Nico Hülkenberg wird sich den Gesang seines Autos nicht auf CD pressen lassen

Formel 1 2014

— 29.01.2014

Amadeus rockt nicht alle: "Mozarts" neuer Sound spaltet

Während Hülkenberg sich an ein DTM-Auto erinnert fühlt, hört Rosberg die alten Turbos heraus - Der Toro-Rosso-Boss holt den Opernfrack aus dem Schrank



Mit optischen Reizen können die Formel-1-Autos der neuesten Turbogeneration nur wenige Fans begeistern. Bizarre Nasenkonstruktionen und eine insgesamt gewöhnungsbedürftige Silhouette haben den 2014er Modellen mehr hochgezogene Augenbrauen als bewundernde Blicke beschert. Wenn sie schon kein Augenschmaus sind, dann wenigstens einer für die Ohren? Auch in diesem Punkt sind die Meinungen gespalten. "Der Sound ist ein wenig enttäuschend", findet Force-India-Pilot Nico Hülkenberg.

Der Deutsche hört beim Klang seines neuen Dienstwagens, der mit einem Mercedes-Aggregat ausgestattet ist, einen Tourenwagen heraus: "Er erinnert mich an ein DTM-Auto", so Hülkenberg. Allerdings sind diese Boliden mit einem V8-Saugmotor ausgestattet - also genau den Herzen, die die Königsklasse jetzt eingekellert hat. Es geht dem 26-Jährigen mehr um die Lautstärke als um die Tonfarbe: "Viel, viel leiser", schildert er. Nico Rosbergs Ohren hingegen scheinen ganz anders gestimmt zu sein.

Der Mercedes-Pilot, der schon selbst im DTM-Renntaxi am Steuer saß, hört keine Hommage an den Tourenwagen. "Es erinnert mich ein wenig an die Videos aus den achtziger Jahren", so Rosberg, der diese Meinung ziemlich exklusiv hat. Er geht ins Detail: "Es ist jetzt das Gleiche: Der tiefe Sound mit mehr Power auf der Geraden. Es hat mir wirklich eine Rückblende auf die Videos gegeben." Der einzige wirkliche Musikus in der Formel 1 scheint ohnehin am Kommandostand von Toro Rosso zu stehen.

Formel 1 als "Mozart des 21. Jahrhundert"

Franz Tost zeigt sich als Soundfeinschmecker: "In der Formel 1 reden wir nicht über Lärm, sondern über Musik. Lärm gibt es in der Oper", sagt der Österreicher schmunzelnd und philosophiert: "In der Formel 1 reden wir über Musik, über die Mozarts des 21. Jahrhunderts." Um bei Tosts Analogie zu bleiben: Der Dienstag in Jerez war angesichts der vielen Defekte eher ein Requiem für die neuen Motoren als eine Ode an die Freude. Tenor Tost widerspricht Rosberg mit seiner Theorie vom Achtziger-Jahre-Coversong.

Der Toro-Rosso-Teamchef verweist etwa auf den Matra der ersten Turboära und dessen akustische Entfaltung auf den langen Gerade des Kurses in Monza. "Das war ein unglaublicher Sound", schwärmt Tost. "Wie auch immer - die Zeiten ändern sich, und der Turbo ist einfach anders. Wenn einmal alle Autos draußen auf der Strecke sind, dann werden wir es genießen." Das glaubt auch Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff: "In einigen Monaten spricht niemand mehr über den alten Motorensound. Ich bin nicht besorgt."

Außerdem gibt der Silberpfeil-Verantwortliche zu bedenken: "Man darf nicht vergessen, dass wir hier lediglich Systemchecks und einen Shakedown durchführen." Hülkenberg jedenfalls hofft, dass die Tonart nochmals revidiert wird: "Vielleicht ändert sich ja noch etwas, aber es sind nicht mehr die hohen Drehzahlen." Die Renault-Piloten sollten darauf nicht hoffen, wenn sie noch keinen Ohrwurm bekommen haben: "Zu 90 Prozent ist das der Sound, den die Autos produzieren werden", blickt Motorenchef Remi Taffin voraus.

Fotoquelle: xpbimages.com

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