeit aufhören. Siege und wenn möglich Titel sind auf jeden Fall das Herzblut, warum ich in der Formel 1 bin." Jene Erfolge könnten dem 59-Jährigen womöglich noch bevorstehen - sofern er der Königsklasse ein weiteres Mal erliegen sollte.

Fotoquelle: Daimler

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